Auf der Bühne Premiere: "Emilia Galotti" – radikal und eindrücklich

Premiere im kleinen Haus

Autorin

Szene aus "Emilia Goletti" am Theater Bremen
Die Handlung spielt sich teilweise hinter und unter einem transparenten Schleier ab. Bild: Jörg Landsberg

Das Theater Bremen ist mit dem Bühnenklassiker "Emilia Galotti" von Gotthold Ephraim Lessing in die neue Spielzeit gestartet. Das bürgerliche Trauerspiel aus dem 18. Jahrhundert gehört seit Generationen zur Schul-Pflicht-Lektüre. In Bremen steht es jetzt sogar als Abiturstoff auf dem Lehrplan.

Worum geht es?

Emilia Galotti ist eine bürgerliche junge Frau, begabt und attraktiv, glücklich verlobt mit dem Grafen Appiani. Der bekommt allerdings Konkurrenz vom Prinzen von Guastalla. Und um den Weg für den Prinzen freizumachen, wird Appiani ermordet. Allerdings kommt auch der Prinz am Ende nicht zum Zuge. Um das zu verhindern, wird Emilia Galotti von ihrem eigenen Vater erstochen. Sie selbst bittet ihn darum – der Tod als ehrenhafter Fluchtweg vor der absolutistischen Willkür des Adels.

Der alte Stoff wurde ziemlich radikal von der jungen Regisseurin Rahel Hofbauer, Jahrgang 1999, inszeniert. Die Rolle der Emilia Galotti ist komplett gestrichen. Die Titelfigur kommt nur noch mittelbar vor, wenn andere über sie reden. Bei Dialogen wird ihr Text weggelassen. So entstehen Monologe mit Pausen. Dadurch soll deutlich werden, wie wenig Emilia Galotti in dem Stück zu sagen hat, das nach ihr benannt wurde. Es ist gewissermaßen ein Lehrstück über eine Leerstelle.

Was gab es zu sehen und zu hören?

Szenenbild aus "Emilia Galotti" am Theater Bremen
Ein großer Schleier dominiert die Bühne und sorgt für eine besondere Ästhetik. Bild: Jörg Landsberg

In der Mitte der Bühne hängt ein gewaltiger weißer Vorhang wie ein Brautschleier von oben herab und bedeckt fast den gesamten Bühnenboden. Schließlich spielt die Handlung am Tag von Emilias geplanter Hochzeit. Gespielt wird teilweise hinter dem transparenten Schleier, vor allem aber unter ihm. Die Schauspieler und Schauspielerinnen wühlen sich gewissermaßen durch den alten Theaterstoff. Dabei entstehen hochästhetische Bilder und Faltenwürfe, vor allem wenn sich die eingehüllten Figuren bewegen und der Stoff sich zwischen ihnen aufspannt und sie wie ein riesiges Spinnennetz umgibt.

Was sagt unsere Kritikerin?

Einerseits wird Lessings bürgerliches Trauerspiel originell erzählt mit seinen Leerstellen und auch sinnvoll ergänzt durch die antiken Vorbilder des Stücks. Gewalt gegen Frauen ist eben leider ein zeitloses Thema. Auch die ästhetischen Effekte konnten überzeugen. Ebenso die schauspielerischen Leistungen. Andererseits gab es trotz der Kürze der Inszenierung Längen. Und vor allem hätte ich den den überambitionierten zeitgenössischen Text am Schluss nicht gebraucht.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 15. September 2023, 10:10 Uhr

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