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Frauengeschichte(n) aus unserer Region Warum die Pädagogin Elisabeth Forck das Bundesverdienstkreuz ablehnte

Autorin

Porträt Elisabeth Forck
Elisabeth Forck engagierte sich zeitlebens: als Lehrerin und als Mitglied der Gemeindeleitung der Stephani-Gemeinde in Bremen. Während des Nationalsoozialismus geriet sie ins Visier der Gestapo. Bild: Staatsarchiv Bremen

Die Bremerin Elisabeth Forck war eine engagierte und mutige Lehrerin am Gymnasium Kleine Helle. Sie engagierte sich außerdem in der Gemeindeleitung der Stephani-Kirche. Und zwar zu einer Zeit, in der nicht alle Kirchen-Mitglieder willkommen waren: im Nationalsozialismus.

Elisabeth Forck: eine engagierte und mutige Lehrerin zur Nazizeit

Die Bremerin Elisabeth Forck, 1900 geboren, war Lehrerin und sie engagierte sich in der Gemeindeleitung der Stephani-Kirche.

Porträt Elisabeth Forck
Bild: Staatsarchiv Bremen
Bild: Staatsarchiv Bremen

Wie kann ich ein Ehrenkreuz annehmen, nachdem die Juden mit dem Judenstern so geschmäht worden sind?

Elisabeth Forck über den Grund, weshalb sie das Bundesverdienstkreuz ablehnte.

1965 sollte Elisabeth Forck mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden, weil sie sich als Gemeindemitglied der Stephani-Kirche während der NS-Zeit für ihre jüdischen Mitglieder stark gemacht hatte. Elisabeth Forck lehnte "den Orden" ab: Aus Gewissensgründen könne sie keine öffentliche Auszeichnung für etwas annehmen, das ihre Christenpflicht sei. Sie sagte damals: "Der erste Gedanke, der mich erfüllte, war der: Wie kann ich ein Ehrenkreuz annehmen, nachdem die Juden mit dem Judenstern so geschmäht worden sind."

Sie war eine sehr engagierte Pädagogin und sie war auch hochbegabt, auch wenn sie sich immer sehr bescheiden gab.

Marion Reich über Elisabeth Forck

Die Bremerin Marion Reich hat sich viele Jahre mit Elisabeth Forck beschäftigt, Wegbegleiterinnen interviewt und ein Buch über Forcks Leben geschrieben. Reich zeigt ein selbst zusammengestelltes Album mit Bildern von Elisabeth Forck: gescheitelte dunkle Haare, ein weißer Kragen, ein leichtes Lächeln, der Blick schweift träumerisch aus dem Bild. Reich sagt: "Sie war eine sehr engagierte Pädagogin und sie war auch hochbegabt, auch wenn sie sich immer sehr bescheiden gab."

Aufgewachsen in einer christlichen Familie

Elisabeth Forck wird 1900 geboren, hat neun Geschwister. Ihr Vater ist Pastor, deswegen geht es in der Familie Forck christlich, aber offen zu, wie sie später einmal in einem Interview erzählt: "Wir waren in unserer Familie ein sangesfrohes Völkchen und Vater und Mutter waren fröhliche Christen, die uns angehalten haben, alle unsere Pflicht zu tun. Aber wir haben sie, glaube ich zumindest, alle sehr gern und fröhlich getan."

Anfang der 1900er-Jahre ist es nicht üblich, dass Mädchen ein Gymnasium besuchen. Reine Mädchen-Gymnasien gibt es zu diesem Zeitpunkt in Bremen noch nicht. Elisabeth Forck geht deshalb auf ein Jungengymnasium, lernt Alte Sprachen und meistert ihr Studium mit Bravour, erzählt Reich.

Engagierte Lehrerin mit Spaß am Unterrichten

Bahnschienen durch ein Trümmerfeld, im HIntergrund ein großes Backsteingebäude
Im Hintergrund ist die Schule "Kleine Helle" in Bremen zu sehen. Dort unterrichtete Elisabeth Forck. (1945) Bild: Staatsarchiv Bremen

Forck studiert in Göttingen und Marburg Latein, Griechisch und Religion. Nach dem Referendariat wird sie Lehrerin am Mädchen-Gymnasium "Kleine Helle" in Bremen, dort wo heute das Alte Gymnasium steht. Marion Reich beschreibt sie als Pädagogin, die keine Lust hatte, langweiligen Unterricht zu machen. Zum Beispiel wurden bei ihr die Latein-Vokabeln auch spielerisch gelernt, erzählt Reich: "Das eine Kind war dann der Wolf, das war dann unterm Tisch. Und dann mussten sie auf Latein alles sprechen. Die anderen Lehrer fanden das manchmal gar nicht so gut. Denen war das nicht seriös genug."

Doch Forck findet eine Verbündete – die Direktorin Mathilde Plate. Sie setzt sich für die junge Kollegin ein. Mit nur 27 Jahren wird Elisabeth Forck zur Studienrätin ernannt, der jüngsten des Deutschen Reichs.

Einsatz für jüdische Bürger in der Stephani-Gemeinde

die zerstörte Stephani-Kirche in Bremen
Elisabeth Forck war während des Nationalsozialismus in der Gemeindeleitung der Stephani-Gemeinde in Bremen. Bild: Staatsarchiv Bremen

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, legt sich ein Schatten über Forcks Arbeit. Die sehr gläubige Elisabeth Forck schließt sich der widerständigen Stephani-Gemeinde an. Sie und andere spenden den christlichen Gemeinde-Mitgliedern jüdischer Herkunft Kleider und Geld. Sie feiern einen öffentlichen Gottesdienst zusammen. Viele Gemeindemitglieder werden verhaftet; Elisabeth Forck unterschreibt Protestbriefe – als Mitglied der Gemeindeleitung. "Alles, was da rausging, hat sie mit unterschrieben", so Expertin Marion Reich.

Die Gestapo hört Forck ab, durchsucht ihr Zuhause.1941 wird sie vor den Bremer Innenminister zitiert. Ein Verhör, an das sie sich Jahre später noch eindrücklich erinnert: "Ein Vertreter nahm nur mich aufs Korn und warf mir vor, dass ich mich mit diesem Einsatz für Juden des Landesverrats schuldig gemacht hatte und was das bedeutete: KZ, Haft und Schlimmeres."

Lebenslanger Kontakt zu Schülerinnen

Porträt einer älteren Frau
Elisabeth Forck stammt aus einem christlichen Elternhaus. Ihre Familie war "ein sangesfrohes Völkchen", sagte sie. Bild: Elisabeth Forck, Rückblick

Elisabeth Forck hat Glück und bekommt nur eine Geldstrafe. Doch der Innenminister zwingt sie dazu, ihr Amt in der Gemeindeleitung abzugeben. Sonst müsste sie ihren Beruf als Lehrerin aufgeben. Und der bedeutet ihr viel. In einem Interview erinnert sich Forck an die jüdische Schülerin Gisela: "Dann kam sie zu mir unter Tränen und sagte: Ich muss doch noch einen Menschen sehen und ich hab' ja niemand mehr. Meine Eltern, die werde ich nicht wiedersehen. Wenn mein Vater nach Auschwitz kommt, ist das das Ende."

Das jüdische Mädchen überlebt die Deportation. Den Kontakt zu ihr hat Elisabeth Forck bis an ihr Lebensende gehalten. Die Wertschätzung und die Nähe zu ihren Schülerinnen zählten für die Lehrerin. Mehr als jeder Orden.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Oktober 2021, 13:40 Uhr.