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Die Nacht

Die regionale Reportage Die Zwerge von Hoya

Autoren

  • Stephanie Alvarez
Statuen als Brunnen in Hoya.
Ein Brunnen mit Metallzwergen vor der Grundschule in Hoya erinnert an die Zwergensage. Bild: Radio Bremen | Stephanie Alvarez

Die Grafschaft Hoya ist die Heimat einer untergegangenen Dynastie. Fast 400 Jahre regierten die Grafen von Hoya im Herzen Niedersachsens. Aufstieg und Fall der Herrscherfamilie sind eng verknüpft mit einer zauberhaften Sage.

Zwergensage von Hoya

Beinahe wäre sie in Vergessenheit geraten: Die Zwergensage von Hoya. An sie erinnert seit mittlerweile 30 Jahren ein Zwergenbrunnen vor der Grundschule.

Audio vom 30. November 2020
Statuen als Brunnen in Hoya.
Bild: Radio Bremen | Stephanie Alvarez

Beinahe wäre sie in Vergessenheit geraten: die Zwergensage von Hoya. An sie erinnert seit mittlerweile 30 Jahren ein Zwergenbrunnen vor der Grundschule. Drei kleine Figuren, kaum größer als Grundschulkinder, halten drei Geschenke in ihren Händen. Die Geschenke sind für die Grafen von Hoya.

Wir möchten so gerne in deinem Schlosse ein Fest feiern, aber niemand soll davon wissen, nur du allein.

Anne Sophie Wasner, ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt Hoya, über die Zwergensage.

Ein Zwerg sei zum Grafen gekommen. Der Graf habe sich sehr erschrocken, obwohl er um die Existenz solcher Hausgeister in seinem Hause wusste. "Und dieser Zwerg sagte: Wir möchten so gerne in deinem Schlosse ein Fest feiern, aber niemand soll davon wissen, nur du allein ... Wir wollen in Ruhe essen, feiern, tanzen", fasst Anne Sophie Wasner, ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt Hoya, die Sage zusammen.

Gelage im Hoyaer Grafenschloss

Der Graf wollte es sich mit den Zwergen nicht verscherzen und ließ sie gewähren. In der nächsten Nacht kamen sie ins Schloss, brieten und backten in der Küche, feierten und tanzten im Saal. Am Morgen darauf suchte der Zwerg den Grafen wieder auf und bedankte sich mit drei Geschenken.

Ein Schwert, ein Salamanderlaken und ein goldener Ring mit einem roten Stein: Diese Glück bringenden Stücke sollte der Graf gut aufbewahren, sagte der Zwerg. Aber wenn eines dieser drei Geschenke verloren geht, sollte es um die Grafschaft schlecht bestellt sein. Der Stein, in den ein Löwe geschnitzt war, wurde blass, sobald ein Graf im Sterben lag. Auch das Salamanderlaken hatte vermutlich Zauberkräfte. Vielleicht war es sogar ein Tarnumhang.

Die Grafschaft

Das ehemalige Grafenschloss und die Weserbrücke spiegeln sich in der Weser
Das ehemalige Grafenschloss. Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Wann genau die Zwergenparty stattfand und welcher Graf die Zwerge im Schloss feiern ließ, ist unbekannt. "Im Zweifel hat er Heinrich oder Otto oder Gerhard geheißen", das waren die Hauptnamen der Grafen, erklärt Gästeführerin Kerstin Bolte-Mahlstedt.

Der erste urkundlich erwähnte Graf war Heinrich I., im Jahre 1202. Sein Nachfolger Heinrich II., genannt "das Beil", hatte 25 legitime Kinder. "Es wurde auch geschickt verheiratet, von Land zu Land, so dass die Hoyaer Grafschaft 1345 so groß war wie das heutige Saarland.... Die letzten Hoyaer Grafen sind im Mannesstamm 1582 ausgestorben", weiß Kerstin Bolte-Mahlstedt.

Was hat es mit der Zwergensage auf sich?

Der historische Hintergrund der Sage wird in der Bronzezeit vermutet. "Während dieser Epoche wanderten vor allem Menschen aus dem Mittelmeerraum in den unterentwickelten Norden Europas um Zinn abzubauen. Diese Bergleute waren etwas kleiner gebaut als die Nordeuropäer, waren vergleichsweise … Zwerge", erklärt Anne Sophie Wasner.

Das Zwergenmotiv könnte aber auch ein Überbleibsel aus vorchristlichen Zeiten sein, in denen noch an Hausgeister geglaubt wurde. Auch Kinder könnten Vorbild für die Zwergendarstellung gewesen sein. Kinderarbeit war und ist vor allem im Bergbau üblich. Durch die Arbeit unter Tage blieben die Kinder klein und wurden buckelig – wie Zwerge.

Sage als Gesellschaftskritik

"Viele Märchen sind gar nicht für Kinder geschrieben worden, sondern waren eigentlich ein politisches Statement, wenn man heute so möchte", meint Kerstin Bolte-Mahlstedt, so konnte man es nicht kritisieren, weil es als Märchen verpackt war.

Mit dem Verschwinden von Schwert und Salamanderlaken ging die Herrschaft der Grafen jedenfalls zu Ende. Der goldene Ring soll dem letzten Grafen, Otto dem 8., mit ins Grab gegeben worden sein. Eine funkelnde Nachbildung hält einer der Zwerge auf dem Brunnen vor der Grundschule in den Händen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 30. November 2020, 12:35 Uhr.