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Der Morgen mit Tom Grote

Auf der Bühne Theater Bremen startet Spielzeit mit dem Klassiker "Drei Schwestern"

Autorin

Drei Schwestern: Verena Reichhardt, Anna Zaorska, Kleinschmidt, hinten Lisa Guth
Olga, Mascha und Irina führen ein Leben in der Provinz und blicken voller Sehnsucht auf das ferne Moskau. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Das Theater Bremen hat sich gegen einen Boykott russischer Texte entschieden und startet mit dem Klassiker "Drei Schwestern" in die neue Spielzeit. Die Premiere von Anton Tschechows Stück war ursprünglich für Mai 2020 geplant und wurde wegen Corona mehrmals verschoben. Der Regisseur Dušan David Pařízek hat sich für die Inszenierung einige Freiheiten erlaubt.

Die Inszenierung interessiert sich vor allem für die Ursachen kriegerischer Exzesse. Die Geschichte spielt im militärischen Milieu einer russischen Garnisonsstadt. Das Stück erzählt von drei Schwestern, die in einer namenlosen Provinzstadt leben und ihrer glücklichen Kindheit in Moskau nachtrauern. Sie hoffen auf eine Rückkehr. Vergangenheit und Zukunft bestimmen ihre Reden, aber sie schaffen es nicht, in der Gegenwart zu handeln. Moskau bleibt ein unerreichter Sehnsuchtsort. In dieser lethargischen Atmosphäre passiert entsprechend wenig. Die intellektuelle Elite, in Russland auch "Intelligenzija" genannt, hängt mit den Offizieren des Ortes ab. Die begehren die drei Schwestern und besuchen sie ständig in ihrem Haus – in der Hoffnung auf ein Abenteuer jenseits des Schlachtfelds.

Eine Art Rückschau

Der tschechische Regisseur Dušan David Pařízek hat sich bei seiner Inszenierung viel Beinfreiheit verschafft. Bei ihm blicken die Schwestern als reife Frauen auf ihr Leben zurück, im Originalstück sind sie jünger, in ihren Zwanzigern. In der Rückschau lassen sie einiges weg – auch ganze Figuren, fügen aber manches dazu, zum Beispiel Lieder.

Drei Schwestern: Verena Reichardt auf der Bühne
Eine Szene mit Verena Reichhardt. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Eine Schauspielerin, die ursprünglich für die Rolle der Mascha vorgesehen war, schied wegen Krankheit aus dem Ensemble aus. Die originelle Lösung: Die Souffleuse übernimmt phasenweise diesen Part der dritten Schwester. An einer Stelle wird diese Rolle sogar auf drei Darstellerinnen verteilt. Das Stück vom trägen, zähen Fluss der Zeit wird dadurch oft aufgebrochen.

Einfallsreich: Musik und Bühnenbild

Drei Schwestern: Peter Fasching an der Trommel
Die Musik sorgt für unterhaltsame Momente in der eher lethargischen Atmosphäre. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Musik spielt eine große Rolle – vom russischen Autorenlied bis zum deutschen Schlager. Immer wieder wird es witzig oder ironisch. Das Bühnenbild wurde von Dušan David Pařízek gestaltet. Es besteht aus einem riesigen Würfel, der mit weißen Papierbahnen bespannt ist und auf denen Schattenspiele zu sehen sind. Außerdem dekorieren die Schwestern die Bühne mit künstlichen Mohnblumen, die in einigen Ländern symbolisch an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnern. Am Bühnenrand stehen ein Klavier, ein Mischpult und Projektoren – das Ensemble sorgt selbst für kreative Ton- und Lichteffekte.

Moderne Inszenierung mit kleinen Schwächen

Der Sound hat die Inszenierung zugänglicher und manchmal sogar richtig unterhaltsam gemacht. Auch die schauspielerische Leistung hat das eher träge Stück belebt. Offensichtlich wurde auch diese These: Krieg entsteht, wenn Männer nicht wissen, wohin mit ihrer Männlichkeit. Irgendwann werden die vielen Kunstgriffe aber doch anstrengend. Das unvermittelte Coming-out eines Offiziers und eine exhibitionistische Einlage machen eher ratlos. Beides kommt im Original nicht vor. Es bleibt ein zwiespältiger Eindruck: Inhaltlich wurde das Stück auf jeden Fall moderner und diverser gestaltet – aber für das Publikum auch verwirrender.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 29. August 2022, 08:35 Uhr