Im Porträt Wie die Schallplatte Götz Bühler zum Jazzexperten machte

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Porträt von Götz Bühler
Musikexperte Götz Bühler ist der neue künstlerische Berater der Jazzahead in Bremen. Bild: privat

Die "Jazzahead" hat einen neuen künstlerischen Berater: Götz Bühler ist passionierter Jazzfan, ein bestens vernetzter Musikexperte, Journalist, Moderator und Labelmanager. Zweimal im Monat moderiert er bei ByteFM und sucht dafür Schätze aus seiner handverlesenen Schallplattensammlung aus.

Porträt von Götz Bühler

Gesprächszeit Für Götz Bühler gibt es Musik, die nur auf Schallplatte funktioniert

Die "Jazzahead" hat einen neuen künstlerischen Berater: Götz Bühler ist passionierter Jazzfan, Musikexperte, Journalist, Moderator und Labelmanager.

Bild: privat

Götz Bühler stammt aus einer musikalischen Familie. "Bei uns zuhause lief eigentlich immer Louis Armstrong, Benny Goodman, Count Basie, Duke Ellington – so diese Klassiker und für meine Mutter dann manchmal – so am Wochenende – ein Mozart zum Frühstück.", erzählt er und er spricht auch von seinem Vater, der selbst gerne Musiker geworden wäre, dann aber notgedrungen Kaufmann wurde, um die Familie zu ernähren. Die Mutter arbeitete als Ärztin in Hamburg. Sie wollte eigentlich in die Forschung, wurde dann jedoch die jüngste Chefärztin einer Anästhesie in Deutschland.

Ich bin total fasziniert vom Medium Schallplatte. Es hört überhaupt nicht auf.

"What time is it?" von Morris Day an The Time war Götz Bühlers allererste Platte.

Privat sang sein Vater, spielte Geige und ließ keine Gelegenheit aus, seine Jazzidole auf der Bühne zu erleben. Louis Armstrong ist er sogar auf seiner Deutschland-Tournee gefolgt und sie wurden Freunde. Götz war als Kind oft dabei und erinnert sich noch gut an sein erstes Konzerterlebnis mit dem Oscar Peterson Trio. Mit 13 kaufte er seine erste Scheibe. Bis heute legt der 1968-geborene Jazzfan am liebsten Platten auf, obwohl es längst andere Möglichkeiten gibt. "Ich bin total fasziniert vom Medium Schallplatte. Es hört überhaupt nicht auf.", schwärmt der Sammler. Für ihn steht fest: "Es gibt Sachen, die sind einfach unerreichbar auf Schallplatte."

New Yorker "Ramsch-Platten" als Karrierekick

Götz Bühler verdankt seine Plattensammlung dem Aufkommen der CD. Als viele Menschen ihre Scheiben verramschten, griff er zu. 1987 arbeitete er in einem Hamburger Plattenladen und besuchte seine damalige Freundin in New York. Da sie studieren musste, schickte sie Götz auf die 6th Avenue. Schon am ersten Abend kam er mit über 60 Scheiben zurück, alles Raritäten, die in Deutschland ein Vielfaches kosteten. "Das war himmlisch!", sagt der leidenschaftliche Sammler, "dieses Selbstbestimmte, irgendwo hinzugehen, in einer dunklen, schmutzigen Ecke eines Geschäfts durch eingestaubte Schallplatten zu wühlen und dann etwas zu finden, was man noch nicht kennt und was vielleicht für die nächsten Tage das Leben verändert – das ist immer noch eine ganz besondere Erfahrung." Durch den Weiterverkauf nach Deutschland konnte er den Aufenthalt in New York ausdehnen, tiefer in die afro-amerikanische Musikszene eintauchen und so viele wertvolle Kontakte mit nach Hause nehmen.

Das war sehr gegenseitig diese Musikbegeisterung – aber natürlich diese unfassbare Eloquenz. Ich komm ins Stottern, wenn ich nur daran denke wie Roger sich ausdrücken konnte.

Götz Bühler über Roger Willemsen, den er als Kollegen und Freund erleben durfte.

Zuhause in Norddeutschland war Götz Bühler schon gut vernetzt, so dass Ruth Rockenschaub ihn fragte, ob er nicht für ihre letzte Radiosendung "Soultrain" beim NDR einige O-Töne liefern könne. Das tat er und nahm persönliche Abschiedsgrüße von Bootsy Collins, Roy Ayers und vielen anderen auf. So wurde auch Viva 2 auf den Musikjournalisten und Labelmanager aufmerksam.  Es begann eine unglaubliche Zeit, sagt Götz Bühler heute, da er schließlich auf Roger Willemsen (1955-2016) traf, ein Kollege und Freund, denn er bis heute hoch verehrt: "Das war sehr gegenseitig diese Musikbegeisterung – aber natürlich diese unfassbare Eloquenz. Ich komm ins Stottern, wenn ich nur daran denke wie Roger sich ausdrücken konnte."

Keine Jazzahead verpasst

Vielen gilt Götz Bühler als wahrer Musikexperte. "Das klingt jetzt so ein bisschen hochgestochen.", findet er, "Ich bin immer noch der kleine Junge, der seinen Freunden etwas vorspielt und der versucht, sie davon zu begeistern." Er sieht sich lieber als Musikvermittler, der sich seine Neugier bewahrt hat: "Ich habe keine Theorie, warum mich die Sachen erwischen, außer eben es berührt mich." Oft sind das die groovigen, obskuren Sachen aus den 60er und 70er Jahren, denn: "Ich finde es faszinierend, Bluesstücke zu hören, bei denen ich direkte Verbindung zum Funk finde oder so einen Proto-Rap von Leuten, zu einer Zeit – als Rap noch nicht einmal ein Wort war."

Ich glaube, das sind ganz gute Einstiegsdrogen für eine Jazzabhängigkeit.

Sagt Götz Bühler über die Clubnight-Events zur Jazzahead.

Als künstlerischer Berater ist Götz Bühler nun Teil des neuen Führungsteams der Jazzahead. Er stellt die Jurys zusammen, die wiederum die Bands auswählen, die auf den 40 Showcase-Konzerten zu erleben sein werden. Er selbst war auf allen Bremer Jazzmessen dabei. Er kann aber verstehen, wenn Menschen damit fremdeln, daher sein Rat: "Dann sollen sie kommen und es erleben. Zum Glück gibt es ja noch die Clubnight am Freitag, die mit deutlich mehr Konzerten in viele Clubs in Bremen geht und auch an Spielorte, die sonst eher nicht diese Art von Musik haben. Da ist das musikalische Programm auch deutlich breiter gefächert. Ich glaube, das sind ganz gute Einstiegsdrogen für eine Jazzabhängigkeit."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 27. März 2024, 18:05 Uhr

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