Auf der Bühne Tanzensemble auf post-pandemischem Selbsterfahrungstrip

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Szene des Tanzstücks "Diamonds" am Theater Bremen.
Neun Tänzerinnen und Tänzer in Action bei der Premiere des Tanzstücks "Diamonds" am Theater Bremen. Bild: Jörg Landsberg

Unusual Symptoms ist der Name des Ensembles der Tanzsparte am Theater Bremen und steht für Bewegungskunst und für Kunst, die bewegt. Marcus Behrens bewegt jedes Mal aufs Neue die Frage, was sich das Team diesmal ausgedacht hat. Gastchoreograf war der Brasilianer Renan Martins.

Worum geht es?

Szene des Tanzstücks "Diamonds" am Theater Bremen.
Eine Szene aus dem Tanzstück "Diamonds" Bild: Jörg Landsberg

Beim Zuschauen fallen mir folgende Stichworte ein: Miteinander, Gemeinsamkeit, Nähe, Zuneigung, Harmonie. Aber auch das Wort "Liebe" taucht auf dem Programmzettel auf. Daran habe ich an diesem Abend aber überhaupt nicht gedacht. Stattdessen wurde auf der Bühne auch mal geschrien. Ein Ensemble auf einem post-pandemischen Selbsterfahrungstrip. Man kennt sich natürlich, und man vertraut einander. Aber bis zu einem klaren Bruch in der Vorstellung waren die Tänzerinnen und Tänzer vor allem Bewegungsakrobaten auf dem Tanzboden. Dann plötzlich Stille. Ensemble und DeeJay warteten, ob und wie das Publikum reagiert. Die Menschen im Saal schwiegen. Bis irgendwann die Musik wieder den Raum erfüllte. Und plötzlich wurde getanzt – wild und ausgelassen. Fröhlich wie auf einem Volksfest. Flower Power ohne Blumen wäre auch eine treffende Beschreibung.

Was gab es zu sehen?

Das Ensemble versuchte bereits beim Betreten des Saals mit dem Publikum direkt Kontakt aufzunehmen. Viele gingen drauf ein, einige wollten nicht Teil des Kunstwerks werden. Irgendwann begannen die neun Personen auf der Tanzfläche, ihre Körper zu entdecken – einsam, zweisam, dreisam – stehend, liegend, laufend. Vieles davon in Zeitlupe. Erinnerungen an Johann Kresnik in seiner Bremer Zeit kamen mir in den Kopf, allerdings fehlten die Cheeseburger und auch der tiefere Sinn. Alles schon mal dagewesen. Aber in anderem Licht und mit anderer Musik.

Wer sollte die Inszenierung nicht verpassen?

Mit "Diamonds" scheint der Generationswechsel im Bremer Tanzpublikum endgültig abgeschlossen. Die ältere Generation, die der Tanzsparte des Theaters Bremen seit Jahrzehnten treu verbunden war, fehlte bis auf ganz vereinzelte Ausnahmen. Und dieses deutlich jüngere Publikum verlangt offenbar nicht nach Inhalt und Aussage. Zumindest nicht beim Tanz. Die Rechnung geht also auf.

Was sagt unser Kritiker?

Szene des Tanzstücks "Diamonds" am Theater Bremen.
Eine Szene aus dem Tanzstück "Diamonds" am Theater Bremen. Bild: Jörg Landsberg

Der Beifall am Ende war lang und begeistert, was nicht verwundert, weil fast alle zum Schluss auf der Bühne mitgetanzt haben. Viel Kunst und viel Tanz, aber leider wenig Tanzkunst. Was vom Abend übrig bleibt? Ensemble und Publikum hatten ihren Spaß. Ich bin mir sicher, dass auch die weiteren Vorstellungen schnell ausverkauft sein werden. Aber der Abend hat mich nicht weitergebracht und er dauerte eine halbe Stunde länger als angekündigt. Er kam mir aber nicht so lang vor!

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 19. April 2024, 10:10 Uhr

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Sounds mit Till Lorenzen

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