Im Porträt Wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann zum Bundestag-Shooting-Star wurde

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann
Machte spät Karriere im Bundestag: FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Bild: IMAGO / Christian Spicker | IMAGO / Christian Spicker

Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat aufreibende Monate hinter sich: Der Krieg in der Ukraine, die Debatte über Waffenlieferungen und Streitigkeiten in der Regierungskoalition. Die auffällige FPD-Politikerin ging verhältnismäßig spät in die Bundespolitik und machte sich als Vorsitzende des Verteidigungsausschusses einen Namen.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann

Gesprächszeit "Ich reise für mein Leben gerne" – Marie-Agnes Strack-Zimmermann

Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat aufreibende Monate hinter sich: Als Vorsitzende des Verteidigungsausschusses machte sie sich seit dem Ukraine-Krieg einen Namen.

Bild: IMAGO / Christian Spicker | IMAGO / Christian Spicker

Ihr Senkrecht-Start ist ein wenig auch der Weltlage geschuldet. Mit Beginn des Ukraine-Krieges wurde Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu einer der gefragtesten Expertinnen in Talkshows und politischen Diskussionsrunden. Als Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags war ihre Meinung gefragt. "Da war plötzlich dieser Ausschuss von hoher Relevanz und insofern wurde da der Scheinwerfer automatisch ein bisschen heller gedreht.", sagt sie.

Natürlich habe ich mich gefreut, dass mein Name fällt. So eitel bin ich dann doch!

Marie-Agnes Strack-Zimmermann über die Spekulationen, dass sie Verteidigungsministerin werden könnte

Lange wurde sie selbst als Verteidigungsministerin gehandelt. Doch für die freien Demokraten waren in der aktuellen Regierungskoalition andere Ministerien wichtiger. Dass man ihr den Job zugetraut hat, hat Marie-Agnes Strack-Zimmermann trotzdem geschmeichelt: "Natürlich habe ich mich gefreut, dass mein Name fällt. So eitel bin ich dann doch!" Hätte man ihr den Job angeboten, hätte sie ja gesagt. Aber sie weiß auch: "Das ist schon ein Teufelsjob. Sie übernehmen eine Bundeswehr, ein Ministerium, das 1990 mit dem Fall der Mauer und dem Ende des Ost-West-Konfliktes 'runtergefahren" wurde. Ich sage es mal so: Wenn Sie so ein Ministerium übernehmen, sind sie sofort in der Verantwortung für all das, was weit vor Ihrer Zeit war. Das ist schon ein Feuerstuhl."

Politisiert zur Zeit des Kalten Krieges

Marie-Agnes Strack-Zimmermann
In der Kommunalpolitk lernte Strack-Zimmermann das politische Geschäft von der Pike auf. Bild: IMAGO / Jürgen Heinrich | IMAGO / Jürgen Heinrich

Die gebürtige Düsseldorferin ist gerade 65 Jahre alt geworden. Als sie Abitur gemacht hat, waren Frauen noch von militärischen Aufgaben in der Bundeswehr ausgeschlossen. Trotzdem hat sich Strack-Zimmermann schon für Außen- und Sicherheitspolitik interessiert, als sie noch Publizistik, Politikwissenschaft und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert hat. Als sich abzeichnete, dass sie in den Deutschen Bundestag einziehen könnte, hat sie bei Christian Lindner früh ihre Ambitionen für das Thema angemeldet. "Ich bin ja groß geworden und politisiert worden in den Siebziger Jahren. Die Mauer stand, die erste Entspannungspolitik ging los."

Meine Brüder und ich hatten einfach einen Volltreffer, was Zuneigung, Unterstützung und Zutrauen betraf.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann über ihre Eltern

Als Jugendliche wollte sie noch nach Amerika und Hippie werden, später vertrieb sie in einem Verlag Jugendbücher. "Ich hatte eine wunderbare Kindheit, weil ich das große Glück hatte, einfach tolle Eltern zu haben. Meine Brüder und ich hatten einfach einen Volltreffer, was Zuneigung, Unterstützung und Zutrauen betraf", so Strack-Zimmermann. Respekt, Toleranz, Loyalität und Zusammenhalt waren Werte, die in ihrer großen Familie gelebt wurden. Zur Schule ging sie allerdings nicht so gerne und schloss das Abitur in Meerbusch mit einem durchschnittlichen 3,0-Schnitt ab.

Politik braucht Ausdauer, Geduld und Glück.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann über ihre Learnings aus der Kommunalpolitik

Mitte der Neunziger stieg sie neben ihrem Job im Verlag in die Düsseldorfer Kommunalpolitik ein. Ein fehlender Zebrastreifen an einer viel befahrenden Straße vor der Kita ihrer Kinder war der Auslöser. "Da habe ich sehr früh gelernt: Politik – auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist – braucht Ausdauer, Geduld und Glück, dass man auch jemanden findet, der das ernst nimmt. Und es braucht Beharrlichkeit, Dinge auch durchzusetzen.“ Mit 50 wurde sie schließlich Erste Bürgermeisterin Düsseldorfs, also die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters, und konzentrierte sich von da an auf ihre politische Karriere. "Das habe ich sechs Jahre gemacht und das war eine unglaublich tolle Zeit, weil ich alles kennengelernt habe."

Spätstarterin im Bundestag

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann spricht zu mehreren tausend Motorradfahrern, die gegen ein generelles Fahrverbot von Motorrädern an bestimmten Tagen demonstrieren.
Fährt leidenschaftlich gern Motorrad: Marie-Agnes Strack-Zimmermann Bild: dpa | Roberto Pfeil

Ein paar Jahre später präsentierte Christian Lindner sie als Neue im Bundesvorstand der Liberalen. Mit 58 Jahren zog sie relativ spät noch in den Bundestag ein. "Das hat Vor- und Nachteile. Weil ich natürlich viele Ideen habe, aber weiß, dass ich die nächsten 20 Jahre nicht mehr im Bundestag sitzen werde." Doch die Mischung zwischen Jung und Alt macht es aus, so Strack-Zimmermann. "Was ich natürlich mitbringe ist 20 Jahre kommunalpolitische Erfahrung. Das ist wirklich viel wert. Das ist wie wenn Sie Meister werden und waren vorher Lehrling und Geselle." Der Frage nach dem Frauenanteil in der FDP will sie nicht ausweichen: "Wir haben zu wenig Frauen – deutlich zu wenig!"

Der Traum vom Fallschirmspringen

Wenn sie in Berlin unterwegs ist, nimmt Marie-Agnes Strack-Zimmermann am liebsten einen E-Roller, privat fährt sie gerne Motorrad. Mit ihrer BMW 1200C hat sie halb Europa durchquert und die Schönheiten des Kontinents buchstäblich erfahren. Dass der Motorrad-Funke auf ihren Mann nicht übergesprungen ist, findet die 65-Jährige gar nicht mal so schlimm. Wenn sie auf zwei Reifen nach Griechenland gefahren ist, hat er das Gepäck im Flieger mitgenommen oder in früheren Jahren zuhause die Kinder betreut. "Ich reise für mein Leben gerne. Das ist geblieben", sagt sie. Und Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat noch so einiges auf der Bucket-List: Zum Beispiel Fallschirmspringen oder einen Flug in einem Kampfflugzeug.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 6. April 2023, 18:05 Uhr

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