Im Porträt Seine Kommentare sind legendär – ESC-Stimme Peter Urban

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Moderator und ESC-Stimme Peter Urban
Peter Urban kommentiert seit 25 Jahren den ESC. Bild: NDR | Benjamin Hüllenkremer

Er ist "Mister ESC", die Stimme des Eurovision Song Contest: Am 13. Mai wird Peter Urban den Musik-Wettbewerb zum 26. und letzten Mal kommentieren. Seit 1974 arbeitet er als Musikjournalist beim NDR und schrieb sogar seine Doktorarbeit zur Poesie des Rock. Nun hat der 75-jährige Moderator und begeisterter Podcaster mit "On Air" sein erstes Buch veröffentlicht.

Moderator und ESC-Stimme Peter Urban

Gesprächszeit Ich war kulturell im Kopf immer in England – Peter Urban

Peter Urban ist die Stimme des ESC. Seit 50 Jahren arbeitet er als Musikjournalist und Popexperte beim NDR, nun erscheinen seine Erinnerungen in einem Buch.

Bild: NDR | Benjamin Hüllenkremer

Die Musik ist sein Leben. Über 2500 Konzerte hat Peter Urban selber besucht und dabei Talente erlebt, lange bevor sie alle kannten. Später als Musikjournalist traf er Keith Richard, David Bowie, Bruce Springsteen oder Joni Mitchell, nun hat er über all das ein Buch verfasst. "On Air. Erinnerungen an mein Leben mit der Musik" handelt von den unzähligen Begegnungen vor und hinter der Bühne, und es erzählt, wie aus dem Quakenbrücker Lehrersohn und Englandfan ein Popexperte wurde. Jedes Kapitel ist mit einem Songtitel überschrieben.

Ich finde es zu eng, wenn man immer nur auf einem Stil rumreitet. Musik ist breiter als das.

Sagt Peter Urban, der seit 1974 Musiksendungen moderiert.

Das Buch ist Klaus Wellershaus (1938-2016) gewidmet, der beim NDR in Hamburg "Schallplatten für Kenner" moderierte und Peter Urban für das Radio entdeckt hat. Wellershaus lud den damaligen Englischstudenten ein, nachdem dieser ihn in einem Leserbrief korrigiert hatte. Sie wurden Freunde und schließlich Kollegen. "Vielleicht wäre ich ohne ihn jetzt Studienrat oder Studienrat im Ruhestand. Ich weiß es wirklich nicht genau, ob ich auch sonst diesen journalistischen Radioweg gegangen wäre, hätte ich diese Chance nicht bekommen.", resümiert Urban, der noch als Schüler nur Jazz hören und spielen wollte. "Die Popmusik habe ich eigentlich erst ignoriert", sagt er, bis ihm Freunde die Beatles-Single "I feel fine" schenkten. "Von da an gab es kein Zurück." Mithilfe von Musikzeitschriften und dem britischen Soldatensender BFBS wuchs seine Expertise. Für welche Musik er selber schwärmt? Darüber könnte er locker acht Stunden reden und natürlich hat er auch Idole, aber stilistisch ist er überhaupt nicht festgelegt. "Ich finde es zu eng, wenn man immer nur auf einem Stil rumreitet. Musik ist breiter als das.", sagt der NDR-2 Moderator, der seit 1974 immer wieder Neues ausprobiert.

Nimmt den ESC sportlich

Seit 1997 ist Peter Urban die Stimme des Eurovision Song Contest (ESC). Seine trockenen Kommentare sind legendär. Der ehemalige Grand Prix hat sich verändert: "Es ist heute nicht mehr ganz so lustig. Es ist spektakulär, es ist musikalisch manchmal sehr, sehr gut. Aber dass man so die richtig skurrilen Ausfälle erlebt, das kommt heute kaum noch vor." Spannend sei der Musikwettbewerb für den Fußballfan Urban nach wie vor, denn "es passieren Dinge, die nicht voraussagbar sind".

Was Außergewöhnliches gewinnt, nicht normaler Mainstream.

Sagt der Musikexperte über den ESC.

Doch warum schneiden die deutschen Beiträge oft so schlecht ab? "Der Hauptgrund ist der, dass wir keine Künstler gefunden haben, die einen Draht zum Publikum gefunden haben, zum internationalen Publikum. Das heißt unsere Songs haben die Menschen nicht berührt, die sind denen nicht ans Herz gegangen und sind nicht in Erinnerung geblieben. Wir hatten zu normale Auftritte, die gleich dann in Vergessenheit geraten, wenn sie von der Bühne runter sind. ", lautet seine Antwort darauf. "Was Außergewöhnliches gewinnt, nicht normaler Mainstream.", fährt er fort, daher ist in diesem Jahr optimistisch, denn "Lord Of The Lost" haben alles, um wirklich aufzufallen.  

Radio mit Zukunft

Auch technisch hat Peter Urban viel erlebt. Erst kam die Musik vom Band, dann vom Plattenteller und der CD, nun liegen die Songs digital vor. "Es ist etwas unpersönlicher heute, wenn man nur aus dem Speicher was da rüberzieht und draufdrückt.", sagt der gestandene Radiomoderator und zweifache Familienvater, dessen Kinder nur noch streamen. Für ihn muss Radio kuratieren. Fachleute müssen Anregungen und Beispiele geben, was man alles hören kann, statt das Feld einem Algorithmus zu überlassen. Wie das geht, zeigt sein eigener Podcast "Urban Pop". Darin nimmt er sich für ein Thema richtig viel Zeit, denn offen und neugierig bleiben, das ist sein Motto.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 09. Mai 2023, 18:05 Uhr

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