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Die Nacht

Die regionale Reportage Das Steinhaus in Bunderhee ist ein stiller Zeuge der Jahrhunderte

Autoren

  • Gerhard Snitjer
Häuptlingsburg in Bunderhee (Archivbild)
Um das Steinhaus in Bunderhee ranken sich viele Geschichten. Bild: www.ostfriesland.de

Es gibt Orte, da wünscht man sich, man könnte mal eben auf eine Zeitreise gehen: Einfach mal ansehen, wie es hier früher aussah und wer hier lebte. Ein trutziger Backsteinturm in Bunderhee im Landkreis Leer, genannt "Das Steinhaus", ist so ein Ort. Seine Geschichte begann vor mehr als 700 Jahren, und die Anfänge liegen im Dunkel des Mittelalters. Seitdem ist viel passiert, aber das Steinhaus von Bunderhee steht noch immer.

Das Steinhaus von Bunderhee erzählt Geschichten aus vergangener Zeit

Seine Geschichte begann vor mehr als 700 Jahren, und die Anfänge liegen im Dunkel des Mittelalters. Seitdem ist viel passiert, aber das Steinhaus von Bunderhee steht noch immer da.

Die alte ostfriesische Häuptlingsburg in Bunderhee aus dem 14. Jahrhundert (Archivbild)
Bild: DPA | Carmen Jaspersen
Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Knapp acht mal zwölf Meter im Grundriss, und gute 15 Meter hoch, mit bis zu 1,60 Meter dicken Backsteinmauern – dieses wuchtige Steinhaus hat eine lange Geschichte, die mindestens bis ins 14 Jahrhundert zurückreicht. Für Sonja König, Archäologin bei der Ostfriesischen Landschaft, ist jeder Besuch eine Zeitreise. Es sind auch anderswo in Ostfriesland solche sogenannten Steinhäuser zu finden, aber keins ist so ursprünglich erhalten wie das in Bunderhee. Bemerkenswert ist, dass es diese Bauwerke überhaupt gibt, denn der Bau von hohen Steinhäusern war im 14. Jahrhundert eigentlich verboten – und das gleich aus mehreren Gründen.

Wenn man Recht sprechen will, und da sitzt jemand in so einem zehn, fünfzehn Meter hohen Backsteinturm, dann muss man da erstmal rankommen. Das heißt, das Recht durchzusetzen ist so eine Sache. Das zweite ist: Wenn man ihm als Strafe das Haus abbrennen will, dann wird das mit so einem Backsteinhaus auch schon mal schwierig.

Sonja König, Archäologin

Wer hat hier vor rund 700 bis 800 Jahren dieses Bau-Verbot ignoriert, vielleicht weil er über dem Gesetz stand oder weil er als ostfriesischer Häuptling das Gesetz selbst gemacht hatte? Wir wissen es nicht, sagt Birgit Knust, die oft Gäste durch das alte Gemäuer führt. Der klobige Turm wurde als eine Art Schutzraum gebaut. Mit einem Burggraben, massiven Wänden, winzigen Licht- und Luftöffnungen und Schießscharten. Die Bewohner und ihre Reichtümer waren hier sicher. Wie mag es drinnen eingerichtet gewesen sein? Auch diese Frage ließe sich nur durch eine Zeitreise beantworten.

Eingangsportal der Häuptlingsburg in Bunderhee (Archivbild)
Wer durch das Eingangtor ein- und ausgegangen ist, bleibt ein Geheimnis. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

"Wir haben hier große Räume, und zumindest zu Handels- und Lagerzeiten muss man sich vorstellen, dass das hier gestapelt, gepackt, geschüttet ist. Wie die Ausstattung wirklich aussah, also sprich: Was hatte der Besitzer von Bunderhee 1410 hier stehen – müssen wir passen", so Sonja König. Aus späteren Jahrhunderten sei viel mehr bekannt, sagt die Archäologin. Da mussten die Bewohner nicht mehr ständig auf der Hut vor Angreifern sein und konnten das Gebäude ganz anders nutzen.

Sagen und Mythen ranken sich um das Steinhaus

Hier und da wurden damals Fenster vergrößert, Kamine eingebaut. Und übrigens auch endlich Treppen. Denn bis dahin waren die Etagen drinnen nur durch Leitern verbunden. Für das 15. bis 18. Jahrhundert weiß Gästeführerin Birgit Knust sehr genau, welchen wohlhabenden Familien das Steinhaus gehörte, wer darin wohnte und wer schließlich ein richtig komfortables, barockes Wohnhaus anbaute: "Sie wurden reicher und wollten den Reichtum auch zeigen durch größere Häuser. Außerdem lebten hier zwei Familien im Turm, Ficinus und von Heteren. Das wurde dann vielleicht ein bisschen eng."

Und so steht das Ensemble bis heute da: Das schmucke Wohnhaus, weit überragt durch das eigentliche Steinhaus von Bunderhee, das kaum noch verändert wurde und wieder lange Zeit als Speicher diente. Seit 2007 gehören Steinhaus und Barockvilla der Ostfriesischen Landschaft, die daraus ein wunderschönes Museum gemacht hat. Die wirkliche Historie, die hier spürbar wird, hindert aber die Ostfriesen nicht daran, immer mal wieder die alten Legenden über das Steinhaus hervorzuholen. Birgit Knust erzählt mit einem Augenzwinkern von der weißen Frau: Ein stolzes Burgfräulein im Steinhaus habe viele Verehrer abgewiesen, darunter auch einen, der dann auf einem Kreuzzug zu Tode kam.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. Juni 2021, 10:40 Uhr