Im Porträt Wie Regisseur Volker Schlöndorff die deutsche Filmgeschichte prägt

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Porträt von Volker Schlöndorff 2019 in Berlin
"Der Waldmacher" heißt Volker Schlöndorffs neuester Kinofilm Bild: Imago | Reiner Zensen

Ein Oscar, die Goldene Palme und sieben Deutsche Filmpreise: Volker Schlöndorff ist seit über sechzig Jahren erfolgreich im Filmgeschäft. Im April 2022 startete seine neue Dokumentation "Der Waldmacher" in unseren Kinos. Darin porträtierte er Tony Rinaudo, der Afrikas Wüsten begrünt.
Am 12. Mai 2023 erhält Volker Schlöndorff nun die "Ehren-Lola" für seine Verdienste um den deutschen Film.

Porträt von Volker Schlöndorff 2019 in Berlin

Gesprächszeit "Ich komme mir langsam auch wie eine Legende vor" – Volker Schlöndorff

Volker Schlöndorff ist seit über sechzig Jahren erfolgreich im Filmgeschäft. 2022 war er mit der Dokumentation "Der Waldmacher" in unseren Kinos zu sehen.

Bild: Imago | Reiner Zensen

Volker Schlöndorffs Filmografie ist beeindruckend: Der heute 84-Jährige stand für "Die Blechtrommel", "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" oder "Tod eines Handlungsreisenden" sowie zahlreiche andere Filme hinter der Kamera. Er hat ein großes Stück der neueren deutschen Filmgeschichte maßgeblich mitgeprägt.

In den deutschen Kinos war 2022 seine Dokumentation "Der Waldmacher" zu sehen. Ein Film über den Australier Tony Rinaudo. Mithilfe einer speziellen Methode aktiviert dieser in Afrikas Wüsten unterirdische Wurzelwerke, um so neue Bäume heranzuziehen. Denn wo Bäume sind, da ist auch Wasser. Das Projekt ist eine riesige Chance für Afrikas Böden und die Menschen, die davon leben.

Mit Mini-Filmset durch Afrika

Tony Rinaudo schneidet Zweig ab
Mithilfe einer besonderen Renaturierungsmethode lässt Tony Rinaudo verdorrte Gebiete in Afrika wieder ergrünen. Bild: World Vision

Da der Name Schlöndorff eher für Literaturverfilmungen steht, war diese Dokumentation eine besondere Herausforderung. Der Regisseur spricht daher auch lieber von einem Film-Essay: "Es ist ein Versuch, einen Dokumentarfilm zu machen – ein Genre von dem ich wenig verstehe."

Die Idee zum Film hatte sich zufällig ergeben, weil Schlöndorff sich seit einigen Jahren humanitär in Afrika engagiert. Bei der Verleihung des Alternativen Nobelpreises in Stockholm lernte er Rinaudo kennen, der bis dato als Einzelkämpfer unterwegs war: "Ich dachte: Das muss sich ändern! Ich sagte: 'Darf ich einen Film über Sie machen?' Das ist mir so rausgerutscht".

Sechs Wochen später saß Volker Schlöndorff schon mit dem Aktivisten auf einer Konferenz in Bamako, Mali und fuhr mit ihm spontan aufs Land. Dort engagierte er ein Kamerateam und begleitete Rinaudo schließlich zwei Jahre lang.

Normalerweise ist Schlöndorff große Filmsets gewohnt. Nun war er nur mit Tony Rinaudo und einem weiteren Kameramann unterwegs. Finanziert wurde der Film über Crowdfunding und mithilfe der Filmförderung. Gearbeitet wurde bei 40 Grad im Schatten und geschlafen in kleinen Dorfunterkünften weit ab der großen Metropolen. Auf diese Weise habe Schlöndorff Afrika ganz neu kennengelernt.

Wo der Fimmel herkommt, Filme machen zu wollen, ist mir ganz unklar.

Volker Schlöndorff

Alles begann in Frankreich

"Wo der Fimmel herkommt, Filme machen zu wollen, ist mir ganz unklar", schmunzelt Schlöndorff, wenn er an seine Jugend zurückdenkt. Noch als 16-jähriger Schüler meldete er sich für freiwillig für einen Aufenthalt in einem französischen Internat, um später auf eine französische Filmschule gehen zu können. Doch so weit kam es gar nicht. Er volontierte bei Louis Malle, ergatterte dann eine Regie-Assistenz und übersetzte. Das war sein Start im französischen Filmgeschäft.

Als er selbst Filme machen wollte, war das Kino gerade im Umbruch: Es war die Zeit der Nouvelle Vague in Frankreich und auch in Deutschland tat sich etwas: Mit dem Oberhauser Manifests forderten junge Regisseure wie Alexander Kluge und Peter Schamoni einen neuen Deutschen Film. "Wir wollten (...) unser Leben auf der Straße – so wie wir Anfang der sechziger Jahre lebten – darstellen", erzählt Schlöndorff. Vor dem Hintergrund des Algerien-Kriegs wollte er Filme mit politischem Bewusstsein machen. "Filme können nicht die Welt verändern, aber sie können Bewusstsein verändern und aufklären." Die Zeit in Frankreich habe ihn dabei entscheidend geprägt: "Ich bin in beiden Kulturen aufgewachsen. Ich bin mit 16 rüber und nie so ganz weg aus Frankreich."

Der Oscar als Türöffner

Volker Schlöndorff ist auch in den USA erfolgreich. 1980 wurde der Regisseur mit einem Oscar für "Die Blechtrommel" als besten ausländischen Film ausgezeichnet. Danach war er auch in Hollywood gefragt. Doch Schlöndorff bleibt bescheiden. Stolz ist er viel mehr über die Goldene Palme, die ihm eine Jury aus Kolleginnen und Kollegen verliehen hat. Nach der Wende rettete er die Babelsberger Filmstudios vor dem Untergang. Jetzt, nach über sechzig Jahren hinter der Kamera, ist er in Potsdam zuhause. Selbst mit über 80 sind Rente oder Ruhestand kein Thema für ihn: "Ich bin immer unabhängig gewesen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 11. Mai 2023, 18:05 Uhr

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