Im Porträt Dank Känguru auf Erfolgskurs: Dimitrij Schaad

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  • Gerhard Snitjer
Dimitrij Schaad
Dimitrij Schaad zu Gast auf Einladung von Bremen Zwei im Café Noon im Theater Bremen Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Seit den "Känguru-Chroniken" reißen sich Casting-Agenten und Regisseure um Dimitrij Schaad. Im Februar ist der Schauspieler wieder im Kino zu sehen: Für das Drama "Aus meiner Haut" hat er mit seinem Bruder sogar das Drehbuch geschrieben. Aber der 37-Jährige offenbart bereitwillig, dass es in seinem Leben auch Rückschläge und harte Zeiten gab.

Dimitrij Schaad
Dimitrij Schaad zu Gast auf Einladung von Bremen Zwei im Cafè Noon im Theater Bremen

"Es ist furchtbar, sich selbst spielen zu sehen" – Dimitrij Schaad

Seit den "Känguru-Chroniken" reißen sich Casting-Agenten und Regisseure um Dimitrij Schaad. Im Februar ist er wieder im Kino zu sehen: Im Drama "Aus meiner Haut".

Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Momentan läuft es gut für Dimitrij Schaad. Casting-Agenten und Regisseure kennen seinen Namen, sein Gesicht und seine schauspielerische Qualität. Die Branche reißt sich um ihn. Er kann sich aussuchen, was er spielen will. Seit Anfang Februar läuft in den Kinos der Film "Aus meiner Haut", in dem er nicht nur zu sehen ist, sondern für den er auch das Drehbuch mitgeschrieben hat. Gemeinsam mit seinem Bruder Alex, der auch Regie führte. Die Rezensionen klingen begeistert und machen neugierig.

Schauspieler gegen den Willen der Eltern

Dabei waren die Bedingungen für seinen Schauspiel-Einstieg in jungen Jahren nicht rosig. Geboren wurde er in Kasachstan als Kind einer russisch-ukrainischen Mutter und eines russlanddeutschen Vaters. Als die Sowjetunion zusammenbrach, zogen die Eltern mit dem damals achtjährigen Dimitrij und seinem kleinen Bruder Alex nach Deutschland. Dimitrij hatte keinerlei Deutschkenntnisse, lernte aber schnell und brillierte schon als Vierzehnjähriger in einer Schultheater-Aufführung in einer anspruchsvollen Rolle: als Lessings "Nathan der Weise".

Meine Textmenge lag zeitweise bei über zwanzig Stunden, die ich gleichzeitig parat haben musste.

Dimitrij Schaad über seine Arbeitsbelastung vor einigen Jahren

Die Eltern hatten für ihre Söhne vermeintlich "richtige" Berufe im Sinn, aber beide entschieden sich für die Theater- und Filmlaufbahn. Bei Dimitrij sah das zunächst so aus: Schauspielstudium in München und Sankt Petersburg, Stipendium eines Bühnenvereins, ab 2009 Engagements in Essen, Bochum und schließlich in Berlin. Heute beschreibt er diese Jahre als schöne, aber auch anstrengende Zeit. Er sei zuletzt ausgebrannt gewesen: "In meiner Höchstphase habe ich in zwölf unterschiedlichen Produktionen gespielt, meistens Hauptrollen. Ich habe das mal zusammengerechnet: Meine Textmenge lag zeitweise bei über zwanzig Stunden, die ich gleichzeitig parat haben musste. Und währenddessen habe ich immer noch andere große Sachen geprobt."

Ausgezeichnet mit dem Ulrich-Wildgruber-Schauspielpreis

Dimitrij Schaad und Katrin Krä,er auf Sesseln auf einer Bühne
Hatten viel zu lachen: Dimitrij Schaad und Bremen Zwei-Moderatorin Katrin Krämer Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

"Regisseure und Publikum mochten mich", freut er sich noch heute. Kleine Dämpfer gab es aber doch. Amüsiert erzählt er von einer alten Dame, die ihn damals in einem Bochumer Supermarkt erkannte: "Sind Sie nicht Dimitrij Schaad, der gerade für den Hamlet probt?" Und als er dies stolz bestätigte und fragte, ob sie zur Premiere käme, war die Antwort: "Nein, ich habe schon den legendären Ulrich Wildgruber in der Rolle gesehen, und da werden Sie nie herankommen." Anmerkung dazu: Vor wenigen Tagen hat Dimitrij Schaad höchstpersönlich den begehrten Ulrich-Wildgruber-Schauspielpreis erhalten. Im internationalen Ensemble des Berliner Maxim-Gorki-Theaters machte er sich außerdem einen Namen als Autor, der seine eigenen Monologe schrieb.

Ein Beuteltier wird zum animierten Karriere-Helfer

Geradezu einen Känguru-Sprung vollführte seine Popularität, als er die menschliche Hauptrolle in den "Känguru-Chroniken" erhielt – einem skurrilen, anarchischen und teils animierten Kinofilm. Dimitrij Schaad setzte sich in einem monatelangen Casting gegen hunderte Bewerber durch: "Erst war ich einer von sechs, dann einer von zwei, dann war ich alleine, aber dann war nicht klar, ob das ZDF mich dabei haben wollte oder nicht, und so weiter und so fort und jedes Mal dachte ich, gleich kommt die Absage.

Ich hab' kein Wort rausbekommen.

Dimitrij Schaad über die Zusage für die "Känguru-Chroniken"

Aber irgendwann kam der entscheidende Anruf. Die Zusage von Autor Marc-Uwe Kling erreichte ihn schließlich auf einer Bahnfahrt: "Ich hab' kein Wort rausbekommen, ich bin einfach ins Bord-Bistro und hab' mich volllaufen lassen." Seit dem "Känguru"-Erfolg kann er sich vor Angeboten kaum retten. Was er aber partout nicht spielen will: Fernsehkrimis. Er findet sie langweilig, phantasielos, viel zu realistisch, und unterfordernd. "Wer so etwas zu oft spielt, verliert auf die Dauer seine schauspielerischen Muskeln", sagt er.

Körpertausch in "Aus meiner Haut"

Deswegen tauchen in seinem aktuellen Film "Aus meiner Haut" fast nur Bühnenschauspieler auf. In der psychologisch und philosophisch höchst komplexen Geschichte geht es darum, dass Menschen ihre Körper tauschen. "Eine große Herausforderung für Schauspieler", sagt Schaad, und nennt als Beispiel den weit über 70-jährigen Edgar Selge. "Der spielt dann eine junge Frau, Anfang zwanzig, die in seinem Körper lebt. Dafür braucht man einen Schauspieler wie Edgar Selge." Fünf Jahre hat die unablässige und teils frustrierende Arbeit an dem Film gedauert. Mehrere Dutzend Drehbuch-Versionen wurden geschrieben und wieder verworfen, bevor alle Beteiligten zufrieden waren und endlich gedreht werden konnte. Nun ist das Produkt in den Kinos.

Es wird immer äußerst unangenehme Phasen geben.

Dimitrij Schaad über seine Phasen des Scheiterns
Dimitrij Schaad und Katrin Krä,er auf Sesseln auf einer Bühne
Volles Haus: Dimitrij Schaad begeisterte das Bremen Zwei-Publikum im Cafè Noon im Theater Bremen Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Nach dem Wintergäste-Gespräch im Café Noon fragt ein junger Besucher, welchen allgemeinen Rat der Schauspieler für Menschen am Beginn ihrer Laufbahn hat. "Scheitern!" sagt Dimitrij Schaad wie aus der Pistole geschossen. "Es wird immer äußerst unangenehme Phasen geben." Er spricht von eigenen Erfahrungen, von Depression, Selbstzweifeln, Selbsthass und sogar Selbstmordgedanken. Dann gelte es durchzuhalten, "sich durch den Dreck zu kämpfen" und dabei zu wachsen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 4. Februar 2023, 11:05 Uhr

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