Im Porträt Erst Polizist, dann Häftling und heute ein Medienstar: Samuel Meffire

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Porträt von Samuel Meffire
Der in Dresden aufgewachsene Autor Samuel Meffire lebt heute in Bonn. Bild: dpa | Carsten Koall

Einst Vorzeige-Polizist und Medienstar, heute Ex-Häftling und Buchautor - Samuel Meffires Biografie ist derart wechselvoll, dass der Streamingdienst Disney-Plus eine Serie daraus macht.

Porträt von Samuel Meffire

Gesprächszeit Er war Polizist und wurde zum Verbrecher

Samuel Meffire wurde der erste schwarze Polizist Ostdeutschlands. Doch dann rutschte er selbst in die Kriminalität ab. Sieben Jahre saß er im Gefängnis.

Bild: dpa | Carsten Koall

Samuel Meffires Lebensgeschichte ist fernsehreif: 1992 wurde er als erster afrodeutsche Polizist Ostdeutschlands bundesweit zum Medienereignis. Vier Jahre später machte er als Schwerverbrecher Schlagzeilen. Nach dem Gefängnis hat Meffire sein Leben umgekrempelt: Heute arbeitet er mit straffälligen Jugendlichen, schreibt Krimis und hat eine Biografie herausgebracht: "Ich, ein Sachse: Mein deutsch-deutsches Leben" erzählt seine wechselvolle Geschichte, die 1970 in der DDR begann.

Dass Rassismus auch der DDR alltäglich war, wird gerne vergessen.

Samuel Meffire wird 1970 in Dresden-Neustadt geboren.

Sich selbst bezeichnet Samuel Njankouo Meffire gerne als "Ostbrötchen". Er ist ein Kind des Ostens, doch als Afrodeutscher in Dresden-Neustadt aufzuwachsen, das war schon zu DDR-Zeiten überhaupt nicht lustig. Als sich die Mutter in einen kameruner Studenten verliebte, wurde das Paar überall ausgegrenzt. "Dass Rassismus auch der DDR alltäglich war, wird gerne vergessen", sagt Samuel heute. Wenige Stunden vor seiner Geburt geschah die Katastrophe: Der Vater stirbt plötzlich, die Todesursache ist bis heute ungeklärt.

Die Ursache des Hasses war die Angst und die wiederum wurzelte darin, dass es diese große Implosion und dann nachfolgend dieses große, große Chaos in Ostdeutschland gab.

Nach der Wende erlebt Samuel, wie Fremdenhass und rassistische Gewalt offen zutage treten.

Die 27-jährige Mutter blieb mit ihren zwei Söhnen alleine zurück, bis der Großvater wieder Kontakt aufnahm. Er kümmerte sich liebevoll um seine Enkel, las ihnen sehr viel vor und wurde für Samuel "die herausgehobene Lichtgestalt meiner Kindheit", die in ihm die Faszination für alles Fantastische und Utopische weckte.

Eine unglaublich wahre Geschichte

Ein "waschechter" Sachse ist der 1970 bei Leipzig geborene und heute in Dresden lebende Sam Njankono Meffire, dessen Gesicht für eine Tageszeitung in der Elbestadt wirbt.
Durch Zufall wurde Samuel für die Kampagne entdeckt. Bild: dpa | Thomas Lehmann

Dann kam die Wende. Samuel erlebte Begeisterung, aber auch Ohnmacht, rassistische Hetze und rohe Gewalt: "Die Ursache des Hasses war die Angst und die wiederum wurzelte darin, dass es diese große Implosion und dann nachfolgend dieses große, große Chaos in Ostdeutschland gab." Er selbst fand im alternativen Kulturzentrum "Scheune" in Dresden-Neustadt einen Zufluchtsort, ging 1992 zur Polizei und wurde das Gesicht einer antirassistischen Imagekampagne, die bundesweit Schlagzeilen machte. Als erster schwarzer Polizist in Ostdeutschland, war Samuel zudem ein gerngesehener Talkshow-Gast.

Das war ein schwieriger, innerer Prozess.

Beschreibt Meffire seine Therapie während der Haft.

Zwei Jahre später war der Hype vorbei. In nur fünfeinhalb Wochen war aus dem Vorzeigepolizisten ein Gewaltverbrecher geworden. Samuel floh in den Kongo und genau hier beginnt die biografische Serie "Sam – ein Sachse", die im April diesen Jahres auf Disney-Plus startete. Der echte Sam stellte sich 1996 den Behörden, verbrachte über sieben Jahre im Gefängnis und wurde Dank Therapie und Seelsorge ein anderer Mensch: "Das war ein schwieriger, innerer Prozess", sagt er heute, indem "ich unter haarsträubenden Kopfkinowallungen in meinen unkrautigen Garten gehen musste und dort arbeiten."

Das hat sich gelohnt, denn längst arbeitet der zweifache Familienvater als Sozialarbeiter, Trainer und Buchautor. Allein vom Schreiben kann er nicht leben, aber dafür kocht er den besten Kakao der Welt. Das Geheimnis sind reichlich Salz, Zimt, Zucker und etwas Puddingpulver. "Es gibt kein persönliches Leiden, dass dieser Kakao nicht heilen kann.", ist er überzeugt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 28. Juli 2023, 18:05 Uhr

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