Sounds in concert: Max Roach & Abbey Lincoln
Mitschnitt 14. Januar 1964, Sendesaal Bremen
Wer sich dranmacht, die größten Schlagzeuger aller Zeiten aufzuzählen, kommt am Namen Max Roach nicht vorbei. Zurecht. Der Komponist und Trommler hat die Geschichte der Jazzmusik maßgeblich mitgeprägt und gilt neben Kenny Clarke als einer der ersten Bebop-Drummer. Hohes Tempo, filigranes Beckenspiel und Verzahnung der Trommeln mit den Melodieinstrumenten sind nur ein paar seiner Qualitäten. Als Maxwell Lemuel Roach kam er am 10. Januar 1924 im Newland Township in North Carolina, USA auf die Welt. Zum 100. Geburtstag von Roach ehren wir ihn mit einer historischen Aufnahme vom 14. Januar 1964 im Bremer Sendesaal – fast auf den Tag vor 60 Jahren.
Max Roach hatte das Glück, in einer musikalischen Familie auf die Welt zu kommen. Seine Mutter war Gospelsängerin und er begann bereits als kleiner Junge, Trompete in einer Marching Band zu spielen. Doch die Trommeln und Becken zogen ihn magisch an. Er begann als Zehnjähriger in Gospelbands Schlagzeug zu spielen. Ein Glücksfall war für den jungen Roach das Jahr 1940: Mit gerade einmal 16 Jahren durfte er für ein Konzert Sonny Greer als Schlagzeuger im Duke Ellington Orchestra ersetzen. Ein früher Ritterschlag für den talentierten Afroamerikaner. Im Verlauf seiner Karriere hat Roach dann mit allen großen Namen gespielt, oder um es anders zu sagen: sie mit ihm, denn sein markantes Spiel machte die Runde. Er teilte sich die Bühne unter anderem mit Charles Mingus, Bud Powell, Dizzy Gillespie, Miles Davis und Charlie Parker.
Roach wurde aber auch neben seinen instrumentalen und kompositorischen Fähigkeiten zu einer wichtigen Figur des Jazz. Gemeinsam mit Kontrabassist Charles Mingus gründete er 1952 das Musiklabel Debut Records, eines der ersten Independent-Label, das von Musikern für Musiker und Musikerinnen geführt wurde. Im Eigenverlag hat er auf Debut Records sein eigenes Debütalbum veröffentlicht. Dass sein Schaffen stets von Innovationsgeist geprägt war, zeigt auch seine spätere stilübergreifende Zusammenarbeit mit Hip Hop- und Breakdancekünstlern. 30 Jahre lang war er zudem Professor an der University of Massachusetts und gab sein Wissen weiter.
Beim Konzert im Sendesaal in Bremen spielte Roach im Quartett. Er wurde von Coleridge-Taylor Perkinson am Klavier, Eddie Kahn am Bass und Clifford Jordan am Tenorsaxophon begleitet. Als besonderer Gast war die Sängerin Abbey Lincoln dabei, mit der Roach in den 60ern verheiratet war. Auch auf ihren Alben ist er als Schlagzeuger zu hören. Die Ehe ging zwar 1970 zu Ende, aber nach Bremen kamen sie als Einheit. Ein forderndes und von politischen Begleitumständen geprägtes Konzert. Roach, der auch als Bürgerrechtler aktiv war spielt hier Songs, die sich für die Rechte der schwarzen Bevölkerung einsetzen: "All Africa", "Freedom Day" oder "Tears for Johannesburg" waren sein musikalischer Protest gegen Unterdrückung und Rassismus.
Mitschnitt 14. Januar 1964, Sendesaal Bremen
Das urprünglich geplante Konzert vom Musikfest Bremen mit Mammal Hands senden wir am 17. Februar 2023.
Playlist
Länge | Interpret | Titel | Album |
---|---|---|---|
8:19 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Driva man | RB-Mitschnitt vom 14.01.1964 |
9:31 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Tears for Johannesburg | |
6:51 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Tryptich: Prayer/ Protest/ Peace | |
14:02 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | All Africa | |
7:23 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Freedom day | |
17:51 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | The highest mountain | |
7:12 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Siciliano | |
5:37 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Drum talk | |
6:52 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Jordu | |
6:12 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Sophisticated lady | |
2:39 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Who will buy | |
4:17 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Love for sale | |
5:35 | Max Roach Quartet & Abbey Lincoln | Lonesome lover |