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Der Tag mit Andree Pfitzner

In der Ausstellung Peruanische Zeichenkunst in der Bremer Weserburg

Autorin

Teresa Burga, La Equilibrista, 2020, Filz- und Bleistift auf Papier
Teresa Burga, La Equilibrista, 2020, Filz- und Bleistift auf Papier. Bild: Estate Teresa Burga & Galeria Barbara Thumm

Mit der Ausstellung "Teresa Burga. Die Seiltänzerin" zeigt die Weserburg Werke einer Künstlerin, die als wichtige Wegbereiterin von Pop-Art und Konzeptkunst in Lateinamerika gilt.

Pop-Art wirkt manchmal ein bisschen chaotisch, gerade wenn die Werke abstrakte Zeichnungen oder Skulpturen sind. Dabei gibt es eine moderne Kunstrichtung, die genau das Gegenteil will: die Konzeptkunst. In der geht es darum, die Werke vor der Ausführung genau durchzuplanen. Eine der Wegbereiterinnen der Konzeptkunst in Lateinamerika war Teresa Burga.

Bunte Zeichnungen von Teresa Burga
Kindermalereien dienten als Vorlage für ihre Werke. In der Ausstellung hängen sie direkt nebeneinander. Bild: Radio Bremen | Lisa-Maria Röhling

Über viele Jahre hinweg sammelte die Peruanerin Zeichnungen von Kindern. Zeichnungen typisch mit groben Linien, verzerrten Körperformen und grob, bunt ausgemalten Flächen. Burga hat diese als Vorlage für ihre Werke genommen. Verwendet hat sie Filzstifte und Kulis. In der Weserburg hängen die Werke jetzt direkt nebeneinander – und werfen die Frage auf: Was ist hier die Kindermalerei – und was die echte Kunst?

Zeichnungen im Fokus

Teresa Burga wurde 1935 in der peruanischen Hauptstadt Lima geboren und arbeitete, bis zu ihrem Tod im Jahr 2021, beinah ihr gesamtes Leben in ihrer Heimat. In der neuen Weserburg-Ausstellung liege der Fokus auf ihren Zeichnungen, sagt Kuratorin Janneke De Vries: "Sie ist in den letzten 15 bis 20 Jahren vor allem für Installationen bekannt geworden, aber die Zeichnungen sind wichtig in ihrem Schaffen, da sie ihre Ideen für Installationen auch mit Zeichnungen durchgespielt hat."

Es ist ein leichter Strich, es ist viel Farbe, es ist bunt und es sieht erstmal aus wie naive Zeichnung. Aber wenn man genauer hinguckt, ist es bravourös gezeichnet.

Janneke De Vries über Teresa Burgas Zeichnungen
Zeichnungen von Teresa Burga vor einer violetten Wand
Burgas Motive beschäftigen sich oft mit alltäglichen Situationen. Oft sind dabei Menschen zu sehen. Zum Beispiel dieses Gruppenbild einer Fußballmannschaft. Bild: Radio Bremen | Lisa-Maria Röhling

Die meisten der Zeichnungen wurden noch nie ausgestellt, weil sie erst in Burgas Nachlass auftauchten. Die Motive stammen aus den Jahren 2012 bis 2021, in denen sich Burga vor allem mit dem Thema Alltag beschäftigte. Oft sind dabei Menschen zu sehen: bei Hochzeiten, Gruppenbilder von Fußballmannschaften, Marktverkäuferinnen oder Polizisten auf einer Demonstration – alle in einem typischen, groben Filzstiftstrich, der tatsächlich ein bisschen an Kinderbilder erinnert. Genau der mache die Künstlerin aus, sagt Janneke De Vries: "Es ist ein leichter Strich, es ist viel Farbe, es ist bunt und es sieht erstmal aus wie naive Zeichnung. Aber wenn man genauer hinguckt, ist es bravourös gezeichnet."

Burgas Konzeptkunst

Zeichnungen von Teresa Burga in der Weserburg
Ihr Markenzeichen: fast alle Zeichnungen sind mit kleinen Notizen und Zeitangaben versehen. Bild: Radio Bremen | Lisa-Maria Röhling

Um die Künstlerin und ihre Entwicklung besser zu verstehen, ist ein Raum den Zeichnungen aus den sechziger Jahren gewidmet. Da feierte Burga erste Erfolge mit der Konzeptkunst. Filzstift und Kulli waren auch damals schon ihre Werkzeuge, aber farblich waren die Werke etwas gedimmter. Sie sind nicht so bunt wie die späteren Zeichnungen. Darüber hinaus fehlt auf älteren Werken etwas, was in den späteren Jahren zu ihrem Markenzeichen wurde: Auf fast allen Zeichnungen sind kleine Notizen am Rand zu sehen. Das sind Daten und Uhrzeiten, die zeigen, wie konzeptuell sie an ihre Zeichnungen herangegangen ist und ihren eigenen Schaffensprozess analysiert hat.

Lange Durststrecke und Comeback

Installation von Teresa Burga in der Weserburg
Installation aus der Serie "Untitled/Prismas". Bild: Radio Bremen | Lisa-Maria Röhling

Zwischen den ersten Zeichnungen und ihrem Spätwerk lag eine lange Durststrecke. Zwar wurde sie in ihren Anfangsjahren für die neuen Impulse für die peruanische Kunst gefeiert, danach geriet sie in Vergessenheit. In den vergangenen 20 Jahren kam schließlich doch die gebührende Anerkennung, vor allem für ihre Installationen. Auch davon sind einige in der Ausstellung zu sehen: große, mit bunten Motiven bemalte Holzwürfel, die an Kinderspielzeug erinnern sollen. Da ist das Spiel mit dem Kindlichen, das Teresa Burgas Zeichnungen trotz der ernsten Motive zu durchziehen scheint.

Balance aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit

Deshalb hat Janneke De Vries den Ausstellungstitel "Die Seiltänzerin" gewählt. Angelehnt an eine Zeichnung, auf der eine Frau zu sehen ist, die über ein Seil läuft. Dieses Motiv fasse die Ausstellung gut zusammen: "Teresa Burga hat die Balance gehalten zwischen der Art und Weise, wie sie ihre Themen umgesetzt hat. Einerseits mit extremen, leuchtenden Farben. Andererseits mit sehr kritischen Themen. Sie zeigt beispielsweise die Armut in der peruanischen Gesellschaft oder die Geschlechtertrennung. Und gleichzeitig ist eine Fröhlichkeit und große Leichtigkeit zu ihren Themen zu sehen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. August 2022, 11:38 Uhr