Auf der Bühne Gelungene Unterhaltung: "Keine Ahnung" im Brauhaus in Bremen

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Jorid Lukaczik auf der Bühne
Jorid Lukaczik steht im Mittelpunkt des Stücks "Keine Ahnung", aufgeführt im ungewöhnlich gestalteten Brauhaus, das an ein Fernsehstudio erinnert. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Wann waren Sie das letzte Mal im Theater und konnten auf die Frage, was Sie dort gesehen haben, mit gutem Gewissen antworten: "Keine Ahnung"? Der Titel ist aber keineswegs Programm. Jorid Lukaczik verzaubert das Publikum im Brauhaus des Theaters Bremen.

Worum geht es?

Im Mittelpunkt steht ganz klar Jorid Lukaczik. Sprechend, laufend, rennend, Klang schaffend und alle Blicke auf sich ziehend im ungewöhnlich gestalteten Brauhaus des Theaters Bremen, das wie ein Fernsehstudio ohne Kameras wirkte. Lukaczik hat die beeindruckende Fähigkeit, das Publikum mitzunehmen, nicht abschweifen zu lassen, nicht mal für einen kurzen Moment. Ich habe mich an die Fernseh-Showmaster aus den 1970er Jahren erinnert, die hatten damals ja auch eine zeitgemäße Fähigkeit, das Publikum mitzunehmen, egal, was sie sagten oder machten. Und genau das schafft Lukaczik auch – nur 50 Jahre später und ganz klar in der Gegenwart verankert und mit großem Potential für die Zukunft. Die Textfragmente aus Nele Stuhlers Buch "Kein Ahnung" skizzieren Fragen und Fakten aus der Geschichte unserer Zivilisation, zwischen Nicht-Wissen und Ahnungslosigkeit.

Was gab es zu sehen?

Jorid Lukaczik und Janis Elias Müller auf der Bühne
Jorid Lukaczik und Janis Elias Müller sorgen für die passenden Klänge in "Keine Ahnung". Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Der ungewöhnliche und viel zu kurze Abend, den Jorid Lukaczik schauspielend, Janis Elias Müller klangschaffend und Andy Zondag choreographierend gemeinsam geschaffen haben besteht aus Bewegung und Tanz sowie den bereits erwähnten Texten von Nele Stuhler. Dazu kommt Musik – vor allem raumfüllende Klänge – von Müller und Lukaczik gemeinsam aus einer Vielzahl von Instrumenten, Gegenständen und auch einem Computer gezaubert. Lukaczik ist das verbindende Element. Zondag aus dem Ensemble "Unusual Symptoms" am Theater Bremen hat die Bewegungen von Lukaczik so choreographiert, dass es gefühlt keine Sekunde in dieser – nur eine gute Stunde dauernden – Darbietung gibt, in der Langeweile aufkommt! Nicht einmal in den kurzen Momenten, in denen Lukaczik den Raum verlässt oder hinter einem Vorhang verschwindet, denn dieses Kunstwerk hat gleich mehrere Spannungsbögen.

Wer sollte die Inszenierung nicht verpassen?

Alle, die eine grandiose Stunde Unterhaltung zu schätzen wissen, die sich von Kleinigkeiten überraschen lassen wollen und die, die zum Nachdenken angeregt werden wollen. Denn nicht nur die Textauszüge aus dem Buch "Kein Ahnung" von Nele Stuhler, die ja kürzlich erst am Theater Bremen aus ihren Werken gelesen hat, haben viele Ansätze fürs Nach- und Weiterdenken gegeben.

Was sagt unser Kritiker?

Jorid Lukaczik auf der Bühne
Jorid Lukaczik in "Keine Ahnung", ein Projekt von Andy Zondag mit Texten von Nele Stuhler. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Alle waren begeistert im ausverkauften Brauhaus und es gab viel Beifall am Schluss, der viel zu früh und viel zu plötzlich kam und weil das Licht, wie meist üblich am Ende nicht ausging, warteten alle auf das, was nun als Nächstes passieren würde. Auf dem Weg zum Theater bin ich einem Kollegen begegnet, der mich fragte, was ich mir anschauen würde. Ich konnte ihm ohne schlechtes Gewissen sagen: "Kein Ahnung", worauf er mich verständlicherweise etwas fragend anschaute. Großartiger Titel für einen großartigen Abend!

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 25. Mai 2024, 07:20 Uhr

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Sounds mit Harald Mönkedieck

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