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Die Nacht

Im Porträt Mehr als nur ein fahrender Supermarkt – Albert Wiese liefert Freude

Autoren

  • Lieselotte Scheewe
Ein Mann mit brille steht vor grünen Büschen
"Lieblingsmenschen" – das sind für uns Alltagshelden, die Besonderes leisten oder einfach ihr Umfeld verzaubern – wie Albert Wiese. Bild: Radio Bremen | Lieselotte Scheewe

"Lieblingsmenschen" – das sind für uns Alltagshelden, die Besonderes leisten oder einfach ihr Umfeld verzaubern – wie Albert Wiese. Der Twistringer Landwirt fährt seit 40 Jahren über die Dörfer und bringt den Menschen auf dem Land seine frischen Lebensmittel. Aber er ist noch mehr, als nur ein fahrender Supermarkt.

Mehr als nur ein fahrender Supermarkt – Albert Wiese liefert Freude

Albert Wiese fährt seit 40 Jahren über die Dörfer südlich von Bremen und bringt den Menschen auf dem Land Lebensmittel. Aber er ist noch mehr, als nur ein fahrender Supermarkt.

Ein Mann mit brille steht vor grünen Büschen
Bild: Radio Bremen | Lieselotte Scheewe
Bild: Radio Bremen | Lieselotte Scheewe

Ein silberner Lieferwagen biegt in eine kleine Wohnstraße in Bassum ein. Landwirt Albert Wiese steigt aus dem Auto und nimmt einen Karton Eier aus der Seitentür. Vor einem Einfamilienhaus steht eine ältere Dame und rupft Unkraut. Jeden zweiten Mittwoch im Monat kommt Albert Wiese hier vorbei und bringt Eier, manchmal auch Kartoffeln, vor allem aber immer ein paar nette Worte mit. Irma lebt allein und freut sich über Albert Wieses Besuch und den kurzen Schnack am Gartenzaun: "Früher, wie mein Mann noch war, haben wir mehr gekauft. Jetzt wo ich allein bin, brauch ich nicht so viel", erzählt sie und auch, wie das Unkraut so sehr wächst und was die Enkelin macht. Albert Wiese hört geduldig zu, hat ein paar Tipps für das Unkraut und verabschiedet sich mit: "Kriegen wir hin, Irma, wir haben's ja immer hingekriegt."

Supermarkt und Seelsorger

Ein paar Meter weiter parkt Albert Wiese den Wagen in einer Einfahrt. Der 62-Jährige schnappt sich eine Eierpappe, springt aus dem Auto und läuft zum Haus. Ein paar Eier gegen abgezähltes Geld, ein kurzer Schnack – so sieht sein Mittwochvormittag aus. Schon seit 40 Jahren fährt Wiese immer mittwochs auf "Eiertour", wie er sagt. An den anderen Tagen steht der Landwirt im Stall oder auf dem Feld und bewirtschaftet seinen Hof. Als er anfing, lud er Eierpaletten und Kartoffelsäcke ins Auto. Heute fährt er immer noch Eier und Kartoffeln, aber auch Obst, Gemüse, selbstgemachte Marmelade, Wurst, Honig und vieles mehr über die Dörfer südlich von Bremen. Dabei liefert er nicht nur Lebensmittel, sondern auch schon einmal einen Geburtstagsgruß oder ein bisschen Trost. "Man kommt da jede Woche um die gleiche Zeit und man erlebt: Ja, an dem einem Tag haben die Geburtstag oder an einem anderen Tag sind die vielleicht am Weinen, weil irgendetwas passiert ist. Oma ist gestorben, irgendwas", erzählt der 62-Jährige.

Albert Wiese kennt seine Kunden. Wenn es nötig ist, nimmt er sich ein bisschen mehr Zeit. "Es gibt die dollsten Sachen, wo man irgendwo reingeplatzt ist. Nachher hast du auch ein bisschen Gespür dafür, ob man gleich geht, oder sonst nimmt man auch mal jemanden in den Arm, wenn Oma gestorben ist", sagt der Twistringer.

Du bist ja unheimlich nah dran an den Menschen. Das ist ganz schön ist das. Vielleicht ist das viel näher dran als manch anderer.

Albert Wiese über seine Erfahrungen auf der "Eiertour"

Ein wichtiger Kontakt

Der Lieferwagen rollt weiter durch die Straßen zu einer Seniorenwohnanlage. Auf dem Parkplatz stehen eine Reihe älterer Damen mit Rollatoren und Einkaufskörben. Sie warten auf Albert Wiese, immer mittwochs um die gleiche Zeit. Wieses Kundinnen packen ihre Lebensmittel in die Körbe. Sie sehen zufrieden aus, als sie wieder zurück in ihre Wohnungen gehen.

Nicht alle, die bei Albert Wiese einkaufen, leben allein. Er beliefert auch jüngere Kunden und Familien. Auch in der Corona-Pandemie war er Woche für Woche unterwegs. Für einige ist er ein wichtiger Kontakt, manchmal sogar Wochen lang der einzige. "Die sagen: 'Wenn Sie nicht kommen würden, wüssten wir gar nicht. Dann käme gar keiner mehr.' Das tut auch gut, dass die Leute sich freuen, dass man kommt. Motiviert auch", erzählt der Landwirt.

Albert Wiese ist ein Anpacker. Wenn er erzählt, lacht er herzlich und rollt das "R" in norddeutscher Manier. Er fährt seine Tour, egal ob die Sonne scheint, ob es regnet oder stürmt. "Ziehste eben Gummizeugs an", sagt er. Der Landwirt bringt seine frischen Lebensmittel auch zu den Leuten auf dem Land, die nicht mehr gut zu Fuß sind und nicht allein einkaufen können.

Weniger Lebensmittelgeschäfte auf dem Land

Laut deutschem Einzelhandelsverband nimmt die Nahversorgung auf dem Land immer weiter ab. Bundesweit hat sich die Zahl der Lebensmittelgeschäfte von 1990 bis 2010 mehr als halbiert. Der kleine Tante-Emma-Laden auf dem Dorf wird seltener. Gegen diesen Trend steuert Albert Wiese seinen silbernen Lieferwagen über die Dörfer und nimmt auch mal einen extra Weg mehr in Kauf.

Und wenn's dann abends 'ne halbe Stunde länger dauert, dann dauert's 'ne halbe Stunde länger. Dat macht nix. Dann ist das so. Dat kriegste hin.

Albert Wiese über seine "freiwilligen Überstunden"

Der Landwirt hat vier Kinder und vier Enkelkinder, einige wohnen bei ihm auf dem Hof. Alle packen mit an, seine Frau, seine Kinder und Enkel und auch Wieses 90er-jähriger Vater schaut ab und zu noch auf dem Feld oder im Stall vorbei. Die Natur und die Familie, das ist es, woraus Albert Wiese seine Kraft schöpft, um für jeden Kunden ein nettes Wort zu haben und ein wenig von seiner Lebensfreude weiterzugeben.

Wie das so im Leben ist. Wenn alle an einem Strang ziehen, ist das verhältnismäßig einfach, auch wenn man ein großes Rad dreht, das ist egal. Aber wenn man das große Rad alleine drehen muss, dann erschlägt es einen schnell.

Albert Wiese über Zusammenhalt

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. Juni 2021, 15:20 Uhr