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Der Nachmittag mit Marius Zekri

Im Porträt Albrecht Weinberg ist einer der letzten Überlebenden von Bergen-Belsen

Autorin

Ein älterer Herr sitzt in einem Stuhl und schaut in die Kamera
Albrecht Weinberg hat Zwangsarbeit und die Konzentrationslager der Nationalsozialisten überlebt. Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Am 15. April vor 76 Jahren befreiten britische Truppen das Konzentrationslager Bergen-​Belsen. Damit endete für Albrecht Weinberg eine knapp zweijährige Leidenszeit in Konzentrationslagern, die im April 1943 mit seiner Ankunft in Auschwitz begann. Nach seiner Auswanderung in die USA 1947 lebt der gebürtige Westrhauderfehner heute wieder in Ostfriesland. Albrecht Weinberg ist einer der letzten Überlebenden von Bergen-Belsen.

Gesprächszeit "Bergen-Belsen war ein Friedhof mit tausenden von Leichen" – Albrecht Weinberg

Am 15. April vor 76 Jahren befreiten britische Truppen das Konzentrationslager Bergen-​Belsen. Albrecht Weinberg hat das Grauen der Nationalsozialisten überlebt.

Ein älterer Herr sitzt in einem Stuhl und schaut in die Kamera
Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld
Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Zu den frühen Kindheitserinnerungen von Albrecht Weinberg aus Rhauderfehn gehören die Besuche bei der Oma in Weener und an den Pudding, den es dort zum Nachtisch gab: "Mit ein bisschen Himbeersaft drauf, das haben wir in Rhauderfehn ja gar nicht gekannt." Aber der heute 96-Jährige erinnert sich auch, wie er sich als jüdischer Junge schon in den 1930er Jahren kaum noch frei bewegen konnte. Selbst seine Schul- und Spielkameraden fingen an ihn auszugrenzen.

'Du darfst mit dem Albi nicht mehr spielen, weil, er ist ein Jude.'

Albrecht Weinberg über die in seiner Kindheit beginnende Ausgrenzung

"'Du darfst mit dem Albi nicht mehr spielen, weil, er ist ein Jude.' Da bin ich mit aufgewachsen, ich wurde ausgeschimpft als Kind. Und 1936, da war ich elf Jahre alt, da durfte ich nicht mehr zur Schule gehen." Dabei, sagt Albrecht Weinberg, waren sie doch Nachbarn und keine Fremden. Man habe Weihnachten und Ostern zusammen gefeiert. Sein Vater war ein angesehener Schlachter und Viehhändler. Albrechts Vater und Onkel hatten im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft. "Das hat alles nichts geholfen. Man hat uns staatenlos gemacht. Ich musste den Namen Israel zu meinem Namen nehmen. Ich musste den Judenstern tragen. Sie können sich das gar nicht vorstellen."

1936 schickten die Eltern Albrecht zu Verwandten nach Leer, wo er die jüdische Schule besuchte. Ab und zu schwänzte er, um für ein paar Groschen auf dem Viehmarkt in Leer beim Verladen von Kühen zu helfen.

Deportation nach Auschwitz, dann Bergen-Belsen

Nach der sogenannten Reichspogromnacht im November 1938 wurde Abrecht Weinberg von einer jüdischen Hilfsorganisation auf einem Gut in der Nähe von Breslau untergebracht. Bis die jungen Leute, die dort in der Landwirtschaft arbeiten mussten, im April 1943 von der Gestapo über Berlin nach Auschwitz deportiert wurden.

Wir haben ja nicht gewusst, was Auschwitz war. Wir haben gedacht wir gehen nach Osten und heben Schützengräben aus. Dass da eine Gaskammer war, da haben wir keine Ahnung von gehabt.

Holocaut-Überlebender Albrecht Weinberg

Albrecht Weinberg überlebte Auschwitz und die Zwangsarbeit für die Buna-Werke der IG-Farben im nahegelegenen Monovitz. Zu Essen, trotz der schweren Arbeit, gab es dort wenig. Die Leute seien gestorben, wie die Fliegen, erzählt er. 

Im Januar 1945, als die Russen näher kamen, wurde Auschwitz durch die SS evakuiert. Albrecht Weinberg kam, nach Stationen in Dora-Mittelbau und Neuengamme bei Hamburg, ins KZ Bergen-Belsen bei Celle. "Bergen-Belsen war ein Friedhof, mit tausenden von Leichen, die nicht begraben waren. Da waren Baracken voll mit toten Leuten."

Neuanfang in den USA und Rückkehr nach Ostfriesland

Die Befreiung am 15. April 1945 erlebte Albrecht Weinberg mehr tot als lebendig, aber er erholte sich, und machte sich mit seiner Schwester Friedel auf die Suche nach überlebenden Verwandten. Ohne Erfolg. 

Keiner wollte einen Überlebenden aus dem Konzentrationslager haben, besonders, wenn sie Juden waren.

Albrecht Weinberg über den Versuch nach dem Zweiten Weltkrieg auszuwandern

"Und dann haben wir versucht auszuwandern. Aber die ganze Welt war mit Brettern vernagelt. Keiner wollte einen Überlebenden aus dem Konzentrationslager haben, besonders, wenn sie Juden waren." 1947 gelang den Geschwistern dann die Auswanderung in die USA – mit dem Schiff von Bremerhaven aus. In New York City schlug Albrecht Weinberg sich, noch ohne Englischkenntnisse, mit Botengängen durch, später machte er einen Fleischerladen auf. Es war die schönste Zeit, sagt Albrecht Weinberg. Ein Leben in Freiheit, mit freundlichen Nachbarn, mit Besuchen im Kino und immer mit viel Arbeit. 

Im Alter kehrte er nach Ostfriesland zurück. Heute ist Albrecht Weinberg Ehrenbürger von Rhauderfehn und Namensgeber des dortigen Gymnasiums. Hier erzählt er den Schülerinnen und Schülern was ihm widerfahren ist – auch, damit sich diese Geschichte nicht wiederholt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 15. April 2021, 18:05 Uhr