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Die Nacht

Die regionale Reportage Pansen und dicke Luft: So bekam die Oldenburger Bergstraße ihren Namen

Autor/Autorin

  • Gerhard Snitjer
Die Bergstraße in Oldenburg
Die malerische Bergstraße im Herzen von Oldenburg. Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Die Bergstraße liegt mitten in Oldenburg, im ältestens Teil der Stadt. Dort gibt es zwar ein ganz leichtes Gefälle, aber weit und breit keinen Berg. Woher hat die Straße also ihren Namen? Unser Reporter Gerhard Snitjer war auf Spurensuche.

Die Bergstraße in Oldenburg

Die Bergstraße in Oldenburg

Straßennamen können ziemlich rätselhaft sein. Manchmal enthalten sie alte Worte, die heute niemand mehr kennt. Oder sie sind völlig unzutreffend. Wie die Bergstraße in Oldenburg.

Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Bernd Munderloh, Lehrer im Ruhestand und Gästeführer, sagt ganz klar: In der Bergstraße ist kein Berg und dort war auch nie einer. Er bereitet gerade ein Buch über die Herkunft aller Oldenburger Straßennamen vor. Dabei kann er sich auf frühere Forschungen und auf städtische Archive stützen. Da erfährt man, dass es die Gasse wohl schon 1439 gab, allerdings noch ohne Namen. Ein Name taucht im Oldenburger Steuerregister erst zweihundert Jahre später auf, nach dem Dreißigjährige Krieg. Damals hatte die Straße noch einen anderen Namen – und der war nicht schmeichelhaft. "Was ich rausgefunden habe, war, dass es früher Pansenberg hieß, beziehungsweise Panzenberg, mit Z."

Pansen – das ist bekanntlich einer der vier Mägen bei den Wiederkäuern, also Rindern, Schafen und Ziegen. An dieser Straße gab es nachweislich Schlachthäuser, und die Fleischer häuften wohl ganz ungeniert ihre Schlachtabfälle draußen auf. Einen Pansenberg eben. Bernd Munderloh zitiert aus einem 100 Jahre alten Text von Straßennamenforscher Dietrich Kohl: "Man vermutet, dass das Wort eine Stelle bedeutet, wohin früher die beim Schlachten übrig gebliebenen Abfälle geworfen wurden."

"Stinker"-Straße

Im Mittelalter sah es in Oldenburg vermutlich so aus: Enge Häuser, dicht beisammen, ohne Müllabfuhr. In den Hinterhöfen die Plumpsklos. Abfälle aus jeder privaten Küche wurden vor die Haustür geworfen. Oder vor die Tür des Nachbarn geschoben. Die Reste faulten und schimmelten in den Gassen vor sich hin. "Da wurde alles auf die Straße gekippt. Es gab keine Kanalisation. Das muss tierisch gestunken haben", vermutet auch Munderloh.

Und zu den schlimmsten Stinkern dürften die Schlachtereien gehört haben. Pansenberge zersetzten sich hier an der Luft. Die Straße stank wahrscheinlich zum Himmel. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es hier immer noch mindestens einen Schlachthof. Da mag es dann zwar schon ein wenig mehr Hygiene gegeben haben. Aber für einige Nachbarn war der Straßenname wohl zu viel Stigma. "Die Bewohner im Panzenberg fanden das damals anrüchig. Sie haben die Stadtverwaltung um eine Straßennamensänderung gebeten. Dem wurde stattgegeben."

DAs Straßenschild der Bergstraße in Oldenburg
1845 wurde aus dem "Panzenberg" die Bergstraße. Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Name ohne große Diskussion geändert

Einen Straßennamen mal eben so ändern? Heute kaum vorstellbar, machten 1845 die Stadtoberen kurzen Prozess, sagt Bernd Munderloh. "Okay, wir nehmen 'Pansen' vorne weg, machen 'Straße' hinten dran. Dann wurde daraus die Bergstraße." Eine Bergstraße ohne Berg, wohlgemerkt. Die kleine Gasse ist heute ein beliebtes Postkartenmotiv, weil man hier noch eine entfernte Ahnung davon bekommt, dass Oldenburg einmal ein beschauliches Kleinstädtchen war. Da gibt es auf der einen Straßenseite eine Häuserzeile voller kleiner, liebenswürdiger, inhabergeführter Geschäfte mit ganz individuellen Fassaden. Man darf nur nicht auf die andere, wenige Meter entfernte Straßenseite schauen. Die ist ganz und gar geprägt von der Bausünde einer Versicherungsgesellschaft, entstanden in den 1960er Jahren. Wenigstens stinkt sie nicht.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 17. Januar 2022, 10:38 Uhr