Was macht die Kunst? The Two Fridas von Frida Kahlo

Eine Frau lächelt in die Kamera
Kia Vahland

Was macht die Kunst? The Two Fridas von Frida Kahlo

Mexiko hat zum ersten Mal eine weibliche Präsidentin: die Physikerin Claudia Sheinbaum von der Linken. Sie wird ein für Frauen gefährliches Land regieren, täglich werden rund zehn Frauen ermordet. Aber auch der Feminismus hat hier Wurzeln. Die Malerin Frida Kahlo etwa erfand einst das Bild der mexikanischen Frau neu, sagt die Kunsthistorikerin, Sachbuchautorin und Bremen Zwei-Kolumnistin Kia Vahland.

Bild: Börsenverein des deutschen Buchhandels | Moe Wuestenhagen

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Gemälde von Frida Kahlo: "The Two Fridas" von 1939.
Das Gemälde "Die zwei Fridas" von Frida Kahlo entstand 1939. Zu sehen ist es im Museum für moderne Kunst in Mexiko-Stadt. Bild: fridakahlo.org

Frida Kahlo war eine Exzentrikerin, die sich selbst zu einem Gesamtkunstwerk stilisierte: Sie kleidete sich in einem Mode-Mix aus volkstümlichen Trachten und internationalem Stil, ließ zahllose Fotografien machen von sich. Sie führte ein öffentliches Leben mit ihrem Ehemann, dem Maler Diego Rivera, und zahlreichen Liebhaberinnen und Liebhabern. Und sie hatte ein Lieblingssujet in ihrer Malerei: sich selbst. So wurde sie zu einer Pionierin der Selbsterkundung. In ihrer Kunst brachte sie neben Themen wie Schwangerschaften und körperlichen Gebrechen auch die vielen Femizide zur Sprache, die es schon damals in Mexiko gab.

Das Doppelselbstbildnis "Zwei Fridas" zeigt zwei Frauen, die vor einem Gewitterhimmel sitzen und einander an der Hand halten. Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass sie offene Herzen haben, anatomisch korrekt gemalt. Die linke Frida trägt ein weißes, hochgeschlossenes Kleid mit Spitze. Es tropft Blut auf ihren Schoß. Die rechte Frida ist lockerer gekleidet, bunt und im traditionellen, südmexikanischen Stil. Sie wirkt reifer, entschlossener als ihre Gefährtin. Auf ihrem Schoß hält sie ein winziges Kinderbild. Es zeigt Kahlos Ehemann Diego Rivera als Jungen. Von ihm hatte sie sich zu dem Zeitpunkt kurzzeitig getrennt. Er ist nun scheinbar nicht mehr so wichtig. Kahlo präsentiert sich als Malerin mit Herzblut, eine Frau, die das steife, westlich anmutende Brautkleid abgelegt hat und jetzt freier, auch mexikanischer auftritt.

Mexiko war in den 1920er und 1930er Jahren ein Land, das sich modernisierte und gleichzeitig die vorchristlichen Traditionen wiederentdeckte. Dieses mexikanische Selbstbewusstsein verkörperte auch Frida Kahlo. Sie wollte sich nicht an den westlichen Kanon anpassen, sondern im Mix von Tradition und Moderne einen eigenen Weg finden.

Das Frauenwahlrecht wurde erst 1953 eingeführt, ein Jahr vor Kahlos Tod. Erst seit einer Woche hat Mexiko eine weibliche Regierungschefin, Claudia Sheinbaum von der Linken. Sie wird auch daran gemessen werden, ob es ihr gelingt, das Land sicherer zu machen – gerade auch für Frauen.

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Gesprächszeit mit Christian Erber

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