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Der Vormittag mit Britta Lumma

Im Porträt Frauengeschichte(n) aus unserer Region: die Schweißerin Elvira Vierke

Autorin

Vulkan-Schweißerin Elvira Vierke
Bei der Vulkan-Werft war Elvira Vierke eine der ersten Frauen. Ihr Mann war Schweißer, dann versuchte sich Vierke selbst in diesem Beruf. Bild: Frauenarbeitskreis Wandbild

Frauen tauchen in der Geschichtsschreibung noch immer viel zu selten auf. Dabei gab es im Nordwesten Frauen, deren Geschichte bis heute wirkt: in Politik, Wirtschaft, Industrie, Gesellschaft oder der Kunst. Eine davon ist Elvira Vierke.

Frauengeschichte(n) aus unserer Region: Schweißerin Elvira Vierke

Frauen tauchen in der Geschichtsschreibung noch immer viel zu selten auf. Dabei gab es im Nordwesten Frauen, deren Geschichte bis heute wirkt: Eine davon ist Elvira Vierke.

Audio vom 20. Februar 2021
Vulkan-Schweißerin Elvira Vierke
Bild: Frauenarbeitskreis Wandbild

Das ganze Jahr über wollen wir Ihnen immer wieder außergewöhnliche Frauen aus unserer Region vorstellen, über deren Geschichten wir gestolpert sind, gestaunt haben und die wir weitererzählen wollen. Das müssen nicht immer Frauen sein, die es bis in die erste Reihe geschafft haben. Den Anfang machen wir auf einer Werft – der Vulkan-Werft in Bremen-Vegesack in den späten 1960er-Jahren.

Damals brauchte die Werft zusätzliche Arbeitskräfte – und warb um Frauen. Die männliche Belegschaft sei erst skeptisch gewesen, erzählt die Bremer Historikerin Renate Meyer-Braun, die viele Jahre zu Frauen auf der Werft geforscht hat. "Na, ob die das überhaupt können und das auch durchhalten?", hätten die Männer damals gesagt. Und ja, es hätten auch nicht alle durchgehalten. Elvira Vierke aber schon.

Die Werft hatte keine passenden Kleidungsstücke für die Frauen. Es war alles zu weit und es war auch so ein grober Stoff, der auf der Haut scheuerte.

Renate Meyer-Braun, Historikerin

Die Kälte im Winter in den ungeheizten Hallen, das Schwitzen unter dem dicken Anzug – all das hielt Vierke wie die anderen Kollegen aus. Naht für Naht und Tag für Tag schweißte sie in der Vegesacker Werft Schiffsteile zusammen. Wie die anderen Frauen auch, lockte Vierke die gute Bezahlung – und die günstige Arbeitszeit. Viele Frauen arbeiteten gern in der Schicht von 17 bis 22 Uhr. Denn dann waren ihre Männer zuhause und konnten die Kinder beaufsichtigen, so Renate Meyer-Braun. Braun hat sich damit beschäftigt, wie Frauen in der Industrie das damalige Rollenbild der Arbeiter verändert haben.

Vulkan-Schweißerin Elvira Vierke
Elvira Vierke in ihrer Arbeitskleidung. Bild: Frauenarbeitskreis Wandbild

"Die Werft hatte keine passenden Kleidungsstücke für die Frauen. Es war alles zu weit und es war auch so ein grober Stoff, der auf der Haut scheuerte." Erst als mehr und mehr Frauen dazu kamen, hat sich auch die Werft auch auf die Arbeiterinnen eingestellt, erfuhr die Historikerin.

Vierke kam aus einer Arbeiterfamilie. Mit 30 Jahren beschloss sie, sich 1970 auf eine Stellenanzeige der Bremer Vulkan-Werft für Schweißer zu bewerben. "Wir suchen auch Frauen", hieß es da. Dass der Bremer Vulkan explizit auch nach Schweißerinnen suchte, war kein feministischer Akt. Bis Mitte der 1970er-Jahre boomte der Schiffsbau – und Personal war knapp.

Frauen als Notlösung

Frauen waren erst einmal eine Notlösung, sagt Historikerin Meyer-Braun. Sie stieß Ende der 1990er-Jahre durch einen Zeitungsartikel auf die Vegesackerin Elvira Vierke und besuchte die Schweißerin in Bremen-Nord für ein Interview. Mit zwei Kindern zuhause begann die junge Frau ihre Ausbildung als Schweißerin – was damals nicht selbstverständlich war. "Sie wollte keine Rabenmutter sein. Mütter mit schulpflichtigen Kindern, die erwerbstätig wurden, die galten leicht als Rabenmütter", erzählt Meyer-Braun.

Doch davon ließ sich Elvira Vierke nicht unterkriegen. Im Gegensatz zu vielen anderen ihren Kolleginnen und Kollegen, die nach wenigen Jahren aufgaben, arbeitete Elvira Vierke 20 Jahre lang als Schweißerin – und machte sich in der Werft einen Namen. Meyer-Braun erzählt: "Sie hat damals ein Schiff getauft. Das war wirklich sehr ungewöhnlich. Das hat Aufsehen erregt in der Presse: 'Elviras Nähte halten Ozeanriesen zusammen.' Mit Nähte waren natürlich Schweißnähte gemeint."

Elviras Nähte halten Ozeanriesen zusammen.

Überschrift in der Zeitung als Elvira Vierke ein Schiff taufen durfte

Die Schiffstaufe des Frachter "Pharos" war der Höhepunkt von Elvira Vierkes Karriere. Auch wenn sich die Vegesackerin nicht viel um den Rummel scherte, erinnert sich Meyer-Braun. "Wir haben dieses Schiff gemeinsam gebaut", soll sie in ihrer Rede gesagt haben.

Vulkan-Schweißerin Elvira Vierke
Trotz der harten Arbeit mochte Elvira Vierke ihren Job bei der Vulkan-Werft. Hier sieht man sie in Aktion. Bild: Frauenarbeitskreis Wandbild

Als Vertrauensfrau setzte sich die Schweißerin später auch für die Belange ihrer Kolleginnen ein. Zeitweise arbeiteten bis zu 170 Frauen auf der Werft. Auch Frauen aus Portugal, Griechenland und der Türkei. 1990, sieben Jahre nach der Schiffstaufe, musste Elvira Vierke ihre Arbeit auf der Werft schließlich aufgeben. Sie ging aus Gesundheitsgründen, wäre aber gern länger geblieben, sagt Meyer-Braun: "Sie hätte gern weitergearbeitet, bis zum Ende des Vulkans. Das sagte sie. Sie war da ja über 20 Jahre. Trotz der harten Arbeit hat ihr das auch Spaß gemacht." Mit ihrer Arbeit bewies Elvira Vierke vielen, dass Frauen in der Industrie nicht nur eine Notlösung waren.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Samstagvormittag, 13:40 Uhr, 20. Februar 2021