Im Porträt So errät Timon Krause Ihre Pin-Nummer

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Pressefoto des Mentalisten Timon Krause
Volle Konzentration und Fokus auf das Gegenüber: So liest Timon Krause sein Gegenüber. Bild: Murat Aslan

Timon Krause kann Gedanken lesen – und er verrät ganz offen wie er das macht. Denn natürlich dringt er nicht in unsere Gehirne ein, sondern liest aus Gesicht, Körper und Stimme ab, was gerade in uns vorgeht. Mit seiner Show "Messias" ist er im November 2024 auch in Bremen zu Gast.

Pressefoto des Mentalisten Timon Krause
Timon Krause kämpfte während der Corona-Pandemie mit einer schwierigen, depressiven Phase.

Gesprächszeit Groß und gewagt: Timon Krause über seine neue Show "Messias"

Timon Krause kann Gedanken lesen. Natürlich dringt er nicht in unsere Gehirne ein, sondern liest aus Gesicht, Körper und Stimme ab, was gerade in uns vorgeht.

Bild: Murat Aslan

Es scheint als könne Timon Krause den Menschen direkt in den Kopf schauen. Er errät Pin-Nummern oder die Farben von Unterhosen und trotzdem sagt er: "Du brauchst absolut keine magischen Kräfte!"

Ein Mentalist ist in den allermeisten Fällen auch ein Entertainer.

Timon Krause über den Erfolg von Bühnenkunst

Timon Krause setzt auf praktische Psychologie: Er liest die Körpersprache seines Gegenübers, erkennt feinste Reaktionen in Mimik und Gestik, nimmt leichteste Muskelzuckungen wahr und weiß, dass er Menschen ein Stück weit beeinflussen kann. Und dann kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: "Bühnenkunst gehört in den allermeisten Fällen dazu. Das heißt, ein Mentalist ist in den allermeisten Fällen auch ein Entertainer."

Ich kann das, ich bin ein junger Hypnose-Gott.

Timon Krause über sein Selbstbewusstsein als 12-Jähriger

Aufgewachsen ist Krause im Münsterland, wo er schon als Kind Zaubertricks und kleine Gedankenspielte liebte: "Ich glaub', jedes Kind hat so eine Faszination für das Magische. Man kann fasziniert sein von Autos, von Baggern, von Dinosauriern oder Fantasy-Sachen." Nach dem Besuch einer Hypnose-Show mit 12 Jahren begann er Hypnose-Techniken zu lernen: "Da habe ich gesagt, das möchte ich auch können." Er ahmte viel nach, probierte sich bei einem Freund aus und hatte überraschenderweise prompt Erfolg: "Die ersten Male, wo es funktioniert hat, haben mir genug Selbstbewusstsein oder jugendliche Naivität gegeben, dass ich gesagt habe: 'Ich kann das, ich bin ein junger Hypnose-Gott und ich werde das weitermachen!'"

Mit Pin-Nummern glänzte er bei seinen Dates

Pressefoto des Mentalisten Timon Krause
Timon Krause kämpfte während der Corona-Pandemie mit einer schwierigen, depressiven Phase. Bild: Murat Aslan

Timon Krause las alles, was er zu Hypnose in die Finger bekam, lernte Körpersprache zu lesen, trat auf Kindergeburtstagen oder beim Blumenladen-Jubiläum auf. Mit 16 lernte er während eines Auslandsjahres in Neuseeland bei dem Mentalisten Richard Webbster, der ihn heimlich unterrichtete und an das "Cold Reading" heranführte. Das Pin-Nummern-Erraten hat er später als Philosophie- und Theater-Student erfolgreich bei seinen ersten Dates ausprobiert: "So von 19 bis 22 war das quasi mein beeindruckender Date-Move. Ich habe immer zu meinem Date gesagt: 'Du gibst mir deine Kreditkarte, ich versuche deine Pin-Nummer zu erraten und wenn ich richtigliege, dann bezahle ich davon heute Abend unser Date.'"

Füße können viel verraten.

Timon Krause weiß über welche Muskeln wir mehr Kontrolle haben und über welche weniger

Gesichter verraten viel, doch Timon Krause zieht bei seinen Deutungen den ganzen Körper mit ein: "Je weiter ein Körperteil vom Gehirn entfernt ist, desto weniger bewusste Kontrolle haben wir darüber. Darum können zum Beispiel die Füße sehr viel verraten." Seine Freunde müssen keine Sorgen haben, dass Timon Krause sie in seiner Freizeit permanent "liest". So nebenbei funktioniert das Gedankenlesen nämlich nicht. Neben Menschenkenntnis braucht es viel Konzentration und diesen Modus schaltet er ganz bewusst auf der Bühne an. "Der Timon, der einfach durchs Leben geht, ist ziemlich verklatscht die meiste Zeit", schmunzelt er.

Vom Nicht-Tänzer zum Tänzer bei Let's Dance

Mit 21 stand Timon Krause schon in Las Vegas auf der Bühne, im letzten Jahr hat er sich aber auf ein ganz anderes Parkett begeben und bei der Tanz-Show "Let's Dance" mitgemacht. Zum einen half ihm das, seine Shows bekannter zu machen, andererseits hatte er große Lust auf die Herausforderung.

Buch verhalf raus aus den dunklen Gedanken

Aber auch ein Timon Krause ist nicht vor Rückschlägen gefeit. Während der Corona-Pandemie kämpfte er mit einer schwierigen, depressiven Phase. "Bei mir war das Problem, dass ich meine ganze Identität auf meinen Shows gefußt habe." Fast sechs Monate kam er kaum aus dem Bett, während sich seine Gedanken immer wieder um eine Frage drehte: Wer bin ich, wenn mich niemand beklatscht? Sein Wissen über den menschlichen Geist, half ihm aber schließlich, sich selbst wieder aus der Situation befreien zu können. Er startete mit einfachen Gewohnheitsübungen wie geregeltem Aufstehen und Bewegung. Sein Ziel damals: In der Lage sein, zwei Stunden am Tag an einem neuen Buch arbeiten zu können. Entstanden ist sein fiktionaler Roman "Das versunkene Theater".

Es wird groß und es wird gewagt!

Timon Krause über sein neues Tour-Programm "Messias"

Heute tritt Timon Krause in den ganz großen Hallen auf. Für seine neue Show "Messias" hatte er Konzept und Titel schon seit 2017 im Kopf. Den Titel "Messias" bezeichnet er lächelnd als "angemessen": "Es wird groß und es wird gewagt und ein Stück weit provokant!". Insgeheim hofft er sogar ein bisschen auf Proteste wegen des religiösen Titels. Lampenfieber hat er auch heute noch und Herausforderungen gibt es weiterhin. Aktuell übt er, Namen zu erraten, während er von einem kleinen Buchladen mit Café in ferner Zukunft träumt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 29. Februar 2024, 18:05 Uhr

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Der Sonntagmorgen mit Jörn Albrecht

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