Die Morgenandacht Alles im Leben hat seine Zeit

Andrea Grote
Andrea Grote

Die Morgenandacht Alles im Leben hat seine Zeit

"Alles hat seine Stunde", heißt es in der Bibel. Eine Erfahrung, die Andrea Grote an einem Nachmittag mit ihrer Schwester gemacht hat.

Bild: Katholischer Gemeindeverband Bremen

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Am Samstagnachmittag sagte meine Schwester zu mir: "Mir ist langweilig. Sag mir, was ich tun soll." Dann lief sie rastlos durch Küche und Wohnzimmer und nahm hier eine Zeitschrift, da ein Buch, setzte sich hin, stand wieder auf und begann von vorn. Alle Vorschläge, die ich ihr zum Zeitvertreib machte, lehnte sie mit einem "darauf habe ich jetzt keine Lust" oder "ich will etwas Tolles machen" ab. Mir fiel dazu nichts mehr ein. Ich hab‘ nur gedacht: Mensch, mach doch, was Du willst, aber lass mich in Ruhe. Nach langem Überlegen kam ihr dann doch noch eine Idee: "Ich geh' Inline-Skaten. Und ich nehm’ den Hund mit." Sie schnappte sich Inline-Skates und Hund und zog von dannen. Als sie zwei Stunden später wieder zurück war, ging’s ihr besser, denn sie hatte die Zeit sinnvoll verbracht.

Mich hat das nachdenklich gemacht. Ich hatte an diesem Nachmittag zu nichts Lust. Mir war zwar nicht langweilig, aber dass ich etwas Sinnvolles getan hätte, kann ich auch nicht behaupten. Zuerst hatte ich ein schlechtes Gewissen. Denn ich habe nur vor dem Fernseher gesessen. Und dann fiel mir der Text aus dem Buch Kohelet ein, einem Buch aus dem Alten Testament. Dort heißt es nämlich: "Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit." (Koh 3,1) Und weiter heißt es: Es gibt "eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen." (Koh 3,6)

Für meine Schwester gab es an diesem Nachmittag keine Zeit zu verlieren. Sie wollte aktiv werden, Zeit bewusst verbringen und genießen und sie hat sich selbst den Gefallen getan und ist aufgebrochen. Und ich, ich wollte ruhig werden. Zeit bewusst verstreichen lassen. Ob das sinnvoll war? Ich weiß nicht. Für mich fühlte es sich so an. Wenn ich den Text richtig verstanden habe, dann darf ich auch ruhig sein, während meine Schwester aktiv sein möchte. Dann muss ich kein schlechtes Gewissen haben, weil sie aktiver war als ich. Nächste Woche ist vielleicht die Zeit gekommen, um gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen. Redend, spielend oder auch schweigend.

Ich habe an diesem Tag gelernt, dass ich mir Zeit nehmen darf und nicht den Freizeit-Animateur meiner Schwester geben muss. Nächste Woche tue ich das bestimmt wieder gern. Aber nicht, um sie zu bespaßen, sondern weil wir beide bewusst Zeit miteinander verbringen wollen. Weil wir voneinander erfahren wollen und umeinander wissen wollen. Dann ist eine andere Stunde und eine andere Zeit.

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  • Andrea Grote

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