Im Porträt Mit Start-up-Spirit revolutioniert sie den Frauenfußball

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Felicia Mutterer
Will mit dem FC Viktoria ganz nach oben: Sport-Journalistin und Fußball-Managerin Felicia Mutterer Bild: Felicia Mutterer | Phil Dera

Die Fußballfrauen des FC Viktoria Berlin haben Großes vor: Von der dritten Liga soll es in den nächsten Jahren rauf in die Bundesliga der Frauen gehen. Dieses ehrgeizige Ziel hat Felicia Mutterer ausgegeben. Ihre Mission ist gewaltig: Sie und ihre Mitstreiterinnen wollen mehr Geschlechtergerechtigkeit im Fußball erreichen und die Frauen sichtbarer machen.

Felicia Mutterer
Felicia Mutterer

Gesprächszeit "Diese Männerdomäne wird durchbrochen werden" – Felicia Mutterer

Felicia Mutterer hat sich Großes vorgenommen: Sie will mit ihrem Team FC Viktoria Berlin in die Bundesliga aufsteigen und den Frauen-Fußball sichtbarer machen.

Bild: Felicia Mutterer | Phil Dera

18 Millionen Menschen in Deutschland sahen 2022 bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen das Finalspiel zwischen England und Deutschland. Das ganze Land fieberte mit Spielerinnen wie Alex Popp, Lina Magull oder Merle Frohms mit. "Ich bin überzeugt, dass der Zeitgeist vor dem Sport nicht ewig Halt machen kann", sagt Felicia Mutterer. "Diese Männerdomäne wird durchbrochen werden, auch im Fußball. Deswegen ist es auch nur eine Frage der Zeit bis sich die Frauen den Raum auch erobern."

Ein neues Kapitel der Frauen-Bundesliga

Lieber selber anpacken, als darauf warten, dass der Frauenfußball vorankommt – das ist Mutterers Devise. Die Sport-Journalistin ist eine von sechs Gesellschafterinnen, die mit dem FC Viktoria Berlin ein neues Kapital in der Frauen-Bundesliga aufschlagen wollen. Sie will zeigen, dass im deutschen Frauen-Fußball ein großes Potenzial schlummert und große Firmen auch für ein Sponsoring in diesem Bereich begeistert werden können. "Die Idee entstand, weil es in Los Angeles ein super Projekt gibt, das 'Angel City' heißt. Und da habe ich gedacht: Was die können, können wir auch in Deutschland."

Viktoria Berlin war sofort von der Idee überzeugt.

Felicia Mutterer über ihr Konzept für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Vereinsfußball

Der Club 'Angel City FC' wurde von einer Gruppe Frauen rund um die Schauspielerin Natalie Portman gegründet. Diesen Netzwerk-Gedanken haben sich Felicia Mutterer, Fußballerin Ariane Hingst, Unternehmerin und Investorin Verena Pausder sowie drei weitere Frauen abgeguckt. Mit einem Konzept für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Fußball und mit einem eigenen Fußballteam sind sie auf den Berliner Traditionsverein zugegangen. "Der Verein ist für alle da – Männer, Frauen, alle Geschlechter. Doch das Ziel ist vor allem, dass der Frauenfußball dort mehr Raum bekommt", so Mutterer. "Viktoria Berlin war sofort von der Idee überzeugt – alle, die dort etwas zu sagen haben. Von dort kam dann eigentlich nur eine positive Rückmeldung."

Prominenter Support: Carolin Kebekus und Franziska van Almsick

Nachdem Felicia Mutterer und ihre Mitstreiterinnen den Verein überzeugt hatten, konnte man mit Beträgen zwischen 10.000 und 50.000 Euro Investorin werden. Schauspielerin Ulrike Folkerts, Comedienne Carolin Kebekus und Schwimmweltmeisterin Franziska van Almsick sind dabei – und auch viele Männer unterstützen das Projekt. Eine Million Euro Risikokapital wurde so eingesammelt – inzwischen gibt es eine Warteliste für eine zweite Finanzierungsrunde dieses "Female Empowerment and Leadership“-Experiments.

Training der Fußballfrauen vom FC Viktoria Berlin
Die Trainingsbedingungen der Viktoria-Spielerinnen hat Felicia Mutterer deutlich verbessert: mittlerweile haben die Frauen zwei Trainingsstätten – darunter eine in Alt-Mariendorf. Bild: Radio Bremen | Christian Erber

Wegen ihrer Trikotfarbe wird das Team von Viktoria Berlin "Die Himmelblauen" genannt. Für die Spielerinnen lohnt sich ein Vertrag bei dem Verein inzwischen. Sie profitieren nicht nur von dem Netzwerk, dass der Unterstützer:innenkreis ihnen bietet, sondern bekommen auch eine Vergütung. Sportlich profitieren sie von einer starken sportlichen Leitung, einem hauptberuflichen Trainer und einer medizinischen Unterstützung, die in der dritten Liga der Frauen alles andere als selbstverständlich ist.

Das kann ja nicht sein, dass ich ausgeschlossen werde, weil ich ein Mädchen bin.

Felicia Mutterer über ihre Kindheit im Vereinsfußball

In ein paar Jahren will Viktoria Berlin gegen die Frauen des FC Bayern, des Vfl Wolfsburg oder von Werder Bremen spielen. Dabei fängt die Unterstützung für den Frauen- und Mädchenfußball natürlich ganz unten an. Bei den Kleinsten. Für Felicia Mutterer ist diese Art der Förderung als Kind ein Traum geblieben.

Felicia Mutterer
Felicia Mutterer Bild: Felicia Mutterer/FC Viktoria Berlin | Filiz Serinyel

Das ballverliebte Mädchen aus dem Schwarzwald war in den späten Achtzigern das einzige Mädchen in einem Fußballteam voller Jungs. Doch irgendwann durfte sie nicht mehr weiter mitspielen, weil das Regelwerk des DFB die Trennung von Mädchen und Jungen vorsah. "Ich fand das ungerecht. Das ist auch so ein Tipping Point in meinem persönlichen Leben, weil ich gesagt habe: 'Das kann ja nicht sein, dass ich ausgeschlossen werde, weil ich ein Mädchen bin und alle anderen können weitermachen.'"

Gesellschaftliche Veränderung profitieren von Erfolgsgeschichten

Der FC Viktoria Berlin hat in diesem Jahr gute Chancen, in die zweite Bundesliga aufzusteigen. Mit ihrem Team will Mutterer den sportlichen Erfolg – aber vor allem eine gesellschaftliche Veränderung anstoßen. Denn fragt man kleine Jungs, was sie einmal werden wollen, komme oft die Antwort "Fußballprofi", erzählt die heutige Fußballmanagerin. Wenn sich irgendwann auch Mädchen wünschen, Profifußballerin zu werden wie Alex Popp, dann hat Felicia Mutterer eines ihrer Ziele erreicht.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 17. Mai 2023, 18:05 Uhr

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