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Der Sonntagmorgen mit Katrin Krämer

Die regionale Reportage Kunst im öffentlichen Raum: die Spuren von Georg Schmidt-Westerstede

Autorin

Kunstwerk von Georg Schmidt-Westerstede.
Georg Schmidt-Westerstede: Glasmosaik, Pferde, 1965. Mehrfamilienwohnhaus der Ammerländer Wohnungsbau. 2008 zerstört, Rekonstruktion und Neuinstallation 2010 am Amtsgericht Westerstede. Bild: Manfred Hylla

Vor 100 Jahren wurde ein Mann geboren, dessen Kunst an vielen Orten im öffentlichen Raum zu sehen ist – vor allem im Nordwesten. Reliefs aus Beton, Klinker, Schiefer oder Bronze, Brunnen oder Skulpturen und viele Glasmosaiken, manche davon haushoch. Georg Schmidt-Westerstede nannte sich nach dem Ort, in dem er aufwuchs, und hat den Bund Bildender Künstler in Oldenburg mitbegründet.

1982 starb Georg Schmidt-Westerstede im Alter von nur 60 Jahren. Um das Erbe kümmern sich heute seine Tochter und sein Schwiegersohn, Susann und Manfred Hylla. Kristin Hunfeld hat sie besucht, sich in Oldenburg umgeschaut – und dabei auch Verstecktes entdeckt.

 Gesamtkunstwerk Herbartgang

Der Herbartgang in der Oldenburger Innenstadt entstand ab Anfang der 1960er-Jahre. Er ist eine knapp 200 Meter lange, zum Teil überdachte Passage – und der Bauherr hatte ihn von Anfang an als Gesamtkunstwerk geplant. Alle Türgriffe der Läden und Galerien gestaltete Georg Schmidt-Westerstede als Mosaiken aus Muranoglas, genau wie auch ein schmales, vertikales Lichtband. Ein großes Betonrelief an einer Fassade im ersten Stock zeigt neben Booten, Schiffen und Flugzeugen auch Merkur, den Gott des Handels. Eine Mauer, gestaltet als Relief aus rotem Backstein, auf der anderen Seite des kleinen Innenhofs ist die Rückwand eines Restaurants.

Die Passage steht unter Ensembleschutz und damit auch die Werke von Georg Schmidt-Westerstede. Andernorts sind seine Arbeiten der Abrissbirne zum Opfer gefallen oder bei Umbauarbeiten verschwunden, wie zum Beispiel ein großes Glasmosaik an einem Mehrfamilienhaus in Rastede.

Der Vorteil ist, dass darüber eine große Sensibilität entstanden ist und die Werke sehr geschätzt werden – und es gibt ein großes Bemühen, sie zu erhalten.

Susann Hylla, Tochter von Georg Schmidt-Westerstede

Bei einem anderen Gebäude in Westerstede konnten Susann Hylla und ihr Mann wenigstens die Steine retten, die schon überall verstreut auf dem Boden lagen. Das Mosaik, das stilisierte Pferde zeigt, wurde wiederhergestellt und fand am Amtsgericht in Westerstede einen neuen Standort. "Der Vorteil ist, dass darüber eine große Sensibilität entstanden ist und die Werke sehr geschätzt werden – und es gibt ein großes Bemühen, sie zu erhalten", sagt Susann Hylla.

Eine unglaubliche Farbigkeit, Freiheit, neue Gestaltung der Bilder. Das waren sehr prägende Aufenthalte.

Susann Hylla über die Paris-Reisen ihres Vaters

Auf die Kunst am Bau hatte sich Georg Schmidt-Westerstede verlegt, um seine junge Familie ernähren zu können. Aber er hat auch immer gemalt: anfangs altmeisterlich, nach Besuchen in Paris Anfang der 1950er-Jahre zunehmend expressionistisch. "Er gehörte ja zu einer Generation, in der die sogenannte 'entartete Kunst' nicht präsent war. Und man sieht das an den Bildern, die nach den Paris-Fahrten entstanden sind, also eine unglaubliche Farbigkeit, Freiheit, neue Gestaltung der Bilder. Das waren, glaube ich, sehr prägende Aufenthalte", erzählt Susann Hylla.

Kunstwerk von Georg Schmidt-Westerstede.
Georg Schmidt-Westerstede: Paris - Seinebrücke, 1954. Öl auf Hartfaser, ca. 41 x 52,3 cm Bild: Manfred Hylla

Mit Stipendien des Oldenburger Kunstvereins fuhr Georg Schmidt-Westerstede nach Rapallo und – mit einem Frachter – nach Murmansk. Viele seiner Aquarelle, Ölgemälde, Holzschnitte und Zeichnungen konnten die Hyllas zurückkaufen – und so ist ihr Haus heute von unten bis oben eine Art private Galerie.

Schiffe, Küsten- und Meereslandschaften

Häufige Motive von Georg Schmidt-Westerstede sind heimische Küsten- und Meereslandschaften. Schmidt-Westerstede war Segler, sein Boot lag in Fedderwardersiel an der Nordseeküste. Jedes Wochenende war er damit unterwegs und kam mit Bildern oder Skizzen zurück. Das Segeln und das Wasser seien wichtige Elemente und Kraftgeber für ihren Vater gewesen, erzählt Susann Hylla.

Ausstellungshinweis:
In der Ausstellung "Licht des Südens – Künstler sehen Italien", die das Landesmuseum am 17.07.2021 im Oldenburger Schloss eröffnen will, sollen auch drei Werke von Georg Schmidt-Westerstede gezeigt werden.

100. Geburtstag: der Künstler Georg Schmidt-Westerstede

Sein Name ist nicht unbedingt bekannt, dabei ist die Kunst von Georg Schmidt-Westerstede in vielen Orten im Nordwesten allgegenwärtig.

Kunstwerk von Georg Schmidt-Westerstede.
Georg Schmidt-Westerstede: Türgriff mit Glasmosaik-Auflagen, eingefasst in Goldbronze. 20 x 18 cm Bild: Manfred Hylla
Bild: Manfred Hylla

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 23. April 2021, 15:40 Uhr.