Im Porträt Große Klappe, viel dahinter: Ninia LaGrande kämpft für gleiche Chancen

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Ninia LaGrande
Ninia LaGrande geht mit viel Humor und Energie durchs Leben. Bild: Ninia LaGrande | privat

Ninia LaGrande macht so ziemlich alles, was man mit Worten machen kann. Sie ist Schriftstellerin, Bloggerin, Moderatorin, Schauspielerin, Slam-Poetin – und singen kann sie auch. Mit viel Witz und Meinung setzt sich die Hannoveranerin für mehr Chancengleichheit ein.

Nina LaGrande lächelt in die Kamera (Archivbild)

"Ich erlebe oft, dass Leute mir den Kopf tätscheln" – Ninia LaGrande

Wer Ninia LaGrande trifft, spürt sofort ihre Energie. Sie moderiert auf großen Bühnen und bespielt schlagfertig ihre Plattformen auf Instagram oder Facebook.

Bild: dpa | Rolf Vennenbernd

Ninia LaGrande hatte immer eine große Klappe. Schon in der Schule habe sie sich gern produziert, sagt sie. Produziert? Hat das nicht einen negativen Beigeschmack? "Vielleicht nur bei Frauen", kontert die Feministin und erzählt: "Ich habe mich jedenfalls gern auf die Bühne gedrängt. Ich habe nie 'Nein' gesagt, wenn jemand fragte: 'Kannst du das mal vorlesen? Möchtest du die Hauptrolle spielen?' Das fand ich immer alles geil!" Aber Ninia steht nicht einfach nur gern im Mittelpunkt. Die 39-Jährige engagiert sich mit ihrer Arbeit für vielfältige Themen. Für Chancengleichheit zum Beispiel. "Wenn wir uns Statistiken angucken, dann sind wir noch 130 Jahre von der Gleichberechtigung von Männern und Frauen entfernt. Da haben wir noch sehr viel zu tun."

Pink für alle: Feminismus in der Erziehung

Ninia sagt, sie selbst sei mit sehr feministischen Eltern aufgewachsen. Von ihnen habe sie ihren Gerechtigkeitssinn. Der spielt auch in ihrer eigenen Familie eine große Rolle. Ninia und ihr Mann erziehen den gemeinsamen fünfjährigen Sohn feministisch.

Wenn meinem Sohn der Pulli 'für Mädchen' gefällt, dann darf er den anziehen.

Nina LaGrande lächelt in die Kamera (Archivbild)
Ninia LaGrande

Was das bedeutet? Wenn es nach Ninia geht, dann nicht, morgens aufzuwachen und zu denken: 'Heute mache ich mal wieder was besonders Feministisches'. Stattdessen gehe es laut Ninia darum, Klischees aufzubrechen. Zum Beispiel, dass Farben für alle da sind. Ninias Sohn liebt Rot und Pink und alles, was strahlt. "Wenn meinem Sohn der Pulli 'für Mädchen' gefällt, dann darf er den anziehen. Da fängt es an!" Mit typischen Rollenbilder haben Ninia und ihr Mann schon gebrochen, bevor sie eine Familie gründeten. Für den Sohn ist das also ganz normal, dass zuhause immer Papa kocht. "Mein Kind schiebt Panik, wenn ich mich mal ums Abendessen kümmern muss. Für ihn ist es völlig klar, dass Männer diejenigen sind, die zuhause kochen."

Feministisch erziehen bedeutet in Ninias Familie auch, darüber ins Gespräch zu kommen. "Wenn mein Sohn behauptet, Mädchen können nicht so gut skaten, weil er selten welche auf dem Skaterplatz gesehen hat, dann gucken wir uns gemeinsam Youtube-Clips von coolen Skaterinnen an. Die findet er spektakulär und damit hat sich das Thema für ihn erledigt. Er weiß jetzt das Mädchen das genauso können."

Anders als die "Norm": Wenn Menschen übergriffig werden

Eine Sache, die die studierte Germanistin auszeichnet: Sie belehrt nicht. Sie klärt auf. Und das mit viel Charme. Aber nicht immer hat Ninia dafür die Geduld oder Kraft. Wenn sie an einer Gruppe Menschen vorbeimuss, die über sie lachen zum Beispiel. Menschen, die auf sie zeigen, weil sie klein ist.

Menschen tätscheln mir beim Konzert den Kopf.

Nina LaGrande lächelt in die Kamera (Archivbild)
Ninia LaGrande

Ninia ist 1,40 Meter groß und gilt damit als kleinwüchsig. "Menschen tätscheln mir beim Konzert den Kopf. Keine Ahnung warum? Vielleicht, weil sie sich freuen, dass ich da bin?" Was sie in solchen Momenten tut? "Wenn ich die Kraft dazu habe, frage ich, warum sie das getan haben! Wenn die Leute sich dann erklären müssen, merken sie selbst, dass es absurd war und übergriffig." Kein Wunder, dass Ninia durch diese Erfahrung zu einem weiteren Thema gefunden hat, das ihr sehr am Herzen liegt und für das sie sich engagiert: Inklusion. An Schulen zum Beispiel. Denn Förderschulen sind für Ninia keine Lösung. Das Problem aus ihrer Sicht: Wenn man einmal in der Förderschule ist, dann machen nur die wenigsten dort einen Abschluss und landen irgendwann wieder in der Werkstatt. "Das ist kein inklusives Leben", sagt sie.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 13. Dezember 2022, 18:05 Uhr

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