Auf der Bühne Ein Tanzfestival in 100 Minuten: "From the Night to the Light"

große tänzerische Vielfalt auf der Bühne in Oldenburg

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Samory Flury, Diego Urdangarin, hinten: Garance Vignes
Szene aus "Source" mit Samory Flury, Diego Urdangarin, hinten: Garance Vignes. Bild: Oldenburgische Staatstheater | Stephan Walzl

Die Ballettcompagnie Oldenburg ist für ihr hohes Niveau bekannt. Chefchoreograph und Ballettdirektor Antoine Jully versteht es immer wieder aufs Neue, Programme zusammenzustellen, die ebenso vielfältig wie überraschend sind. Jetzt hatte ein neuer Abend unter dem Titel "From the Night to the light" am Oldenburgischen Staatstheater Premiere.

Was gab es Neues zu sehen?

Vier Choreographien, zwei davon Uraufführungen, vier völlig unterschiedliche Ansätze – vier Tanzwelten, durch die das Publikum förmlich getrieben wurde und die kaum hätten unterschiedlicher und vielfältiger sein können. Antoine Jully eröffnete den Abend selbst mit der Choreographie "Weight", in der acht seiner Tänzerinnen und Tänzer in einem unglaublich schnellen und akrobatischem Miteinander zu sehen waren. Mal von den tanzenden Paaren selbst, dann von der Musik gebrochen, die sehr gegensätzlich war: Hier trafen Noten des Franzosen Guillaume Connesson auf die des Finnen Einojuhani Rautavaara. Eine tolle Idee. Es folgte ein kurzes Stück mit dem Titel "They, Them" – pures Tanztheater von Regina van Berkel, die nicht zum ersten Mal als Gast in Oldenburg war und wieder ihren Bühnenbildner und ehemaligen Tänzer Dietmar Janek mitgebracht hat, dessen Lichtinstallation den Blick auf sich zog.

Was gab es noch zu sehen?

Teele Ude und Ryan Drobner
Szene aus "They, Them" mit Teele Ude und Ryan Drobner. Bild: Oldenburgische Staatstheater | Stephan Walzl

Die Choreographie "Source of Inspiration" von Sol Leòn und Paul Lightfoot war Hans van Manen gewidmet, dem niederländischen Choreographen und Mitbegründer des Nederlands Dans Theater. Eine Tänzerin eingerahmt von zwei Tänzern begeisterte das Publikum. Es war das gefälligste Stück an diesem Abend.

Zum Abschluss dann ein krasser Stilbruch, in "Monger" trafen Musik aus den 1930er Jahren der USA auf arabische und orientalische Klänge und auf Rap vom Balkan. Der in Los Angeles geborene und dort und in Tel Aviv aufgewachsene Barak Marshall hatte diese Choreographie bereits 2008 geschaffen, war aber selbst in Oldenburg für die Neueinstudierung dabei. Hier wurde plötzlich eine greifbare Geschichte erzählt, was aber nicht bedeutet, dass es ein Handlungsballett war.

Elizabeth Cohen, Amaya Simon, Nicol Omezzolli, Garance Vignes, Martina Di Giulio
Szene aus "Monger", von links: Elizabeth Cohen, Amaya Simon, Nicol Omezzolli, Garance Vignes, Martina Di Giulio. Bild: Oldenburgische Staatstheater | Stephan Walzl

Was sagt unser Kritiker?

Es war ein sehr unterhaltender und absolut kurzweiliger – aber auch ein vergleichsweise kurzer – Abend, denn zwei Pausen inbegriffen dauerte das Programm gerade mal zwei Stunden und fünfzehn Minuten. Mit jeder Choreographie wurde die Begeisterung im Publikum größer und der Beifall lauter, eine sehr kluge Dramaturgie. Ich hätte allerdings das kurze Duett an den Anfang gestellt und damit auch dem Werk von Antoine Jully noch mehr Bedeutung zugemessen, denn es war aus meiner Sicht die vielfältigste Choreographie des Abends. Es lohnt sich immer, im Oldenburgischen Staatstheater Ballett anzuschauen und das Publikum war sichtlich begeistert von der Vielfalt des Programms und vom Können der Tänzerinnen und Tänzer.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 21. Oktober 2023, 10:10 Uhr

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Sounds mit Christine Heuck

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