Die regionale Reportage Der Grenzstein in Ueterlande ist ein Museum-Ausstellungsstück

ein Grenzstein auf einer Wiese
Vor vielen Jahren musste man hier in Ueterlande noch Schlagbaum und Zöllner passieren. Davon zeugt dieser Grenzstein. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Wenn Steine reden könnten, dann hätte ein ganz besonderer Stein im kleinen Ort Ueterlande nahe Bremerhaven sicher viel zu erzählen. Es handelt sich um einen alten Grenzstein, der seit kurzem wieder an seiner angestammten Stelle steht. Zu finden ist er kurz vor Ueterlande im Ortsteil Jührde.

ein Grenzstein auf einer Wiese

Der Grenzstein in Ueterlande

Wenn Steine reden könnten, dann hätte ein Stein im Ort Ueterlande nahe Bremerhaven viel zu erzählen. Bis vor 70 Jahren wurde er gebraucht.

Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Ein kleine Grünfläche an einer Landstraße – wie im Grenzgebiet sieht es hier in Ueterlande wirklich nicht aus. Der Morgennebel lichtet sich allmählich, Tau hängt im Gras neben der Landstraße, ein hübsches Haus steht in der Kurve. Und doch: "Hier ist auch die Grenze gewesen früher zu den alten Regionen, bis 1918, die es in Deutschland ja gab, mit dem Herzogtum Oldenburg zur einen und dem Königreich Preußen zur anderen Seite, damals noch mit einem großen Grenzstein und auch richtig mit einer Grenze mit Schranke", sagt Detlef Wellbrock, Bürgermeister in Loxstedt, zu dem Ueterlande gehört.

Dabei zeigt er auf den etwa kniehohen, quaderförmigen Stein. Seine Kanten laufen nach oben schräg aus, so dass der Stein eine flache Spitze hat. Er sieht werwittert aus, man erkennt noch Reste weißer und schwarzer Bemalung. Aber Moose und Flechten – wie auf alten Steinen sonst üblich – sucht man vergebens. Kein Wunder, bis vor kurzem lag der Grenzstein warm und trocken, erzählt Sven Sonström, Bauamtsleiter von Loxstedt: Über 20 Jahre war der Stein im Historischen Museum in Bremerhaven eingelagert, er wurde erst vor einigen Wochen wieder aufgestellt. Dazu wurde ein Dauerleihvertrag mit dem Museum geschlossen.

Grenzstein wurde durch Privatinitiative gerettet

Inschrift "H O" für "Herzogtum Oldenburg" auf einem Grenzstein
Die Inschrift "HO" steht für "Herzogtum Oldenburg". Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Die Initiative ging von Charlotte von der Hellen aus Ueterlande aus. Ihr Vater hat den Stein Ende der 1990er Jahre gerettet. Er stand seinerzeit etwa 20 Meter von seinem jetzigen Standort entfernt an der Einmündung eines Wirtschaftswegs. Gebraucht wurde er nicht mehr, schließlich gab es die Grenze schon seit über 70 Jahren nicht mehr. Halb vergessen drohte er in einen der Weidegräben neben dem Weg zu rutschen. Möglicherweise hätte ihn eines Tages auch jemand mitgenommen, für den Garten zu Hause. Das wollte der Vater von Charlotte von der Hellen verhindern und schaltete deswegen das Museum ein. Aber eigentlich wünschte er sich immer, dass der Stein an seinen alten Platz zurückkommt – was seine Tochter ihm vor seinem Tod versprach. Und da steht er nun, zwischen lilafarbenen Kleeblüten und Schafgarbe. "Auf der einen Seite kann man gut sehen, auch in der Ausrichtung: KP, Königreich Preußen, auf der anderen Seite eben HO, Herzogtum Oldenburg. Das ist nicht wie ein Ortsschild, wo man dann drauf zufährt und sieht, ich bin jetzt im Herzogtum Oldenburg, sondern es ist in der Zuordnung aufgestellt worden, dass die beiden Initialen dahin zeigen, wo man sich gerade befindet", so Wellbrock.

Grenzverlauf mitten durch einzelne Dörfer

Schwer vorstellbar, dass hier früher einen Schlagbaum und Zöllner passieren musste, wer zum Beispiel von Bremerhaven kam und auf die andere Weserseite wollte. Oldenburg begann damals genau hier – und das führte zu merkwürdigen Konstellationen, wie im Ort Büttel ein paar Kilometer weiter. Dort ging die Grenze mitten durch den Ort; der eine Nachbar war Preuße, der andere Oldenburger.

Auch wenn die Grenze längst Geschichte ist – die Menschen in der Region identifizieren sich immer noch mit ihren alten Gebietszugehörigkeiten. Bis heute werden bei alten Volksfesten – wie dem Dedesdorfer Markt – die alten blau-roten Oldenburger Fahnen aufgehängt. Wie es damals, in der alten Oldenburger Zeit, wirklich war – das könnte der alte Grenzstein erzählen. Wenn er denn reden könnte.   

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 28. September 2020, 10:40 Uhr

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