Die Morgenandacht Rituale: Die Einschulung

Esther Joas

Die Morgenandacht Rituale: Die Einschulung

Wo Menschen sind, da gibt es Rituale. Feststehende Handlungen, die etwas ausdrücken, ohne es zu benennen. Inmitten unserer Freiheit geben sie uns Halt. Pastorin Esther Joas geht in dieser Woche auf die Suche nach der Bedeutung von Ritualen. Heute den Ritualen bei der Einschulung.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Wo Menschen sind, da gibt es Rituale. Feststehende Handlungen, die etwas ausdrücken, ohne es zu benennen. Inmitten unserer Freiheit geben sie uns Halt. Pastorin Esther Joas geht in dieser Woche auf die Suche nach der Bedeutung von Ritualen. Heute den Ritualen bei der Einschulung.

Ende August war es wieder so weit: In Bremen wurden unsere Erstklässlerinnen und Erstklässler eingeschult. Was für ein Mega-Event! In meiner Nachbarschaft sind vier Kinder eingeschult worden. Die Festvorbereitungen liefen auf Hochtouren, Familien und Freunde wurden eingeladen, Gärten verziert, Kuchen und Torten gebacken, Geschenke eingepackt, Schultüten gebastelt, Zimmer neu eingerichtet. In den Schulen wurde die große Einschulungsfeier begangen, ein Übergangsritual.

Mit dem Schulranzen auf dem Rücken und der Schultüte in der Hand gingen die Kinder in einen neuen Lebensabschnitt. Es gab Festreden, Willkommensgeschenke, Musik und Gesang. Manche Schulen symbolisieren diesen Übergang mit einem blumengeschmückten Tor, durch das die Kinder gehen. Die Eltern bringen sie bis zur Schwelle und auf der anderen Seite wartet der Klassenlehrer, die Klassenlehrerin auf ihren neuen Zögling.

Der Staat hat qua Verfassung einen Erziehungsauftrag, der dem der Eltern gleichgestellt wird. Vom Zeitpunkt der Einschulung an geben die Eltern also einen Teil ihrer Verantwortung und ihrer Einflussmöglichkeit ab. Das ist ein großer Schritt, ein Ablöseprozess, und Symbolhandlungen helfen uns, ihn zu begreifen. Deshalb bieten auch viele Gemeinden einen Einschulungsgottesdienst an. Zentrum des Gottesdienstes ist der Segen, der für jedes Kind gesprochen wird. Sie erhalten ein Kreuz auf die Stirn oder ihnen wird die Hand zum Segen aufgelegt. Ein Ritual, das besagt: Gott beschütze deinen Weg.

Ich habe mal bei einem Einschulungsgottesdienst in Werschenrege bei Ritterhude alle Schulkinder in ein Schlauchboot gesetzt, das ich vor dem Altar aufgebaut hatte. Dann haben wir die biblische Erzählung von der Sturmstillung nachgestellt: Die Gemeinde machte Sturmgeräusche, das Boot ließen wir wanken und dann wieder ruhig werden. Denn in der Erzählung beruhigt Jesus die stürmische See und spricht zu denen im Boot (Jesu Worte habe ich dafür ein bisschen tröstlicher formuliert): "Fürchtet euch nicht. Gott ist bei euch."
Die Schulzeit beinhaltet ja solche und solche Phasen: ruhige und festigende, und dann gibt es aber auch stürmische und angstmachende Erfahrungen. Der erste Schultag ist für viele Kinder erstmal angsteinflößend. Da hilft es doch, wenn man in sich das Bild eines sturmstillenden Gottes trägt, der zu einem spricht. Fürchte dich nicht. Gott ist mit dir.

Autor/Autorin

  • Pastorin Esther Joas

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