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Gesprächszeit mit Till Lorenzen

Die regionale Reportage Bye, bye, "Blauer Klaus": ein Stück Industriegeschichte verschwindet

Ein Arbeiter demontiert Teile des Schwimmkrans "Blauer Klaus"
Ende eines Industriedenkmals: Der "Blaue Klaus" wird abgewrackt. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Wer in Bremerhaven wohnt, hat vermutlich schon einmal vom "Blauen Klaus" gehört. Oder von "Hein Wuppdi". Diese beiden Spitznamen trägt ein Schwimmkran, der wegen seiner blauen Farbe, aber vor allem wegen seines Alters in der Stadt sehr bekannt ist. Nach mehr als 100 Jahren Dienstzeit wurde er abgewrackt.

zwei große Kräne an einem Hafenkai

Bremerhaven: Das Ende des Schwimmkrans "Blauer Klaus"

Jahrzehnte lang war er in Bremerhaven und Bremen im Einsatz, der "Blaue Klaus". Jetzt wird der historische Schwimmkran abgewrackt.

Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Gebaut im Jahr 1909 für die Kaiserliche Marine in Kiel, kam der Kran im Zweiten Weltkrieg nach Bremen, zur U-Boot-Produktion. Nach 1945 wurde er beim Wiederaufbau der Hafenanlagen gebraucht und war bei der AG Weser-Werft im Einsatz. Nach deren Schließung kam er nach Bremerhaven.

Seinen Spitznamen verdankt der Kran seiner Farbe, erzählt der Bremer Hobby-Archivar Daniel Sokolis, der die Historie des "Blauen Klaus" recherchiert hat: "Ein pfiffiger Ingenieur der AG Weser hat gesagt: Lasst uns den Kran doch einfach blau anmalen, so wie die Werftfarben sind. Und irgendein Schiffbauer muss wohl mal gesagt haben: 'Da kommt der Blaue Klaus' – und dann hat sich das natürlich auf der Werft rumgesprochen."

Das ist ja noch richtig Ingenieurskunst.

Arndt Lohner, Geschäftsführer der Logistik-Firma BVT, über den Blauen Klaus.

Mit seinem mächtigen Haken konnte der Kran seine Ladung packen, Schiffsteile oder Brücken zum Beispiel. Bis zu 150 Tonnen. Das ist mehr, als manch moderner Kran schafft. "Der wird ja fast nur mechanisch betrieben," erklärt Arndt Lohner, Geschäftsführer der Logistik-Firma BVT, die den historischen Schwimmkran zuletzt nutzte. "Heute wird das hydraulisch gelöst oder elektronisch. Und das ist ja noch richtig Ingenieurskunst. Es bewegt sich eine Schnecke, es bewegt sich ein Gewinde. Und es passiert was. Das ist schon spannend."

Doch genau diese Ingenieurskunst funktionierte am Ende nicht mehr. Das Hebewerk war kaputt, der Haken sei immer heruntergerutscht, Ersatzteile gebe es nicht mehr. Versuche, den Kran an das Deutsche Schifffahrtsmuseum zu verkaufen, seien gescheitert, so Arndt Lohner. Deshalb nun die Verschrottung.

Der "Blaue Klaus" ist Geschichte – nach 113 Jahren

Ein Stahlseil hängt an einem blauen Gerüst.
Manch ein Fan hätte sich gefreut, wenn zumindest Teile des Krans erhalten geblieben wären. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Der Kran war bekannt bei Hafenarbeitern oder Menschen, die sich für maritimes Erbe interessieren, wie Ingo Ostermann. Er war schockiert, als er von der Verschrottung in der Zeitung las, sagt er. Ostermann gehört einem Verein aus Bremerhaven an, der historische Werte der Stadtgeschichte bewahren will. Er hätte sich gewünscht, dass der Kran in Bremerhaven ausgestellt wird, etwa im neuen Werftquartier oder vor dem Schifffahrtsmuseum. Doch das Museum teilte mit, dass diese Idee am Geld scheiterte: "Da wir, und sicherlich auch andere Träger von maritimem Kulturgut, momentan immer noch um die Gelder zum Erhalt der bestehenden Objekte kämpfen müssen, stellt sich die Frage des Erhalts leider nicht. Eine Erweiterung der bestehenden maritimen Industriedenkmäler-Landschaft ist nur möglich, wenn auch entsprechende Mittel verfügbar sind."

Klaus' letzte Reise

Wie viel es gekostet hätte, den Kran zu retten, und ob man den 730 Tonnen schweren Koloss überhaupt hätte umsetzen können, bleibt unklar. Ingo Ostermann findet, man sollte zumindest Teile des Krans retten, eine Winde oder den Kranhaken, irgendetwas, das sinnbildlich für den Kran steht.

Jetzt ist es zu spät. Eine Firma aus Dänemark hat die Abwrackung übernommen. Der Kran wurde in kleinere Teile zerlegt und zu einem Recyclinghof gebracht. Dort wird er weiter zerteilt, das Metall wird dann zum Einschmelzen in eine Schmelzanlage gebracht. Vom "Blauen Klaus" bleiben nur die Erinnerungen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 4. April 2022, 10:40h.