Im Porträt Comeback fest im Blick: Nationaltorhüterin Almuth Schult

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Almuth Schult
Die WM der Fußballfrauen findet in diesem Jahr ohne sie statt: Torhüterin Almuth Schult Bild: Radio Bremen | Christian Erber

Wenn die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen am 20. Juli in Australien und Neuseeland startet, ist Almuth Schult nicht dabei. Die langjährige National-Keeperin erwartet im August ihr drittes Kind. Danach will die Torhüterin ihre Karriere fortsetzen und setzt auf ein Umdenken der Vereine in Sachen Vereinbarkeit.

Almuth Schult als Keeperin im Spiel Deutschland gegen Israel im Jahe 2021

Gesprächszeit Nach dem dritten Kind will Almuth Schult wieder als Torhüterin zurückkehren

Bei der Fußball-WM der Frauen ist Almuth Schult nicht dabei. Im August erwartet sie ihr drittes Kind. Aber danach will die Torhüterin ihre Karriere fortsetzen.

Bild: dpa | foto2press/Steffen Proessdorf

Comeback nach Zwillingen

2014 war sie Welt-Torhüterin und in ihrer langen Karriere hat sie national und international rund zwei Dutzend Titel gewonnen. Almuth Schult ist aber auch die einzige Mutter, die zuletzt in der deutschen Bundesliga der Frauen gespielt hat. 2020 hat sie Zwillinge bekommen und kehrte kurze Zeit später wieder zwischen die Pfosten bei ihrem damaligen Club VfL Wolfsburg zurück. Ein Comeback, auf das sie stolz ist, aber das alles andere als einfach war: "Alle Mütter kennen das, wie eine Schwangerschaft sich auf einen auswirkt. Und ich glaube die wenigsten Mütter sagen, sie sind nach der Schwangerschaft genauso fit gewesen wie vorher."

In Deutschland war es vor mir sehr verpönt. Allein die Vorstellung, dass ein Kind mit im Mannschaftsbus fährt!

Almuth Schult über Kinder neben dem Platz
Almuth Schult als Keeperin im Spiel Deutschland gegen Israel im Jahe 2021
Familie oder Sport? Im Zweifelsfall würde Almuth Schult der Familie den Vorzug geben. Bild: dpa | foto2press/Steffen Proessdorf

Derzeit ist Almuth Schult ohne Verein, aber sie kann sich gut noch ein paar Jahre zwischen den Pfosten vorstellen. Dass die Vereinbarkeit zwischen Leistungssport und Familie gelingen kann, hat sie im letzten Jahr beim "Angel City FC" in Los Angeles erlebt. Dort spielte sie neben zwei weiteren Müttern, was in den USA keine Seltenheit ist. Von den Amerikanerinnen könne der deutsche Fußball viel lernen, so Schult. Dass Kinder sich am Trainingsgelände aufhalten oder mit auf Reisen gehen wird hierzulande fast überhaupt nicht mitgedacht: "In Deutschland war es vor mir sehr verpönt. Allein die Vorstellung, dass ein Kind mit im Mannschaftsbus fährt! Dass ein Kind vielleicht im Trainingslager mit dabei ist, auch bei den ganzen Mahlzeiten, in der Spielvorbereitung, oder sogar in der Kabine rumturnt. Und in den USA ist das gang und gebe."

Mit Kindern in die EM-Vorbereitung

Bei der Vorbereitung der Europameisterschaften im letzten Jahr hat Almuth Schult sich dafür eingesetzt, dass ihre Kinder mit dabei sein können. "Und im Nachhinein muss man sagen, haben sich viele Entscheidungsträger auch eingestanden, dass es eine gute Entscheidung war, die Kinder mitzunehmen", so Schult. "Dass man auch Dinge ausprobiert, neue Wege bestreitet, die man sich vor zehn Jahren nicht hätte vorstellen können." Und der Erfolg gab dem Team Recht. Schult und ihre Team-Kolleginnen erreichten das Finale gegen England, das 18 Millionen Deutsche am Bildschirm verfolgt hatten. Eine Top-Quote, die gezeigt hat, dass das Interesse am deutschen Frauen-Fußball riesig ist.

Ich hätte den Fußball immer stehen und liegen gelassen für mein Umfeld, meine Liebsten.

Almuth Schult über ihre Prioritäten

Freunde und Familie standen bei Almuth Schult schon immer im Vordergrund: "Für mich war Fußball schon immer nicht das einzig Wahre. Ich hätte den Fußball immer stehen und liegen gelassen für mein Umfeld, meine Liebsten." Aufgewachsen ist das bekennende Landei auf einem Bauernhof im Wendland. Als jüngste von vier Kindern gehörte das Anpacken jederzeit mit dazu, egal ob es ums Treckerfahren, Holzhacken oder Heustapeln ging. Almuth probierte sich im Judo, im Tischtennis, im Tanzen und im Badminton aus, bevor sie sich voll und ganz auf den Fußball konzentrierte.

Lehrjahre in der großen Stadt

Mit 16 verließ Almuth Schult den elterlichen Hof, weil der HSV sie unter Vertrag genommen hatte. Voller Euphorie und Aufbruchsstimmung zog sie in die große Stadt: "Da waren wenig Zweifel. Als ich dann in Hamburg angekommen bin, wurde man dann etwas geerdet. Plötzlich waren der Freundeskreis und die Familie weit weg." Auch die Schule musste Schult mitten in der Pubertät wechseln: "Das war sehr, sehr lehrreich, um zu wissen, was möchte ich im Leben erreichen, was macht mich glücklich und was nicht."

Ich liebe mein Dorf und das Dorfleben!

Almuth Schult über ihre Verwurzelung

Missen möchte Almuth Schult diese Lehrjahre aber nicht. Ihr Weg ging dann weiter nach Magdeburg und schließlich nach Wolfsburg, wo sie zur Führungsspielerin wurde. Nach ihrem Jahr in Los Angeles ist sie wieder ins Wendland zurückgekehrt: "Ich liebe mein Dorf und das Dorfleben. Ich bin sehr dankbar dafür. Ich will es nicht missen."

Mitfiebern in Australien und Neuseeland

Ob Almuth Schult nach der Geburt ihres dritten Kindes noch einmal in der Bundesliga spielen wird, weiß sie noch nicht. Ein weiteres Engagement in Amerika findet sie als Familienmensch aufgrund der großen Entfernung schwierig: "Aber in Europa gibt es auch viele aufstrebende Ligen. Es ist eher das Ziel, dort irgendwo zu landen."

Ich traue ihnen alles zu!

Almuth Schult über ihre Teamkolleginnen bei der Fußball-WM der Frauen
Almuth Schult
Almuth Schult Bild: Radio Bremen | Christian Erber

Jetzt fiebert Almuth Schult aber erst einmal vom heimischen Sofa aus mit und hofft, dass das deutsche Team bei der WM in Australien und Neuseeland wieder in einen spielerischen Flow kommt wie bei den Europameisterschaften im letzten Jahr: "Ich traue ihnen alles zu! Das erste Ziel ist Gruppenerster zu werden und dann zu schauen, wie man durch die K.o.-Phase kommt". Im August wird sie sich auf die Geburt ihres dritten Kindes fokussieren – und danach an ihrem zweiten Comeback arbeiten.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 20. Juli 2023, 18:05 Uhr

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