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Die Nacht

Im Porträt Von Couch zu Couch: Warum dieser Reporter lieber ungewöhnlich reist

Autorinnen

Stephan Orth
Zu Gast in Bremen bei den Bremen-Zwei-Sommergästen: Stephan Orth. Bild: Radio Bremen | Anja Robert

Journalist und Reisereporter Stephan Orth ist der wohl bekannteste Couchsurfer Deutschlands. Er hat schon im Iran, in Saudi-Arabien, China oder Russland auf den Sofas fremder Menschen übernachtet und dabei spannende Geschichten gesammelt. Als Bremen-Zwei-Sommergast hat er uns von seiner jüngsten Reise nach England erzählt.

Stephan Orth
Stephan Orth

Gesprächszeit "Lübecker Marzipan ist das beste Geschenk" – Stephan Orth

Stephan Orth hat in Saudi-Arabien, China oder Russland auf den Sofas fremder Menschen übernachtet. Als Sommergast erzählt der Couchsurfer von seinen Erlebnissen.

Bild: Radio Bremen | Anja Robert

70 Länder hat Stephan Orth schon bereist – und in 25 davon auf über 200 Sofas geschlafen. Nur auf langen Reisen geht er ab und zu für ein paar Tage ins Hotel, um kurz einmal durchzuatmen. Ansonsten schläft er dort, wo die Menschen ihm einen Schlafplatz anbieten.

Dann suche ich nach etwas eigenen Charakteren, Leuten, die etwas Besonderes machen.

Stephan Orth über die Auswahl seiner Gastgeber

Wenn er privat reist, geht es ihm um die Wohlfühlatmosphäre bei einem Gastgeber, aber wenn der Journalist und Reiseautor ein Buch schreiben will, dürfen die Umstände auch mal ungewöhnlicher sein: "Dann suche ich nach etwas eigenen Charakteren, Leuten, die etwas Besonderes machen. Vielleicht auch Leuten, bei denen ich das Gefühl hab', wir werden uns nicht so gut vertragen. Es geht dann darum, dass sich eine Geschichte entwickelt." Manchmal wird es selbst einem erfahrenen Reisenden wie ihm zu ungewöhnlich. In Russland traf Orth zum Beispiel auf einen Gastgeber, der ihm vor dem Besuch erst einmal seitenlange Verhaltensregeln präsentierte.

Zu Fuß durch England – ohne Toilette und Dusche

Stephan Orth
In England war Stephan Orth nur zu Fuß und mit sehr schmalem Gepäck unterwegs. Bild: Stephan Orth | Oli Scarff

Neben einem dünnen Jugendherbergs-Schlafsack hat Couchsurfer Stephan Orth als Gastgeschenk immer einige Packungen "Lübecker Marzipan" dabei – eine lokale Spezialität, die es in den Gastländern meistens nicht gibt und oft gut ankommt. Neun Bücher hat er über seine Reisen bereits veröffentlicht – Nummer zehn erscheint am 1. September 2022: "Absolutely ausgesperrt - Wie ich 700 Kilometer durch England reiste und immer draußen blieb." Auf seiner Zu-Fuß-Reise von London bis Newcastle hat Stephan Orth wegen der Corona-Pandemie keinen geschlossenen Innenraum betreten. Er ist durch England geradelt, gewandert oder gepaddelt, hat im Zelt geschlafen, in Vorgärten, in Wäldern oder in Parks. Weil ihm die Füße von den langen Märschen irgendwann weh taten, schenkte ihm ein Gastgeber ein Fahrrad. Das Duschen und der Toilettengang blieb die ganze Zeit eine Herausforderung: "Ich habe Freibäder benutzt, um dort duschen zu können, oder in öffentlichen Gewässern gebadet."

Der Opa war 1912 schon Grönland-Reisender

Das Reise-Gen hat Stephan Orth vielleicht von seinem Großvater mütterlicherseits geerbt. 1912 wurde der abenteuerlustige Architekt für eine Grönland-Expedition auf einem Hundeschlitten engagiert und hielt diese Erinnerungen in einem Tagebuch fest. Noch heute ist ein Berg auf Grönland nach Stephan Orths Großvater Roderich Fick benannt. Diesen Berg hat Orth mit seinen Eltern vor einigen Jahren besucht: "Es war eine so fantastische Reise. Wir waren abends in den Orten, die mein Opa teilweise besucht hatte – es war völliger Wahnsinn für alle."

Wir mit unserem Hightech-Zeug kommen da an unsere Grenzen – ausgerechnet, weil dieses Hightech-Zeug kaputtgeht.

Stephan Orth über seine gescheiterte Grönland-Expedition

Kurz danach, 100 Jahre nach seinem Großvater, hat Stephan Orth versucht die Expeditionsroute selbst nachzureisen. Doch nach zehn Tagen ging die Ausrüstung kaputt und er musste umkehren. "Was sehr ärgerlich war, aber irgendwie auch interessant. Weil vor 100 Jahren der Opa es mit viel einfacheren Equipment geschafft hat und wir mit unserem Hightech-Zeug kommen da an unsere Grenzen – ausgerechnet, weil dieses Hightech-Zeug kaputtgeht. Irgendwie hatte es eine gewisse Ironie am Ende."

Saudi-Arabien: eine Männerwelt

Ein Lieblingsland zu benennen fällt dem Vielreisenden schwer. Der Iran liegt bei Stephan Orth weit vorn, obwohl er dort schon einmal in Polizeigewahrsam gekommen ist: "Das war eine ganz unangenehme Situation, weil ich dort auch nicht als Journalist auffallen wollte." Aber genau solche Länder interessieren ihn: In denen sich das Private und das Politische radikal unterscheiden.

Oft habe ich auch die Ehefrauen meiner Gastgeber nicht kennengelernt.

Stephan Orth über seine Zeit in Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien erlebte er kurz vor der Pandemie auf einem der ersten großen Musikfestivals Lebensfreude, konnte aber aufgrund der strengen religiösen Regeln im Land nur bei männlichen Gastgebern übernachten. "Oft habe ich auch die Ehefrauen meiner Gastgeber nicht kennengelernt. Die stellt man nicht vor. Das gehört sich nicht. Die sind wie weggeschlossen."

In Neuseeland fing alles an

Stephan Orth
Zehn Bücher hat Stephan Orth schon über seine Reisegeschichten geschrieben. Bild: Stephan Orth | Rikkart

Während eines Trips mit Anfang 20 in Neuseeland hat Stephan Orth entdeckt, dass er allein mit einem Rucksack und wenigen Sachen sehr gut zurechtkommt. Seither hat er viel erlebt: In China servierte ihm ein Gastgeber ihm zu Ehren seinen Hund, auf der Krim kam er mit vielen Menschen ins Gespräch, die die Nato als ernsthafte Bedrohung für Russland wahrnehmen und im Nahen Osten hat er auf weichen Teppichen geschlafen. Seit vielen Jahren verdient Stephan Orth mit solchen Reisegeschichten sein Geld. Zuerst als Journalist beim Spiegel, seit einigen Jahren als freier Reiseschriftsteller. Gerade jetzt sind seine Erlebnisse wieder besonders gefragt. Nach dem Rückzug ins Private während der ersten zwei Jahre der Corona-Zeit, will Stephan Orth die Herzen der Menschen wieder für das Unbekannte öffnen.

Hier geht es zu unseren Sommergästen:

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 27. August 2022, 18:05 Uhr