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Die Nacht

Im Porträt Engagiert, fröhlich, visionär: der Bremer Antony Peddy

Autorinnen und Autoren

Antony Peddy
Verkauft in Bremen ghanaisches Handwerk, um sein Müllprojekt zu finanzieren: Antony Peddy. Bild: Radio Bremen | Hendrik Plaß

Eine Müllrecycling-Anlage, Mülltrennung und ein Pfandsystem nach deutschem Vorbild – das ist Antony Peddys Vision für Ghana. Die Idee dazu kam ihm, während er noch als Wümme-Fährmann Gäste über das kleine Flüsschen schipperte und dabei an die dreckigen Straßen Ghanas dachte. Sein nächstes großes Ziel ist eine Schredderanlage für das bereits vor Ort gesammelte Plastik.

Antony Peddy
Antony Peddy

"Nein, ich kann nicht aufhören" – Antony Peddy

Eine Müllrecycling-Anlage nach deutschem Vorbild – das ist Antony Peddys Vision für Ghana. Das nächste große Ziel des Bremers ist ein Schredder für Plastik.

Bild: Radio Bremen | Hendrik Plaß

Antony Peddy hat schon in Kuba, London und Berlin gelebt. In Kuba, weil die ghanaische Regierung in den 1980er Jahren viele Staatsbürger zum Studium und zur Weiterbildung dorthin schickte. Schon mit sechs Jahren geht Peddy auf ein kubanisches Internat. Er studiert Wirtschaft und folgt seinen Eltern nach London. Antony Peddy ist neugierig, er sucht Vorbilder, die er in der britischen Hauptstadt aber zunächst nicht findet. Stattdessen fasziniert ihn Berlin, wo er über die riesigen Straßen staunt: "Ich habe gedacht, das ist eine neue Chance für dich, was Neues zu erleben, was Neues anzufangen."

Ich sage mit Stolz: Ich war und bin immer noch der einzige schwarze Fährmann in Deutschland.

Antony Peddy über seine Zeit als Wümme-Fährmann

In Berlin arbeitet Antony Peddy als Manager für ein Modelabel, bis 2014 seine Abteilung eingespart und er arbeitslos wird. Peddy macht sich selbständig, und er reist 2015 mit damals 33 Jahren erstmals wieder nach Ghana. Dort schockiert ihn die Müllsituation im Land: Plastikflaschen rollen durch die Straßen, Tüten und herumfliegender Müll liegen an jeder Ecke. In Berlin lernt er inzwischen seine Verlobte kennen; die beiden entscheiden sich, nach Bremen zu gehen. "Aber ich wusste nicht, dass Bremen mir so viel beibringen würde", lacht Antony Peddy heute. Hier wird er Vater, und die Bremer lernen ihn als Wümme-Fährmann kennen: "Ich sage mit Stolz: Ich war und bin immer noch der einzige schwarze Fährmann in Deutschland."

Vorbild sein und etwas zurückgeben

Als er Fährgäste im Blockland über die Wümme fährt, reift eine Idee in ihm: eine Müll-Recyclinganlage für Ghana. Ganz bewusst zieht er sich als Fährmann bunte Kleidung aus seiner Heimat an, um auf sein Projekt aufmerksam zu machen. Manchmal wird er belächelt, aber er profitiert davon, unterschätzt zu werden.

Antony Peddy
Seine dirigierende Hand ist in Ghana immer gefragt. Bild: Kissenger & Kissengers Global Trade & Investment

Antony Peddy will zeigen, was mit Wille und Engagement zu schaffen ist, er will Vorbild für die Menschen in Ghana sein: "Ich will etwas geben für die Menschen in Ghana. Aber es geht nicht nur um Arbeitsplätze. Wir haben ein großes Ziel vor uns: Als Unternehmen wollen wir die Menschen lange beschäftigen und Erfolg haben."

Wenn ich in Ghana bin, hab' ich keinen Urlaub.

Antony Peddy über seine Umtriebigkeit vor Ort

Jedes Jahr fährt er nach Ghana, er baut ein Team auf und sie fangen an, Müll einzusammeln. Der Anfang ist schwer, denn seine Idee vom deutschen Müll-Recycling muss sich erst einmal in den Köpfen festsetzen. Ohne ihn funktioniere nichts, erzählt er: "Jedes Jahr waren wir dort, nur für das Plastik, nicht zum Urlaub machen. Wenn ich in Ghana bin, hab' ich keinen Urlaub." Beim Netzwerken vor Ort helfen einige seiner alten Schulfreunde aus Kuba, die inzwischen in Regierungsämtern oder Institutionen sitzen. Und als es einmal wirklich hakt und er nicht so richtig weiterkommt, spricht er bei einem der lokalen Chiefs vor: "Mit dem König hat es funktioniert. Er gibt dir Zeit zum Zuhören und du kannst alles erzählen. Wenn der König ruft, kommt jeder. Das war ein Vorteil für uns".

Auch seine Erkrankung stoppt ihn nicht

Heute steht Antony Peddy zwei Mal in der Woche auf dem Bremer Findorff-Markt und auf dem Hof Kaemena im Blockland; er verkauft handwerkliche Produkte aus Ghana, um Geld für sein Müllprojekt einzunehmen. Vor Ort in Ghana entwickelt er Aufklärungsprojekte zu den Themen Mülltrennung und Recycling und sucht nach nachhaltigen Produkten und Unterstützern: "Wir brauchen viele junge, talentierte, engagierte Menschen, die mitmachen."

Antony Peddy
Arbeitet für sein Lebenswerk: Antony Peddy Bild: Kissenger & Kissengers Global Trade & Investment

Antony Peddy lässt sich nicht aufhalten – auch nicht von seiner Darmkrebs-Erkrankung, die im letzten Frühjahr bei ihm diagnostiziert wurde. Er wurde erfolgreich operiert, aber Mediziner und Freunde raten ihm, aufzuhören und auf seine Gesundheit zu achten. "Aber nein – ich kann nicht aufhören", sagt Peddy. Sein Lebenswerk will er nicht aufgeben.

Das sind Finanzmittel, die wir investieren, damit mehr Menschen Müll sammeln können.

Antony Peddy über das Geld, das er mit einem Plastikschredder generieren könnte.

In diesem Jahr möchte er einen Schredder organisieren, um die Tonnen an gesammeltem Plastikmüll zu verarbeiten. "Das ist auch wertvoll, (...) das sind Finanzmittel, die wir investieren, damit mehr Menschen Müll sammeln können." Doch die Weltwirtschaftssituation wird ihm wohl einen Strich durch die Rechnung machen. Gelder bei Unternehmen und Organisationen einzusammeln, wird schwieriger werden. Deshalb setzt Antony Peddy in diesem Jahr auf seine Crowdfunding-Kampagne und seine Awareness-Arbeit. Denn eines wird Peddy immer bleiben: ein engagierter, fröhlicher Mensch mit einer Vision.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 13. Mai 2022, 18:05 Uhr