Auf der Bühne Uraufführung: "Die Erfindung des Jazz im Donbass" am Bremer Theater

Autor/Autorin

  • Andreas Schnell
Szene des Theaterstücks "Die Erfindung des Jazz im Donbass" am Theater Bremen
Szene aus "Die Erfindung des Jazz im Donbass" nach dem gleichnamigen Roman Serhij Zhadan von 2012. Bild: Jörg Landsberg

 "Die Erfindung des Jazz im Donbass" zeigt eine Gesellschaft mitten im Umbruch. Basierend auf Serhij Zhadans Roman von 2012, inszeniert Armin Petras diese konfliktreiche, aber unterhaltsame Geschichte erstmals für die Bühne, zu sehen am Theater Bremen.

Worum geht es in dem Stück?

Szenenbild des Theaterstücks "Die Erfindung des Jazz im Donbass" am Theater Bremen.
Szene aus "Die Erfindung des Jazz im Donbass": Stadtmensch Herman soll eine Tankstelle retten. Bild: Jörg Landsberg

Die Geschichte erinnert an klassische Westernfilme: Ein Mann kommt in eine kleine Stadt in der Provinz und gerät dort zwischen die Fronten der lokalen Politik. Der Mann heißt Herman und bekommt einen mysteriösen Anruf: Sein Bruder, der in der ostukrainischen Stadt Luhansk eine Tankstelle betreibt, sei verschwunden. Auf die Tankstelle wiederum haben es ein paar dubiose Herren abgesehen, die mit Mafia-Methoden arbeiten und Loblieder auf das freie Unternehmertum singen. Herman versucht nun mit den ziemlich schrulligen Angestellten seines Bruders die Tankstelle zu retten.

Der gleichnamige Roman erschien 2012 und zeigt eine Provinzstadt inmitten postsozialistischer Umbrüche: Die neue Ordnung mit ihren Werten muss sich erst noch durchsetzen, es herrschen anarchische Verhältnisse, mafiaartige Strukturen, Korruption und viel Unsicherheit in der Bevölkerung. Der Titel des Stücks "Die Erfindung des Jazz im Donbass" illustriert die neue Situation, in der sich die Menschen befinden. Aufgrund des Chaos müssen sie viel improvisieren und spontan reagieren, wie Musiker und Musikerinnen beim Jazz.

Was gab es zu sehen?

Szene des Theaterstücks "Die Erfindung des Jazz im Donbass" am Theater Bremen
Der chaotische Postsozialismus: ausgedrückt durch Musik, Tanz und die urkainischen Nationalfarben. Bild: Jörg Landsberg

Die Bühne ist zwar in den ukrainischen Nationalfarben Blau und Gelb gehalten, aber außer ein paar ganz kleinen Fingerzeigen, verzichtet Regisseur Armin Petras darauf, eine Position zum aktuellen Krieg abzuleiten. Es geht eher um die Atmosphäre des Alltags in einer Gesellschaft im Wandel. Und die bringt Petras mit großem Ensemble, viel Musik und angenehm leichtem Witz auf der Bühne. Die Kulissen sind zauberhaft stilisierte gelbe Bauten mit Sowjet-Patina, die per Hand auf- und abgebaut werden. Ein altes Moped düst gelegentlich durchs Bild und eine Autotür steht für das ganze Vehikel. Immer wieder wird musiziert und getanzt. Das erinnert ein wenig an Filme von Emir Kusturicas "Schwarze Katze, weißer Kater". Da geht es ja auch auf eine oft märchenhafte Weise um das Leben nach dem Sozialismus und Verhältnisse, die erst neu geordnet werden.

Was sagt unser Kritiker?

Das Stück ist durchaus zu empfehlen. Man muss zwar etwas Sitzfleisch mitbringen, denn das Schauspiel dauert rund drei Stunden. Dafür wird das Publikum mit einem meist sehr kurzweiligen, melancholisch heiteren Abend belohnt. Im Stück begegnen uns viele skurrile Figuren, die uns die Ukraine auf ausgelassene Art näherbringen. Hier sehen wir das Land mal nicht als Kriegsschauplatz, sondern als komplexe, multikulturelle Lebenswelt. 

Präsentiert von Bremen Zwei

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Sonntagmorgen, 25. Februar 2024, 11:48 Uhr

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