In der Ausstellung "Péri's People" – ein kommunistischer Künstler neu entdeckt

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Büste eines Mädchens, daneben stehen zwei kleine Figuren aus Beton
Peter László Péri: "Ann and the Rest of My Family", entstanden 1945 aus pigmentierter Beton, The Estate of Peter László Péri, London Bild: Gerhard-Marcks-Haus Bremen | Sandra Beckefeldt

Werden Künstler von der Kunstgeschichte übergangen, muss das nicht unbedingt an ihren Werken liegen. Der ungarisch-britische Bildhauer Peter Laszlo Péri (1899-1967) ist solch ein Fall. Seine Kunst wird nun wiederentdeckt. Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen zeigt ab 10. März 2024 die Ausstellung "Péri's People".

Um was geht es in der Austellung?

"Péri's People" sind junge Mädchen und alte Männer, schuftende Arbeiter und vergnügte Sonnenbadende, verliebte Paare und Mütter mit Kind. Sie sitzen, stehen oder liegen — oft zusammen in kleinen Gruppen. Peri beobachtete Menschen und ihre Beziehungen zueinander, beim Musizieren, Arbeiten oder Trinken. Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke zeigt er in kraftvollen Aktionen und melancholischen Momenten.

Peri hat oft selbst gesagt: Kunst, die nicht vom Menschen handelt, ist keine Kunst. Er wirft vielen berühmten Künstlern vor, dass sie Menschen nur noch in Posen als Ideale darstellen. Und er sagt, nein, wir müssen gucken, wie die Menschen wirklich sind.

sagt Museumsdirektor Arie Hartog
Vier Plastiken aus Beton zeigen Männer und Frauen stehend, sitzend und in Bewegung
Betonarbeiten von Peter László Péri, entstanden um 1960. Bild: Gerhard-Marcks-Haus Bremen | Sandra Beckefeldt

Insgesamt zeigt die Ausstellung 80 Plastiken, Reliefs und Grafiken vom abstrakten Frühwerk in Deutschland bis hin zu Péris späteren figürlichen Werken in England. Ein Rundgang durch die Ausstellung ist eine Reise durch sein spannendes Leben im politisch bewegten 20. Jahrhundert.

Der Künstler Peter Lazlo Péri

1889 in Österreich-Ungarn geboren, wurde er früh Kommunist und ging 1920 nach Deutschland. Zunächst arbeitete Péri streng abstrakt. Er zählte zu den Vertretern des Konstruktivismus, der im revolutionären Russland entstanden war und sich durchaus politisch kämpferisch verstand. Linolschnitte mit geometrischen Formen zeigen diese Bildsprache. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten flüchtete Péri nach England. Dort arbeitet er mit Beton und verbindet figürliche Kunst mit modernen Formen. Er experimentiert mit Maßstab und Perspektive. Szenen werden aus der Waagerechten in die Senkrechte gekippt oder dieselbe Skulptur gleich dreifach in unterschiedlichen Größen gezeigt.

Lohnt sich ein Besuch von "Peri's People"?

Ja, sagt unsere Kritikerin. Péris Kunst kommentiert die großen Krisen seiner Zeit aus der sozialistischen Perspektive. Kunsthistorisch gesehen erhellt diese Ausstellung auch die Geschichte kommunistischer Künstler:innen in Deutschland vor 1933.

"Ich hatte immer gedacht, dass aus der DDR heraus mit einem ganz klaren historischen Interesse etwas besser geforscht worden sei. Aber das ist eindeutig nicht der Fall. Das können wir jetzt also nachholen. Und das ist ziemlich kurios, dass ein eher konservatives Museum wie das Gerhard-Marcks-Haus jetzt nach einem kommunistischen Künstler forscht.", sagt Museumsdirektor Arie Hartog. Insofern schließt die Ausstellung nicht nur eine Lücke in der Rezeption des Künstlers. "Péri's People" haben im lichtdurchfluteten Gerhard-Marcks-Haus einen würdigen Auftritt. Ausführliche, verständliche Begleittexte setzen seine Kunst nicht nur in kunsthistorische, sondern auch politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 8. März 2024, 16:18 Uhr

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