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Sounds mit Christine Heuck

Frauengeschichte(n) aus unserer Region Pionierin des Frauenwahlrechts: Juristin Anita Augspurg aus Verden

Autorin

Historisches Porträt der Frauenrechtlerin Anita Augspurg
Anita Augspurg war eine kämpferische Frau. Sie setzte sich zeitlebens für Frauenrechte ein. Bild: DPA | akg-images

Gerade einmal seit 103 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen und gewählt werden. 1918 war das Frauenwahlrecht eine zentrale Errungenschaft der neuen Republik. 1919 fand die erste Wahl statt, an der Frauen teilnehmen durften. Bis dahin war es ein langer Weg – viele Aktivistinnen kämpften jahrelang für dieses Recht. Eine der bekanntesten Figuren der deutschen Frauen-Stimmrechtsbewegung war Anita Augspurg. Bremen-Zwei-Reporterin Lisa-Maria Röhling erzählt ihre Geschichte.

Porträt von Anita Augspurg

Anita Augspurg: eine Aktivistin und Kämpferin für das Frauenwahlrecht

Anita Augspurg kämpfte für die Rechte der Frauen. Sie war eine der bekanntesten Figuren der deutschen Frauen-Stimmrechtsbewegung.

Bild: gemeinfrei

Als Anita Augspurg 1857 im niedersächsischen Verden geboren wird, sieht ihr vorbestimmter Weg so aus: heiraten, eine Familie gründen, als Ehefrau ihren Mann unterstützen. Doch es kommt anders: Anita Augspurg wird die erste deutsche Juristin, Frauenrechtlerin, Autorin, Pazifistin – und schafft es damit in die Geschichtsbücher.

Anita Augspurg wächst behütet auf, ihr Vater ist Anwalt. Schon früh interessiert sie sich für Recht und Unrecht, sagt Jasmin Lörchner. Zusammen mit der Historikerin Bianca Walther hat sie Anita Augspurg in ihren Podcast "HerStory" porträtiert. Sie bekommt eine gute Ausbildung und arbeitet zunächst als Assistentin in der Kanzlei ihres Vaters.

Die reiten im Herrensattel durch den Englischen Garten und pfeifen wirklich darauf, was andere von ihnen denken.

Jasmin Lörchner über Anita Augspurg und Sophia Goudstikker

Anita will sich selbst versorgen. Sie zieht nach Berlin und besucht das Lehrerinnenseminar. Aber eigentlich will sie Schauspielerin werden und nimmt sogar Unterricht. Aber dann trifft sie die niederländische Fotografin und Frauenrechtlerin Sophia Goudstikker. Die beiden verlieben sich, ziehen gemeinsam nach München und eröffnen ein Fotoatelier.

Im Atelier der beiden Frauen lassen sich Adel und Elite fotografieren – und Anita und Sophia werden zum Stadtgespräch, erzählt Jasmin Lörchner. "Sie haben kurze Haare, Anita Augspurg trägt Reformkleidung. Die beiden werden wirklich zum Stadtgespräch, man dreht sich zu ihnen um. Die reiten im Herrensattel durch den Englischen Garten und pfeifen wirklich darauf, was andere von ihnen denken."

Die erste promovierte Juristin Deutschlands

Anita Augspurg fängt an, sich mehr und mehr für Politik zu interessieren. Sie tritt mehreren Frauenvereinen bei und hält ihre ersten Reden. Sie kritisiert die Ehe, fordert ein Wahlrecht für Frauen. Später schreibt sie: "Was verstehen wir unter dem Rechte der Frau? Nichts anderes als das Recht des Menschen überhaupt?"

historisches Gruppenbild mit  Anita Augspurg
Anita Augspurg (ganz links) und einige ihrer Mitkämpferinnen. Bild: gemeinfrei

Sie ist eine leidenschaftliche Rednerin und Schreiberin und nimmt kein Blatt vor den Mund, erzählt die Journalistin Jasmin Lörchner. "Wenn sie eine Überzeugung hatte, dann hat sie dazu gestanden. Sie hat es dann auch ausgehalten, dass sie dafür Widerworte und Anfeindungen bekommen hat. Sie war eine sehr gute Rednerin, rhetorisch sehr begabt."

Anita Augspurgs ist überzeugt, dass die Frauenbewegung eine rechtliche Grundlage braucht, um ihre Forderungen durchzusetzen. Mit Mitte 30 studiert sie Rechtswissenschaften in der Schweiz, denn in Deutschland dürfen Frauen noch keine Universitäten besuchen. Sie wird die erste promovierte deutsche Juristin.

Gleiches Recht für alle Frauen

Zurück in Deutschland, gehört Anita zum radikalen Flügel der Frauenbewegung. Jasmin Lörchner: "Anita Augspurg war eine derjenigen, die der Meinung waren, das Frauenstimmrecht sollte für alle gelten. Also auch für Arbeiterinnen, die nicht die gleiche Lobby und die gleichen Möglichkeiten hatten wie bürgerliche Frauen. Arbeiterinnen waren zu dieser Zeit damit beschäftigt, ihren Lebensunterhalt zu sichern, die hatten kaum Zeit, sich politisch zu engagieren. Deswegen war diese Frauenbewegung sehr von den bürgerlichen Frauen dominiert."

Friedenskongress in Den Haag

Inzwischen hat sich Anita Augspurg von Sophia Goudstikker getrennt und lebt mit ihrer zweiten Partnerin Lida Gustava Heymann zusammen. Beide besuchen auch internationale Versammlungen der Frauenbewegung, werden Vereinsvorsitzende, geben Zeitschriften heraus.

Porträt von Anita Augspurg
Erfolgreich im Kampf um das Frauenwahlrecht: Anita Augspurg. Bild: gemeinfrei

Dann kommt das Jahr 1914. Der Erste Weltkrieg bremst die Frauenbewegung weltweit aus. Viele Aktivistinnen wollen die Soldaten unterstützen, statt für ihre eigenen Rechte zu kämpfen. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann sprechen sich gegen den Krieg aus, organisieren einen Friedenskongress in Den Haag mit. Dort werden Forderungen gestellt, die auch heute noch große Gültigkeit haben, sagt Lörchner: Zum Beispiel, dass Vergewaltigungen im Krieg abgelehnt werden. Es sind Forderungen, die damals komplett ignoriert werden und erst in späteren Vertragswerken auftauchen.

Geprägt vom Krieg

Als der Krieg endet, hat Anita Augspurg gleich zwei Ziele erreicht: Frieden und das Frauenwahlrecht. Danach zieht sie sich mit Heymann auf einen Bauernhof zurück. Der Krieg hat sie geprägt, sie schreibt: "Frauen und Mütter Deutschlands, die ihr diesen Weltkrieg miterlebt habt – müsst ihr nicht alle bereit sein, zu tun, was in euren Kräften steht, die kommenden Geschlechter vor gleichen Katastrophen zu bewahren?"

Ohne Figuren wie Anita Augspurg hätte die Frauenbewegung ihre Ziele nicht so erreichen und durchsetzen können, wie sie es geschafft hat.

Jasmin Lörchner über Anita Augspurg

Sie und Heymann warnen schon in den 1920er-Jahren öffentlich davor, Adolf Hitler zu unterstützen. Das wird ihnen 1933 zum Verhängnis, erzählt Jasmin Lörchner. "Das ist wirklich eine Zäsur für die beiden Frauen. Die beiden werden davon im Urlaub überrascht. Und für sie ist klar, dass sie nicht nach Deutschland zurück können." Sie bleiben in Zürich im Exil.

Das Ende der Naziherrschaft erlebt Anita Augspurg nicht mehr: Sie stirbt 1943 in Zürich. Ihr Einsatz, ihre Gedanken wirken bis heute, sagt Podcasterin Jasmin Lörchner: "Ohne Figuren wie Anita Augspurg hätte die Frauenbewegung ihre Ziele nicht so erreichen und durchsetzen können, wie sie es geschafft hat. Dass das Frauenstimmrecht 1919 kam, das haben wir Frauen wie Anita Augspurg zu verdanken."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. April 2022, 13:40 Uhr