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Die Nacht

Im Porträt Raus aus der Lethargie: Pia Klemp will politische Wände einreißen

Autorin

Kapitänin Pia Klemp auf der Brücke der Sea-Watch 3
Pia Klemp ist Kapitätin und engagiert sich in der zivilen Seenotrettung. Bild: Paul Lovis Wagner / Sea-Watch.org

Pia Klemp ist Kapitänin, Seenotretterin und Aktivistin für Menschenrechte. Jetzt hat sie eine "Wutschrift" veröffentlicht und fordert ein Ende der Lethargie. Ihr Plädoyer? Raus aus der Bewegungslosigkeit und das Heft des Handelns in die Hand nehmen: Ändern, was schiefläuft!

Kapitänin Pia Klemp auf der Brücke der Sea-Watch 3

Gesprächszeit "Ich komme mir relativ allein auf weiter Flur vor" – Pia Klemp

Pia Klemp ist Kapitänin, Seenotretterin und Aktivistin für Menschenrechte. Jetzt hat sie eine "Wutschrift" veröffentlicht und fordert ein Ende der Lethargie.

Bild: Paul Lovis Wagner / Sea-Watch.org

Die gebürtige Bonnerin Pia Klemp ist viel und gern unterwegs. Bekannt wurde sie als Kapitänin des Seenotrettung-Schiffs Iuventa, das seit 2017 in Lampedusa festgehalten wird. Doch sie begann schon viel früher, sich politisch zu engagieren. Sie sei in einem Umfeld aufgewachsne, das von sozialpolitischem Engagement geprägt ist, erzählt sie: "Einige sind im Tierschutz aktiv, andere sammeln Spenden für flüchtende Menschen, andere engagieren sich auf juristischer Ebene für Menschenrechte. Es ist schon eine gute Familie!"

Der kleine Blick aufs große Ganze

Ihr Biologiestudium hat Pia Klemp abgebrochen, weil sie trotz hoher Studiengebühren nicht die Seminarplätze bekommen hatte, die für den Abschluss nötig gewesen wären. Stattdessen ging sie 2009 nach Indonesien und arbeitete dort als Tauchlehrerin. Die Unterwasserwelt und die indonesische Kultur hatten es ihr angetan: "In einem Land wie Indonesien sieht man eben auch, wie viele globale Probleme zusammen kommen. Große internationale Fischfangflotten fischen in industriellem Stil, bis fast nichts mehr da ist. Die Fischer, die mit wesentlich weniger invasiven Mitteln fischen, sind gezwungen, mit Delikatessen zu handeln."

Es geht um Menschen, denen sichere und legale Einreisewege konsequent verwehrt werden und die dann auf dem Mittelmeer sterben gelassen werden.

Pia Klemp über die zivile Seenotrettung im Mittelmeer

Nach ihrer Zeit in Indonesien schloß sich Pia Klemp der Meeresschutz-Organisation Sea Shepard an und unterstützte die Antiwalfang-Kampagne der Organisation. An Bord der Sea Shepard-Schiffe erlangte sie die Befähigung, die Führung von Booten zu übernehmen. Sieben Jahre vergingen von ihrem ersten Einsatz an Bord eines Schiffes bis zur Kapitänsprüfung. Als Kapitänin der Iuventa engagierte sich Pia Klemp in der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer,bBis das Schiff und die Besatzung 2017 von italienischen Behörden im Hafen von Lampedusa festgesetzt wurden. Die italienische Regierung warf der Crew vor, illegale Einwanderung gefördert zu haben. Doch Pia Klemp betont das Menschenrecht auf Asyl: "Man hilft nicht Menschen, die durch Sturm in Seenot geraten sind, sondern es geht um Menschen, denen sichere und legale Einreisewege konsequent verwehrt werden und die dann auf dem Mittelmeer sterben gelassen werden."

Handeln statt Weggucken

Kapitänin Pia Klemp auf der Brücke der Sea-Watch 3 im April 2018
Kapitänin Pia Klemp auf der Brücke der Sea-Watch 3 im April 2018 Bild: Ruben Neugebauer / Sea-Watch.org

Um ihre Erfahrungen an Bord der Iuventa zu verarbeiten, schrieb Pia Klemp den Roman "Lasst uns mit den Toten tanzen". Auch in ihrem neuen Sachbuch "Wutschrift“ spielt ihre Zeit als Seenotretterin ein große Rolle, zum Beispiel, wenn sie die Geschichte eines toten Jungen erzählt, den sie in einer Tiefkühltruhe an Bord mitnahm. Immer wieder wird sie danach gefragt: "Es gibt noch zig andere Kinder, die seitdem gestorben sind und leider auch noch sterben werden, weil die EU eine tödliche Grenzpolitik verfolgt, dass ich nichts damit anfangen kann, wenn die Leute bei dieser Trauer stehenbleiben, ohne etwas an den Zuständen ändern zu wollen, die überhaupt dazu geführt haben. Das ist nur ein Verrat an denen, denen dieses Schicksal noch bevorsteht."

Es ist ein Gefühl, was in meinen Gefühlskanon schon immer mit reingehört hat.

Pia Klemp über Wut und das Gefühl, etwas ändern zu wollen

Nicht nur der Umgang mit geflüchteten Menschen, auch Umweltprobleme, Rassismus und die Forderung nach Gleichberechtigung thematisiert Pia Klemps Wutschrift: "Die Welt ist ziemlich hässlich, wie wir sie gemacht haben. Und so unangenehm es ist, so wichtig finde ich es auch, sich genau damit auseinanderzusetzen, damit man es schafft, dem etwas entgegenzustellen und sich zu positionieren", so die Aktivistin. Warum viele Menschen trotz Unwohlseins mit einer politischen Situation in Lethargie verharren, kann Pia Klemp oft nicht verstehen. Manchmal, sagt sie, kommt sie sich ziemlich allein vor, mit ihrem Drang, wirklich etwas verändern zu wollen. Wut scheint sich unsere Gesellschaft abtrainiert zu haben, ist sie überzeugt. Sie selbst sei zwar nicht durchgängig und ausnahmslos wütend, aber: "Es ist ein Gefühl, was in meinen Gefühlskanon schon immer mit reingehört hat.“

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 2. Mai 2022, 18:05 Uhr