Die Morgenandacht Geh‘ hin in Deiner eigenen Kraft

Alexander Rolfes
Alexander Rolfes

Die Morgenandacht Geh‘ hin in Deiner eigenen Kraft

Das Gefühl der Ohnmacht angesichts vieler Krisen lähmt uns gerade, meint Alexander Rolfes. Aber Christen könnten diese Ohnmacht gestalten.

Bild: Katholischer Gemeindeverband Bremen

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Ohnmacht ist ein verbreitetes Gefühl in diesen Tagen. Auch wenn die Pandemie vorbei ist oder eine Corona-Infektion mittlerweile ihren Schrecken verloren hat – an Krisen mangelt es uns trotzdem nicht. Ob Klimakrise, Kriege – mittlerweile ist auch hier der Plural angebracht, Inflation, steigende Energiekosten oder mal wieder Streit im politischen Berlin: Es braucht schon gute Nerven, um einer abendlichen Nachrichtensendung standzuhalten. Viele wenden sich ab, zucken resigniert die Schultern und erkennen: Ich kann eh nix machen. Dieses Gefühl der Ohnmacht angesichts der vielen Krisen lähmt uns gerade kollektiv. Wann hört das alles auf? Es ist lähmend, nicht zu wissen, wie die Zukunft aussieht. Wie wird es weitergehen?

Diese Erfahrung führt dazu, dass wir schlecht drauf sind, wir uns verschließen und nichts tun. Aber wir Christinnen und Christen können diese Ohnmacht gestalten. Das sechste Kapitel im Buch der Richter erzählt ebenfalls von einer Erfahrung der Ohnmacht. Das Volk Israel, zwar aus Ägypten entkommen, sieht sich einer weiteren Bedrohung ausgesetzt. Es geht um Leben und Tod. Gideon, den der Mut verlassen hat und der nicht mehr weiß, wofür er gebraucht werden kann, wendet sich in seiner Ohnmacht an Gott und fragt, was sein Plan für ihn vorsähe. Und Gott antwortet: "Geh' hin in deiner eigenen Kraft! Dann gehe ich mit Dir." Für mich ein unglaublich starkes Wort!

Gott sagt uns: Ich bin bei Dir in Deiner Ohnmacht! Ich hebe sie nicht auf, aber ich verändere sie, lasse etwas aus ihr wachsen. Konzentriere Dich auf Deine eigenen Kräfte, auch wenn diese gerade verschüttet sein mögen. "Geh' hin in deiner eigenen Kraft. Ich gehe mit Dir." Bleiben wir nicht liegen, auch wenn es das Gefühl dieser Zeit sein mag: Nach der Erfahrung der Ohnmacht, des Liegens, folgt die Erfahrung des Aufstehens. Die amerikanische Autorin Jan Richardson greift genau diese Erfahrung in einem beeindruckenden Text auf:

Schau, die Welt
endet immer
irgendwo.
Irgendwo
ist die Sonne
untergegangen.
Irgendwo
ist es
völlig dunkel geworden.

Irgendwo
endete es
mit der zugeschlagenen Tür,
der zerschlagenen Hoffnung.
Irgendwo
endete es
mit einer Zartheit
die dir das Herz
brechen wird.

Aber, hör zu,
dieser Segen will
alles sein
außer verdrießlich.
Er ist nicht gekommen
um Verzweiflung zu säen.
Er ist ganz einfach hier
weil es nichts gibt
für das ein Segen
besser passen würde
als ein Ende,
nichts was mehr
nach einem Segen verlangt
als eine Welt
die auseinanderfällt.

Dieser Segen
wird dich nicht bestimmen,
wird dich nicht flicken,
wird dich nicht
in falscher Sicherheit wiegen;
er wird dir nichts erzählen
über eine sich öffnende Tür
wenn eine andere sich schließt.

Er wird sich einfach
an deine Seite setzen
mitten in die Scherben
und ganz sanft dein Gesicht
in die Richtung drehen
aus der das
Licht kommen wird,
sich versammelnd
über dir,
wenn die Welt
wieder neu beginnt.

Jan Richardson

Autor/Autorin

  • Diplom-Theologe Alexander Rolfes

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Gesprächszeit mit Hilke Theessen