Frauengeschichte(n) aus unserer Region Wie diese Bremerin auf hoher See Geschichte schrieb

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Ehepaar Rosenberger
Eugenie Rosenberger begleitete ihren Mann Kapitän Georg Rosenberger auf einer Handelsreise. Bild: Deutsches Schifffahrtsmuseum / Familienarchiv Roland Hoffmann / Collage Radio Bremen

Dass Frauen einmal ganz selbstverständlich zur Besatzung von Schiffen gehören, das war vor 200 Jahren noch undenkbar. Da hatte sich gerade der Aberglaube, Frauen an Bord brächten Unglück, einigermaßen gelockert – trotzdem konnten nur wenige zur See fahren. Einige Bremerinnen haben sich im 19. Jahrhundert auf große Seereise begeben.

Ehepaar Rosenberger

Frauengeschichte(n): Seefahrerin Eugenie Rosenberger

Eugenie Rosenberger erlebte etwas, was viele Frauen im 19. Jahrhundert nicht erleben durften: Sie ist mit ihrem Mann zu See gefahren.

Bild: Deutsches Schifffahrtsmuseum / Familienarchiv Roland Hoffmann / Collage Radio Bremen

"Immer Sonnenschein und harter Wind", schreibt Eugenie Rosenberger in den 1890er-Jahren in ihr Tagebuch und erzählt von ihren Erfahrungen auf einer Schiffsreise. Denn sie erlebt, was vielen Frauen nicht erlaubt ist: Sie darf zusammen mit ihrem Mann, dem Kapitän Georg Rosenberger, auf einer Handelsreise zur See fahren. Und dass, obwohl Frauen nicht gern an Bord von Schiffen gesehen sind, erklärt Marleen von Bargen, wissenschaftliche Kuratorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums: "Man befürchtete, dass Frauen die gewohnten Abläufe an Bord durcheinanderbringen könnten."

Eugenie Rosenberger muss sich ihren Platz an Bord erkämpfen. Sie stammt aus gutbürgerlichem Haus, ihr Vater ist Arzt, ihre Mutter kommt aus einem Politikerhaushalt. Ihr Elternhaus ist liberal, der Großvater veröffentlicht sogar Texte, in denen er für die Gleichstellung von Mann und Frau eintritt. Eugenie Rosenberger ist eigenständig und willensstark. Erst mit 51 Jahren, im Jahr 1889, heiratet sie Kapitän Georg Rosenberger. Als er wieder zur See fahren soll, wendet sich Eugenie an die Reederei ihres Mannes: Sie will mit ihm reisen.

Zur See fahren verstößt gegen Konventionen

Eugenie Rosenbergers Herkunft bremst ihr Vorhaben, sagt Marleen von Bargen: "Ganz wichtig für bürgerliche Frauen – und das waren Kapitänsfrauen in der Regel – war, dass es bestimmte Normvorstellungen und Konventionen gab, wie sie sich verhalten sollten, wie sie zu leben hatten, mit wem sie Umgang pflegen durften. Dazu gehörte auch, dass eine Frau sich nicht alleine in Männergesellschaft aufhielt."

Eugenie Rosenberger lässt sich nicht abwimmeln. Wie viele andere Kapitänsfrauen hat sie nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich an Bord zu bewegen, sagt Expertin Marleen von Bargen: "Es stand für die Frauen nur die Kajüte zur Verfügung. Das war der Lebensraum des Kapitäns und der Steuerleute, die dem Kapitän unterstanden. Und das war der Wirkungsbereich der mitreisenden Ehefrau."

Aberglaube: Frauen auf See sind gefährlich

Kapitän mit Ehefrau
Sehr selten zu sehen: Eine Frau die ihren Mann auf See begleitet. Bild: Wilhelm Hester, Washington Library, Seattle

Die strenge Hierarchie an Bord macht es den Frauen unmöglich, mehr über die Seefahrt zu lernen. "Sie hatten im Bordbetrieb keine Funktion, das war nicht gewünscht. Sie wurden höchstens als mitfahrende Passagiere gelistet. Ihre Aufgabe bestand darin, eine Art Familienleben für den Kapitän und für sich selber aufrecht zu erhalten", erklärt van Bargen. Aber nicht nur gesellschaftliche Konventionen schränken die Frauen ein: Viele Reeder befürchten, es sei zu gefährlich für Frauen an Bord eines Schiffes.

Geburt auf hoher See

Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Geschichte einer Kapitänsfrau im norddeutschen Raum verbreitet: Elisabeth Wendt, 1811 in der Nähe von Hamburg geboren, heiratet mit 21 Jahren den Kapitän Johann Wilhelm Wendt. Nur fünf Wochen später muss er wieder zur See. Er will seine Frau nicht zurücklassen und bittet um eine Sondererlaubnis, sie mitnehmen zu dürfen. Elisabeth startet mit ihrem Mann zu einer Weltumseglung. Wie viele andere Frauen nimmt sie mögliche Gefahren in Kauf, sagt Marleen van Bargen: "Viele Frauen gingen mit ihren Männern auf Reisen, weil sie ein Familienleben haben wollten. Je nachdem, für welche Reederei der Mann zu See fuhr, war es so, dass sie monatelang oder teilweise Jahre nicht zuhause waren. Und um überhaupt ein gemeinschaftliches Leben zu haben, sind die Frauen dann mitgereist." Ein knappes Jahr nach der Hochzeit bringt Elisabeth an Bord des Schiffes einen Sohn zur Welt. Das wird ihr zum Verhängnis: Sie stirbt an den Folgen der schweren Geburt. Ihr Mann fährt danach nicht mehr zur See.

Tagebücher gehen in die Seefahrtsgeschichte ein

Eugenie Rosenberger hat mehr Glück: Sie reist sieben Jahre mit ihrem Mann um die Welt. Ihre Aufzeichnungen veröffentlicht sie viele Jahre später. Bis weit ins 20. Jahrhundert sind ihre Berichte die einzigen Aufzeichnungen über das Leben einer Kapitänsfrau an Bord eines Schiffes. Und was sie auf all ihren Reisen antreibt, das hat sie schon in einem der ersten Kapitel aufgeschrieben: "So umfriedigt pflegt eine Dame aufzuwachsen, daß sie das wirkliche Leben, Handel und Wandel meist nur aus Büchern oder von Hörensagen kennt. Und nun darf ich zum erstenmal mit eigenen Augen etwas von der Poesie des Welthandels erblicken, ein wenig, sozusagen hinter die Kulissen gucken und einiges von dem Räderwerk seiner vielen Zwischenstufen ineinandergreifen sehen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Februar 2023, 13:40 Uhr

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