Die Morgenandacht Idylle

Sabine Kurth
Sabine Kurth

Die Morgenandacht Idylle

Ein kleines Naturidyll in ihrem Garten mit zwei neugeborenen Rehkitzen lässt Pastorin Sabine Kurth über die Schönheit und gleichzeitige Bedrohtheit des Lebens nachdenken.

Bild: Radio Bremen

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Ich wohne neben einer großen Wiese. Mitten in der Stadt gibt es tatsächlich noch Orte, an denen sich die Natur entfalten kann. Zweimal im Jahr kommt der Bauer und mäht das saftige Gras ab, um Heu für seine Tiere zu haben. Zwischen dem Mähen ist dieses schöne Stück Erde eine Oase für die unterschiedlichsten Lebewesen. Schmetterlinge und Bienen, Rotkehlchen, Zaunkönig, Amsel und Elster freuen sich. Natürlich auch ganz viel Löwenzahn und Ackerwinde. Das findet sich dann in meinem Garten wieder. Das gehört dazu, wenn man neben so einer Idylle wohnt.

Vor allem im Frühjahr haben wir Rehe in unserem Garten zu Gast. Ich finde es schön, wenn sie ganz entspannt auf dem Rasen liegen, vor sich hin dösen und sich sichtlich wohl fühlen. Gut – auch dieses Erlebnis hat seinen Preis. Denn von den ersten Rosen- und Azaleenknospen haben wir wenig. Sie stehen bei den Rehen ganz oben auf der Liste für Leckereien. Aber das ist es mir wert. Seit ein paar Wochen habe ich beobachtet, dass sich ein Reh im hohen Gras eine Art Nest gemacht hat. Sie lag dort fast den ganzen Tag gut versteckt. Vor einer Woche dann das Wunder. Neben dem Reh standen auf wackligen Beinchen zwei kleine Rehkitze. Mein Mann und ich kamen kaum vom Fenster weg, weil es so ein schöner Anblick war.

Der Blick von oben hat mir aber auch deutlich gemacht, wie nah die drei vielen Gefahren ausgesetzt sind. Denn die Straßen sind nicht weit weg. Menschen, die ihre Hunde beim Spazierengehen oft nicht angeleinen. Kinder, die gerne mal durch das hohe Gras toben. Am Anfang des Lebens sind alle Lebewesen so schutzlos. In der Tierwelt setzt sich der Stärkere durch. Wer die richtigen Instinkte hat, kommt besser durch. Da geht es oft gnadenlos zu. Manchmal scheint es auch in unserer Menschenwelt so zu sein. Ellenbogen raus. Egal was links und rechts von mir passiert, Augen zu und durch. Hauptsache mir geht es gut. Viele scheinen sich allmächtig zu fühlen. Wenn ich nur genug arbeite, mich optimiere, dann schaffe ich es. Ich brauche niemanden, ich nehme mein Leben in die eigene Hand.

Ich finde so eine Einstellung anstrengend und für mich auch falsch. Ja, vieles kann ich mit Anstrengungen und Einsatz erreichen. Aber ich brauche auch immer wieder andere Menschen, die mich begleiten, mir helfen und mich unterstützen. Die mir manches erleichtern oder sogar abnehmen, wenn ich müde und schwach bin. Wie anstrengend ist es, wenn ich immer nur alleine Sachen machen und Entscheidungen treffen muss. Ich bin froh, dass ich Menschen in der Familie und im Freundeskreis habe, die für mich da sind und zwar in allen Lebenslagen. Und ich bin froh, dass ich Gott habe. In allen schutzlosen und ausweglosen Zeiten ist er bei mir. Denn er verspricht: "Siehe, ich bin bei dir bis ans Ende der Tage."

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  • Sabine Kurth

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