Die Morgenandacht Jesus wollte keine Behördenreligion

Heinrich Deboi
Heinrich Deboi

Die Morgenandacht Jesus wollte keine Behördenreligion

Echte Erneuerung braucht Tiefgang, sagt Heinrich Deboi. Jesus wolle einen Glauben, der unter die Haut geht und das eigene Leben verändert.

Bild: Katholischer Gemeindeverband Bremen

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Echte Erneuerung braucht Tiefgang, sagt Heinrich Deboi. Jesus wolle einen Glauben, der unter die Haut geht und das eigene Leben verändert.

"Wann ist Ihnen der Glaube zuletzt wirklich einmal unter die Haut gegangen? Und welche Folgen hat das für Ihr Leben?" Bei solchen Fragen kommen viele Menschen sofort ins Grübeln. Sicher würden auch Theologen mit einer spontanen Antwort und der Aufzählung von konkreten Lebenssituationen zögern. In einer Predigt hat der evangelische Philosoph und Theologe Paul Tillich gefragt: "Was bringt es eigentlich, sich mit Glaube, Kirche, Religion zu beschäftigen? Ist das etwas für Büchermenschen, die nachts nicht gut schlafen können?" Und dann zeigt Tillich kritisch mit dem Finger auf den Theologen, den Intellektuellen, der sich durch Bücherberge hindurchgearbeitet und auch die letzten Fußnoten abgegrast hat. Denn häufig hat dessen Innenleben womöglich nur den Tiefgang einer Regenpfütze.

Und im Vergleich dazu verweist Tillich auf einen ungelernten Arbeiter, der Tag für Tag eine mechanische Arbeit verrichtet und der sich eines Tages die Frage stellt: "Welchen Sinn hat es, dass ich diese Arbeit tue? Was bedeutet sie für mein Leben? Und was ist überhaupt der Sinn meines Lebens?"
Wer noch immer über eine Antwort auf die Fragen grübelt, dem sei wieder auf Paul Tillich verwiesen. Er will sagen: Der eine, der einfache Arbeiter, der seiner täglichen Pflicht gewissenhaft nachkommt, ist auf dem Weg zur Tiefe. Wer studiert, nimmt nur Informationen in sich auf, die an der Oberfläche bleiben und wenig Tiefgang haben. Auch eine Frömmigkeit, die den Weihrauch nicht nur einatmet, sondern auch wieder ausatmet, kann an der Oberfläche bleiben.

Heute wird häufig darüber diskutiert, dass in den Kirchen alles anders werden soll. Schon der Heilige Augustinus erkannte, dass die Kirche ständig reformiert werden muss. Veränderungen gehören zum Leben, auch zu einer lebendigen Religion. Aber der Ton macht die Musik. Und der Ton Jesu lädt dazu ein, dass die Veränderung bei uns selbst beginnt. Das Neue kommt nicht allein von oben oder von unten. Eine echte Erneuerung kommt von innen. Sie braucht Tiefgang.

Eine Religion, wie Jesus sie versteht, bleibt nicht beim Äußeren stehen. Sie lässt uns nach dem Sinn des Lebens fragen. Und sie macht neugierig auf den inneren Reichtum. Jesus geht es nicht um eine Behördenreligion, deren Theologen bestenfalls einen spirituellen Rollator schieben. Ihm geht es um einen Tiefgang im Glauben, der bei jedem Menschen im Inneren verwurzelt ist und entsprechend gelebt wird. Ein Glaube, der dafür sorgt, dass er tagtäglich unter die Haut geht und konkrete Folgen für das eigene Leben hat.

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