Die Morgenandacht Rituale: Der Hochzeitskuss

Esther Joas

Die Morgenandacht Rituale: Der Hochzeitskuss

Wo Menschen sind, da gibt es Rituale. Feststehende Handlungen, die etwas ausdrücken, ohne es zu benennen. Inmitten unserer Freiheit geben sie uns Halt. Pastorin Esther Joas geht in dieser Woche auf die Suche nach der Bedeutung von Ritualen. Heute dem Hochzeitskuss.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Wo Menschen sind, da gibt es Rituale. Feststehende Handlungen, die etwas ausdrücken, ohne es zu benennen. Inmitten unserer Freiheit geben sie uns Halt. Pastorin Esther Joas geht in dieser Woche auf die Suche nach der Bedeutung von Ritualen. Heute dem Hochzeitskuss.

"Sie dürfen die Braut jetzt küssen." Da ist er, der Höhepunkt der Trauzeremonie. Meistens ist es ein Standesbeamter oder eine -beamtin, der oder die diese Worte spricht. Da das Standesamt ja für viele zum Ersatz für die kirchliche Feier geworden ist, haben die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter mittlerweile Rhetorik-Kurse besucht und schreiben Hochzeitsreden. Es gibt auf dem Standesamt neben dem Verwaltungsakt also eine Zeremonie mit Ringtausch und Kuss. Im August war ich mal wieder in der Botanika im Rhododendronpark. Die Gewächshäuser waren wie eine Sauna, ich schätze mal 40 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Das Bremer Standesamt hat dort mittlerweile eine Außenstelle errichtet für besondere Trauungen. Im Tropenhaus standen, umgeben von Schmetterlingen, die Stühle für das Brautpaar, den Standesbeamten und den engen Familien- und Freundeskreis bereit. Ich hoffe, bei der Hitze und Feuchtigkeit ist niemand vor dem großen Moment in Ohnmacht gefallen! Wahrscheinlich war der Kuss eine recht klebrige Angelegenheit.

Der Brautkuss gehört seit dem frühen Mittelalter zum westlichen Hochzeitsritus. Er besiegelt die Ehe. Im Nibelungenlied wird Kriemhild von Siegfried umarmt und, so heißt es dort, "nach der Sitte geküsst." Sogar Schriften aus der Antike berichten davon.

Wir suchen als Gesellschaft nach neuen Formen für alte Rituale. Wir probieren aus, was unbedingt dazugehören muss und was verändert werden kann.

Bei einer kirchlichen Trauung ist der Kuss nicht der Höhepunkt der Zeremonie und wird entsprechend nicht so zelebriert. Hier geht es um den Segen Gottes für eine lebenslange Partnerschaft. Die Predigt und das Bibelwort erinnern, was es bedeutet, eine Ehe im Angesicht Gottes zu führen, woher die Kraft für Neuanfänge kommen kann und die Fähigkeit, einander immer wieder zu vergeben.

Nach evangelischem Verständnis hat das Paar bereits vor der Trauung seinen Ehewillen bekundet und empfängt im Gottesdienst den Segen für diese große Lebensentscheidung. Meistens möchte das Ehepaar sich dann nach dem Trausegen küssen und ich finde das einen natürlichen Ausdruck größter Freude zweier sich liebender Menschen. Aber als Besiegelungs-Kuss ist er mir doch ein bisschen zu aufgeladen.

Autor/Autorin

  • Pastorin Esther Joas

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