Im Porträt Wie diese Ukrainerin in Bremen zwischen zwei Realitäten lebt

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Journalistin Anna Chaika steht auf dem Bremer Marktplatz.
Vor einem Jahr hat die ukrainische Journalistin Anna Chaika ihr Land verlassen und ist nach Bremen gekommen. Bild: Radio Bremen

Vor einem Jahr hat die ukrainische Journalistin Anna Chaika ihr Land verlassen. Bei Radio Bremen hat sie das News-Angebot von "buten un binnen" erweitert und Nachrichten in ukrainischer Sprache produziert. Pläne für die Zukunft macht sie derzeit nicht. Sie versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

Journalistin Anna Chaika steht auf dem Bremer Marktplatz.

Gesprächszeit "Ich mache keine Pläne für die Zukunft" – Anna Chaika

Vor einem Jahr hat die ukrainische Journalistin Anna Chaika ihr Land verlassen. Für Radio Bremen hat sie dann Nachrichten in ukrainischer Sprache angeboten.

Bild: Radio Bremen

Mitte März 2022 ist Anna Chaika, zusammen mit ihren Eltern, einer Freundin und einem kleinen Hund in Bremen angekommen. Die Familie hat Kiew ein paar Tage nach Russlands Angriff auf die Ukraine im Auto verlassen. Als die Chaikas ihre Entscheidung getroffen hatten, waren die Ausfallstraßen in der ukrainischen Hauptstadt schon überall dicht, weil sich Tausende auf die Flucht begeben hatten. Ziel war zunächst noch gar nicht Deutschland, sondern vorübergehend in einem Hotel in Lwiw unterzukommen: "Der schrecklichste Weg war aus Kiew nach Lemberg. Sonst dauerte es immer fünf Stunden – an diesem Tag waren es 23 Stunden."

Zwischen zwei Realitäten

Nach zwei Wochen war klar, dass man nicht zurückkonnte. Also ging es weiter nach Bremen, wo Annas Bruder schon seit vielen Jahren lebt und arbeitet. Eine Zeit lang konnten alle bei ihm wohnen, aber der Platz in dem kleinen Apartment reichte einfach nicht aus. Anna und ihre Freundin fanden dann Unterschlupf bei einer Bremer Familie. Inzwischen haben alle – Anna, ihre Freundin und Annas Eltern – Wohnungen gefunden. In Gedanken sind sie aber permanent in ihrer Heimat. Und bei denen, die sie zurücklassen mussten: "Zwei Tanten sind noch in der Ukraine, im einem kleinen Dorf. Es ist ruhig dort, keine Raketen, aber auch kein Strom, keine Energie und es ist sehr kalt."

Wir weinen nicht. Das macht uns nur noch mehr wütend.

Anna Chaika über die Nachrichten, die sie täglich aus der Ukraine liest

Im Alltag zurechtzukommen, das fällt vor allem Annas Mutter schwer. Die ganze Situation ist – auch nach über einem Jahr Krieg – noch kaum zu begreifen: "Wir sind immer an unseren Handys, lesen Nachrichten, und die ganze Situation in der Ukraine ist ein großer Schmerz. Und jeden Tag, meine Eltern und ich, wir sehen wie in einer Realityshow, wo unsere Leute getötet werden. Aber: Wir weinen nicht. Das macht uns nur noch mehr wütend."

Nachrichten für ukrainische Landsleute in Bremen

Anna war in der Ukraine investigative Journalistin bei einem privaten Fernsehsender. Oft hat sie sogar mit versteckter Kamera über kriminelle Machenschaften berichtet. In Bremen hat Anna, die schon in Kiew am Goethe-Institut Deutsch gelernt hat, kurz nach ihrer Ankunft bei Radio Bremen angeklopft. Bis vor Kurzem hat sie eine wöchentliche Nachrichtensendung für ukrainische Geflüchtete produziert, die auf viel Resonanz gestoßene war. "Viele Leute können kein Deutsch und es ist schwierig, diese Informationen irgendwo zu finden", so Chaika.

Ich muss diese Zeit richtig nutzen, um mich zu verbessern und etwas Neues zu lernen.

Anna Chaika über ihre aktuelle Situation und ihre Pläne für die Zukunft

Ideen, was sie von Bremen aus für ihre Landsleute tun kann, hat sie viele. Wie es in ihrem Leben weitergeht, wird sie sehen: "Ich mache jetzt keine Pläne. Ich weiß nicht, was ich mache mit meiner Zukunft. Aber nicht alle Leute können hier arbeiten und ich bin glücklich. Und ich muss diese Zeit richtig nutzen, um mich zu verbessern, etwas Neues zu lernen, etwas Gutes zu machen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 13. März 2023, 18:05 Uhr

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