Im Porträt Andrea Sawatzki pflegte als Kind ihren demenzkranken Vater

Autorin

Andrea Sawatzki bei der Aufzeichnung der
Über Alzheimer hat man damals nicht gesprochen, sagt Andrea Sawatzki, die mit zehn schon ihren dementen Vater gepflegt hat. Bild: dpa | Clemens Niehaus/Geisler-Fotopress

Mit "Die Apothekerin" gelang Andrea Sawatzki der schauspielerische Durchbruch, als Frankfurter Tatort-Kommissarin spielte sie sich dann in die sonntägliche Krimi-Fangemeinde. Auch als Autorin ist Sawatzki schon lange erfolgreich. Jetzt ist ihr sehr persönliches Buch über ihre Kindheit, in der sie ihren dementen Vater gepflegt hat, erschienen.

Ob im Kino oder im Fernsehen: Andrea Sawatzki ist häufig in komödiantischen Rollen zu sehen. In der ZDF-Serie "Familie Bundschuh" spielt sie zum Beispiel die liebenswerte Gundula Bundschuh, die ständig versucht, das Familienchaos zu regeln.

Ich bin eher so ein Wanderschreiber. Ich schreibe überall.

Andrea Sawatzki über ihre Schreibgewohnheiten

Die Romane, die der Serie als Vorlagen dienen, stammen alle aus der Feder der Schauspielerin. Im Gegensatz zu den Schreibgewohnheiten ihres Mannes – Schauspieler und Autor Christian Berkel – muss sich Andrea Sawatzki aber zu Hause nicht zum Schreiben an einen festen, ruhigen Platz zurückziehen: "Ich bin eher so ein Wanderschreiber. Ich schreibe überall, wo gerade Platz ist und lande meistens in der Küche". Oft entstehen ihre Bücher unterwegs, während langer Zugfahrten oder in Cafés.

"Young Carer" mit zehn Jahren

Ihr aktuelles Buch "Brunnenstraße" ist ein autofiktionaler Roman über ihre Kindheit und ihren dementen Vater. Andrea Sawatzki schrieb es innerhalb von nur 14 Tagen während eines Lockdowns. "Es war der dritte Versuch, mich diesem Thema anzunähern. Ich hatte 2013 mit dem Schreiben begonnen, aber mich nicht so richtig an das Thema rangetraut", erzählt Andrea Sawatzki, die 1963 als uneheliche Tochter einer Krankenschwester zur Welt kam. Ihr Vater Günther Sawatzki war ein angesehener Journalist und unter anderem Feuilletonchef der "Welt". Als sie geboren wurde, lebte er noch mit seiner ersten Familie zusammen.

Ich war diejenige, die die Türen verschlossen hat und sich ihm in den Weg gestellt hat.

Andrea Sawatzki über die Pflege ihres Vaters in ihrer Jugend

Erst als Andrea acht Jahre alt war, konnte der Vater sie und ihre Mutter – seine langjährige heimliche große Liebe – zu sich holen. Erste Anzeichen seiner Alzheimererkrankung waren damals schon spürbar. Er konnte kaum noch arbeiten und hatte hohe Schulden angehäuft. Daher musste Andreas Mutter das Geld für den Lebensunterhalt alleine verdienen und die Pflege ihres Mannes der Tochter überlassen. Eine Aufgabe, der Andrea nachging, so gut sie konnte. Dabei wusste der Vater oft schon nicht mehr, wer das fremde rothaarige Mädchen in seiner Wohnung eigentlich war: "Ich war diejenige, die die Türen verschlossen hat und sich ihm in den Weg gestellt hat, wenn er weglaufen wollte. Ich war die Person, die ihn an seiner Freiheit gehindert hat."

Das Buch ist eine intensive Auseinandersetzung mit den Nöten eines überforderten Kindes, das eigentlich Tierärztin werden wollte, aber sein schauspielerisches Talent schon bei der Pflege des Vaters anwenden konnte. "Ich war dann Schwester Emmi und habe ihm eine Krankenschwester vorgespielt." Eine Kindheit unter erschwerten Bedingungen, Fragen nach Schuld und Verantwortung auch noch im Erwachsenenalter: Davon erzählt Andrea Sawatzki in ihrem neuen Buch "Brunnenstraße".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 17. März 2022, 18:05 Uhr

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