Die Morgenandacht Wackelkontakte

Elisabeth Seydlitz
Elisabeth Seydlitz

Die Morgenandacht Wackelkontakte

Ein Wackelkontakt im Fön bringt Pastorin Elisabeth Seydlitz auf die Idee, dass man nicht nur defekte Haushaltsgeräte ins "Repair-Café" tragen könnte.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Reparieren oder wegwerfen? Ich stehe im Bad, meine Haare sind nass. Unschlüssig sehe ich auf den Fön in meiner Hand. Anstatt heißer Luft kommt nur ein „klack“. Nichts geht mehr. Was nun? Am Nachmittag radele ich in unser Gemeindezentrum. Heute ist Repaircafé. Einmal im Monat schrauben und bohren, nähen und löten ehrenamtliche MitarbeiterInnen Dinge, die nicht mehr funktionieren. Eine Initiative gegen das Wegwerfen und für mehr Nachhaltigkeit. Ich gebe den Fön ab und warte im Café nebenan. Nach einer halben Stunde hält mir ein älterer Mann den Fön entgegen. „War nur ein Wackelkontakt. Reparieren, nicht wegwerfen!“ Ich bedanke mich und schwinge mich auf mein Fahrrad. Auf dem Rückweg geht mir nach, was er gesagt hat. Nur ein Wackelkontakt. Was für Gegenstände gilt, passt irgendwie auch auf´s Leben, finde ich. Oder?

Mir fallen ein paar Kontakte ein, die gerade wackeln. Der zu meiner Freundin zum Beispiel. Ein dummes Missverständnis, aber wir kriegen es nicht geklärt. Reparieren oder wegwerfen? Besser gesagt: aufgeben? Der Kontakt zu meiner Nachbarin. Die ist schon länger gesundheitlich angeschlagen, aber ich nehme mir einfach nicht die Zeit, mal zu klingeln und zu fragen, wie´s ihr geht. Reparieren oder aufgeben?

Da ist der Kontakt zu mir selber – manchmal wackelt meine Achtsamkeit und mein Vertrauen in mich. Ganz zu schweigen von der Zuversicht für diese Welt. Gerade zur Zeit, wo es an so vielen Stellen ernsthaft kriselt. Reparieren oder aufgeben? Wie toll wäre es, wenn es ein Repaircafé für die Seele gäbe. Wo man die inneren Wackelkontakte einfach abgeben kann und jemand sich um sie kümmert. Das wäre fein.

Eigentlich, denke ich weiter, ist Weihnachten doch wie so ein Repaircafé für die Seele. „Sieh, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Sagt der Prophet Sacharja. Gott kommt durch seinen Sohn in diese wackelige Welt. Und bietet an, zu helfen. Den Kontakt zwischen uns und ihm zu reparieren. Die Verbindung wieder her zu stellen. Advent bedeutet: er ist schon auf dem Weg.

Der Gedanke gefällt mir. Advent als eine Zeit verstehen, in der ich meine wackeligen Kontakte, meine leise gewordene Zuversicht dem hinhalten kann, der schon unterwegs zu mir ist. Ich bin gespannt, was passiert.

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  • Elisabeth Seydlitz

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