Auf der Bühne Romeo und Julia auf dem Campingplatz

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Szene aus "Romeo und Julia" vor dem Stadttheater Bremerhaven
Szene aus "Romeo und Julia" auf der Sommerbühne vor dem Stadttheater Bremerhaven. Bild: Stadttheater Bremerhaven | Manja Herrmann

William Shakespeare geht eigentlich immer – und überall. Auf der Sommerbühne vor dem Stadttheater in Bremerhaven hatte der Klassiker "Romeo und Julia" Premiere. Es ist eine Fassung, die man so noch nicht gesehen hat, sagt unser Theaterkritiker Marcus Behrens.

Worum geht es?

Szene aus "Romeo und Julia" vor dem Stadttheater Bremerhaven
Szene aus "Romeo und Julia" mit Sonnenblumenfeld. Bild: Stadttheater Bremerhaven | Manja Herrmann

Selbstverständlich um die sehr bekannte und ebenso tragische Geschichte von Romeo und Julia, dem Paar, dass sich so sehr liebt, dass sich am Ende beide umbringen, weil ihre Liebe von der lebenslangen Fehde der Familien Montagues und Capulet belastet ist und nicht geduldet wird. Neben viel Text von William Shakespeare, natürlich in der deutschen Übersetzung, gab es durch den ganzen Abend den Versuch der Alltagssprache, sich mit den wohlgeformten Fersen des Meisters anzulegen. Ich habe bereits viel Shakespeare gesehen und auch viele Variationen von Romeo und Julia, diese aber bisher nicht.

Was gab es zu sehen?

Zu sehen waren das komplette Schauspiel-Ensemble des Stadttheaters, Martin Kemner als Gast sowie Statisten, die allesamt in dieser Inszenierung von Jörg Steinberg überzeugten. Bühnenbild und Spielende befanden sich vor Beginn unter mehreren großen, roten Planen, die dann aber schnell eine sehr lustige Szenerie enthüllten: Romeo und Julia auf dem Campingplatz! Links der Wohnwagen der Montagues, rechts der der Capulets – und dazwischen auf der eigentlichen Bühne wurde gleich zu Beginn ein Sonnenblumenfeld hergerichtet, das dann bis zum Schluss der Handlung im Wege stand. Im besten Sinne, denn die Spielenden konnten sich verstecken, verheddern und damit spielen – welch grandios einfache Idee mit einer einfach grandiosen Vielfalt an Möglichkeiten.

Wer sollte die Inszenierung nicht verpassen?

Romeo und Julia im Stadttheater Bremerhaven
Szene aus "Romeo und Julia" – eine Inszenierung von Jörg Steinberg. Bild: Stadttheater Bremerhaven | Manja Herrmann

Alle, die diese Geschichte von Romeo und Julia bereits kennen aber das Gefühl haben, dass sie ihr Shakespeare-Wissen mal wieder auffrischen müssen und auf jeden Fall auch alle, die sich bisher nicht an Shakespeare rangetraut haben. Mal abgesehen vom Original in Shakespeares unvergleichlichem Englisch kenne ich das Werk auch sehr viel länger und mit weniger Tempo inszeniert. Langeweile hatte keinen Platz in dieser Inszenierung und mehr Publikum hätte auch keinen Platz gehabt, denn es war voll am Premierenabend. Der Wechsel zwischen Originaltext und Alltagssprache, ebenso zwischen dem nur erwähnten, historischen Spielort Verona in Italien und dem Campingplatz – waren zwei der vielen kurzweiligen Ebenen des Abends.

Was sagt unser Kritiker?

Man sitzt nicht so bequem wie im Theater, aber es war so kurzweilig, dass ich die Plastikstühle zumindest zeitweise ausblenden konnte. Bestes Unterhaltungstheater, ohne Schnittmenge zum Boulevard – mit ausreichend Shakespeare und sehr vielen Dialogen in einfacher Sprache, wenn ich es mal so nennen darf. Das Publikum war begeistert und feierte die Leistung am Ende ausgiebig. Es lohnt sich auf alle Fälle, für diese Inszenierung von "Romeo und Julia" nach Bremerhaven zu fahren, auch wenn Sie nicht in dieser Stadt wohnen. Ein Blick aufs Wetter ist dann aber zu empfehlen, denn die Vorstellungen fallen bei Regen aus.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 1. Juni 2024, 07:20 Uhr

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Gesprächszeit mit Christian Erber

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