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Die Nacht

Im Porträt Todesmutig – Klaus von Dohnanyis Vater starb im Widerstand

Autorin

Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi im Jahr 2018 (Archivbild)
Klaus von Dohnanyi fürchtet, dass die Welt derzeit dieselbe Entwicklung nimmt wie vor 1933. Bild: Imago | Chris Emil Janßen

Klaus von Dohnanyi war 15 Jahre alt, als sein Vater Hans 1943 von der Gestapo verhaftet wurde. Der frühere Bildungsminister und Bürgermeister von Hamburg ist geprägt vom Schicksal seines Vaters. Hans von Dohnanyi hatte unter Lebensgefahr Juden zur Flucht verholfen, und sogar Sprengstoff für ein Attentat auf Adolf Hitler besorgt. Als Widerstandskämpfer wurde er im April 1945 im KZ Sachsenhausen gehängt.

Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi im Jahr 2018 (Archivbild)

Gesprächszeit Todesmutig – Klaus von Dohnanyis Vater kämpfte gegen die Nazis

Klaus von Dohnanyi war 15, als sein Vater 1943 von der Gestapo verhaftet wurde. Hans von Dohnanyi war Widerstandskämpfer und hatte Juden zur Flucht verholfen.

Bild: Imago | Chris Emil Janßen

Man könnte lange und viel mit Klaus von Dohnayi über seine Karriere sprechen: Er war Bundesbildungsminister, Bundestagsabgeordneter, Hamburgs Erster Bürgermeister, danach immer wieder im politischen Rampenlicht und Buchautor. Doch heute sitzt bei diesem Interview Klaus, der Sohn, in seinem Büro mit den vielen Bücherstapeln. Der Junge, für den sich erst im Teenager-Alter offenbart, welche große Rolle sein Vater Hans von Dohnanyi im Widerstand gegen Hitler gespielt hat.

 

Da sah ich, wie meine Mutter in den großen schwarzen Mercedes der Gestapo geschoben wurde.

Klaus von Dohnanyi über die Verhaftung seiner Eltern

Es ist der 5. April 1943, als Klaus von Dohnanyi gerade nach Hause kommt. Er arbeitet in einer Gärtnerei und bog mit dem Fahrrad in seine Straße ab: "Da sah ich, wie meine Mutter in den großen schwarzen Mercedes der Gestapo geschoben wurde". Zeitgleich wird sein Vater in der Abwehrzentrale im Oberkommando der Wehrmacht in Berlin verhaftet. Dort hat Hans von Dohnanyi seit 1940 in einer ausgeklügelten Rettungsaktion Juden die Ausreise ermöglicht und und einen Staatsstreich gegen Hitler vorbereitet. "Er war kein Revolutionär. Mein Vater wollte die Dinge verhindern und abwenden", so sein Sohn Klaus.

Meine Mutter wusste alles, aber wir Kinder wurden da rausgehalten.

Klaus von Dohnanyi über die Widerstandsaktivitäten seiner Eltern

Für den damals knapp 15-jährigen Klaus von Dohnanyi beginnt mit der Verhaftung eine schwere Zeit: Die Eltern sind zunächst beide in Haft, seine Mutter kommt knapp einen Monat später wieder frei, ist aber zunächst sehr krank. Der Vater bleibt zwei Jahre im Gefängnis. Es entsteht – im Rahmen der streng kontrollierten Möglichkeiten – ein liebevoller Briefkontakt zwischen der Familie zuhause und dem Vater in der sieben Quadratmeter großen Zelle des Untersuchungsgefängnisses der Wehrmacht in Berlin-Moabit. Klaus backt seinem Vater Plätzchen, leiht ihm seinen Tuschkasten und versucht, durch Beschreibung seines Alltages den Vater teilhaben zu lassen. Zwischen dem Eltern entsteht neben dem offiziellen und zensierten Briefkontakt noch ein geheimer Austausch von Nachrichten – versteckt in Büchern, Deckeln von Marmeladen-Gläsern und in Nussschalen. Diese Kassiber sind hochriskant, werden aber nicht entdeckt. "Meine Mutter wusste alles, aber wir Kinder wurden da rausgehalten", erinnert sich Klaus von Dohnanyi.

Die Umsturzpläne werden zum Verhängnis

Als gelernter Jurist verteidigt sich Hans von Dohnanyi  weitgehend selbst gegen die Anklage der Untersuchungsrichters Manfred Roeder. Zunächst sind die Anschuldigungen ungenau und es gibt wenige Beweise, denn die ganzen geheimen Unterlagen zu dem geplanten Umsturz sind bei den Durchsuchungen in von Dohnanyis Büro nicht gefunden worden. Es sieht gut aus für den Juristen und er hofft, bald wieder frei zu kommen.

Er hätte wahrscheinlich überlebt, wenn man die Akten nicht gefunden hätte.

Klaus von Dohnanyi über Akten, die das Todesurteil über seinen Vater fällten

Doch das ändert sich schlagartig nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944: Der Führer will Rache und die Gestapo intensiviert ihre Suche nach Schuldigen und bekommt einen Tipp in der Wehrmachtszentrale. "Irgend so ein blöder Lkw-Fahrer hat dann gesagt, dass sie auch Unterlagen nach Zossen gebracht haben." Die Gestapo untersucht daraufhin das ehemalige Ausweichquartier des Amtes "Ausland/Abwehr". "Das ist das Ende, hat mein Vater geschrieben", erinnert sich der heute 94-jährige Klaus von Dohnanyi. Er habe damals verstanden, dass dieser Fund seinen Tod bedeute. Tatsächlich wird er am 9. April nach einem SS-Standgericht im KZ Sachsenhausen gehängt. "Er hätte wahrscheinlich überlebt, wenn man die Akten nicht gefunden hätte", glaubt sein Sohn Klaus von Dohnanyi.

Ich bedaure oft, dass ich nicht in Ruhe mit ihm reden konnte.

Klaus von Dohnanyi über seinen Vater, der gegen die Nazis gekämpft hat.

Die Familie Dohnanyi erfährt zunächst nichts vom dem Tod. So sucht Christine von Dohnanyi noch über Monate vergeblich ihren Ehemann unter den Überlebenden des KZ Sachsenhausen. Im Gespräch erzählt Klaus von Dohnanyi, dass seine Mutter den Verlust nie verwinden konnte. Und auch er vermisst seinen Vater, der bei allem Mut immer auch ein großes empfindsames Herz gehabt habe. Klaus von Dohnanyi beschreibt seinen Vater Hans als unfassbar mutig: "Ich bedaure oft, dass ich nicht in meinem erwachsenen Alter in Ruhe mit ihm reden konnte."

 

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 2. Dezember 2022, 18:05 Uhr