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Der Sonntagnachmittag mit Wolfgang Rumpf

Die Morgenandacht Im Kreuzgang

Morgenandacht

Die Morgenandacht Im Kreuzgang

Ein Kloster ist für die meisten Menschen eine fremde und doch faszinierende Welt. Der Weg durch einen Kreuzgang, in Gedanken oder real, kann einen für einige Minuten aus dem Alltag herausheben in eine andere Wirklichkeit.

Bild: Radio Bremen

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Ein mittelalterliches Kloster, das ist eine fremde Welt. Modernes Leben hat fast nichts mit ihr gemeinsam. Manches daran wirkt geradezu abweisend. Verzicht und Strenge – solche Dinge sind kaum vereinbar mit den Lebenswünschen, die heutige Menschen haben. Trotzdem hat diese Welt mich schon immer fasziniert. Ich bin in der Nähe eines solchen Klosters groß geworden, bin als Kind durch den Kreuzgang gelaufen und habe den Geschichten der Klosterdamen gelauscht, die in unserer Zeit dort leben.

Mittelalter – dies Wort hat meine Phantasie beflügelt. Die alten Steine erzählten mir vom Leben dieser vergangenen Zeit. Heute ist es noch etwas anderes, was mich anzieht. Das ist die Konzentration auf das Wesentliche. Die alten Klöster haben einen klaren, schlichten Grundriss. Hier sind nur ganz wenige Dinge wirklich wichtig. Alles dient einem Ziel – Leib und Seele auf den Weg bringen zu Gott. Da ist zum Beispiel der Kreuzgang. Ein gemauertes Viereck, in der Mitte der offene Himmel. Das ist alles. Aber es gibt einen Rhythmus. Ich schreite fort von einem Fensterbogen zum nächsten. Ich umrunde das Viereck im Gleichmaß der gemauerten Bögen. Wie von selbst finden meine Füße ihren Weg. Meine Augen können sich lösen und nach innen schauen. Mein verzettelter Geist kommt zur Ruhe.

An manchen Tagen sehne ich mich danach. Wenn ich mein Auto durch den Feierabendverkehr lenke. Wenn ich den Einkaufswagen durch den Supermarkt schiebe mit all den Geräuschen und den Schildern, die hier und da und dort  nach meiner Aufmerksamkeit schreien. Wenn der Tag vor mir liegt mit seinen Aufgaben. Dann wünsche ich mir etwas von dieser klösterlichen Klarheit. Von der Schlichtheit. Ich möchte tun, was nötig ist und mich aus meiner Zerstreutheit sammeln. Ich möchte erkennen, was wirklich wichtig ist und mich dem mit aller Hingabe widmen. Darum tut es mir gut, hin und wieder im Kreuzgang spazieren zu gehen, wenigstens in Gedanken. Ich weiß, er führt mich immer den gleichen Weg und immer um die gleiche Mitte.

Diese Mitte, das ist der Himmel. Dann kehre ich zurück in meinen Tag. Gelassener vielleicht und mit Augen, die heute schon einmal den Himmel gesehen haben.

Autor/Autorin

  • Inge Kuschnerus