In der Ausstellung Weitgehend unbekannt: Paula Modersohn-Becker als Zeichnerin

"Die Zeichnerin Paula Modersohn-Becker"

Autorin

Zeichnung eines auf dem Boden sitzender weiblicher Akt mit einem Kind auf dem Schoß
Paula Modersohn-Becker: Auf dem Boden sitzender weiblicher Akt nach rechts, mit einem Kind auf dem Schoß, 1906, Kohle auf Papier, Privatbesitz Bild: Paula Modersohn-Becker Museum Bremen

Die Worpsweder Malerin Paula Modersohn-Becker gehört zu den wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie gilt als Vorläuferin des Expressionismus und Wegbereiterin der modernen Malerei. Die reduzierten Formen ihrer Landschaftsbilder und Porträts sowie die kräftigen erdigen Farben haben sie international bekannt gemacht. Weitgehend unbekannt ist dagegen "Die Zeichnerin Paula Modersohn-Becker". In Bremen widmet sich sich nun die gleichnamige Ausstellung ihren Skizzen, Zeichnungen Pastellen und Aquarellen.

Skizzenblöcke waren ihre ständigen Begleiter. Sie zeichnete Pariser Straßenszenen, Worpsweder Bauernkinder, ägyptischen Statuen: Paula Modersohn-Becker war nicht nur im Atelier produktiv, neben der Ölmalerei arbeitete sie auch mit Bleistift, Kohle, Kreide, Tusche und Pastell. 1.328 fragile Papierblätter sind erhalten. Eine eindrucksvolle Zahl, wenn man ihren frühen Tod bedenkt: mit 31 Jahren. 130 Werke wurden für die Ausstellung ausgewählt. Dabei spielt das Werkverzeichnis ihrer Zeichnungen eine große Rolle, das jetzt von der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung nach jahrzehntelanger Arbeit herausgegeben wird.

Die frühen Zeichnungen dokumentieren Paulas künstlerische Anfänge als Kunststudentin in London, Berlin und Worpswede. Die letzten Skizzen stammen aus ihrem Todesjahr 1907. Ein Gang durch die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Künstlerin, auch wenn sie nicht immer chronologisch vorgeht. Gleich im ersten Raum fallen eindrucksvolle lebensgroße Aktstudien ins Auge, ein männlicher und ein weiblicher Körper, 1898 in Kohle gemalt. Ihre erste Aktzeichnung ist sogar noch zwei Jahre älter und zeigt einen bärtigen sitzenden Mann.

Von der Skizze zum Gemälde

Paula Modersohn-Becker, Auf einem niedrigen Hocker sitzender
Paula Modersohn-Beckers Werk "Auf einem niedrigen Hocker sitzender männlicher Akt nach rechts", 1905, Kreide. Bild: Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen

Auch viele Kinderakte stammen aus der künstlerischen Anfangszeit – Rippenbögen, Schulterblätter, Wadenmuskeln sind noch naturalistisch modelliert. Später findet sie ihren eigenen Stil, ihr Strich wird forscher, die Bildkomposition innovativer, die Formen abstrakter. In ihren Skizzen hat sich die Künstlerin mehr getraut als in ihren Gemälden. Besonders anschaulich wird das in den Räumen, in denen Vorzeichnungen und Gemälde direkt nebeneinander präsentiert werden.

"Sie bereitet diesen Weg zur Abstraktion vor in den Zeichnungen und das kann man sehr schön in der Ausstellung nachvollziehen."

Museumsdirektor Frank Schmidt über die moderne Bildsprache in den Zeichnungen von Paula Modersohn-Becker

Die berühmte "liegende Mutter mit Kind" wurde in vielen Studien vorbereitet, aus unterschiedlichen Perspektiven, ebenso die "Armenhäuslerin" oder "Die badenden Knaben". Dabei sind viele Zeichnungen so ausdrucksstark, dass sie locker als Kunstwerk für sich stehen können.

Bildmontage zeigt die Bilder von Paula-Modersohn-Becker: "Liegender weiblicher Akt mit sitzendem Kind" (Kohlezeichnung) und "Liegende Mutter mit Kind II" (Öl auf Leinwand) nebeneinander
Studie und Gemälde: Die berühmte "liegende Mutter mit Kind". Bild: Paula Modersohn-Becker Museum

Die meisten Zeichnungen stammen aus der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, dem familiären Nachlass. Ergänzt durch Werke aus den Kunsthallen Bremen und Hamburg und aus Privatsammlungen. Einige wurden noch nie öffentlich gezeigt.

Wer andere Facetten von Paula Modersohn-Becker kennenlernen möchte und einen neuen Blick auf die alt vertraute Künstlerin werfen will, ist in dieser Ausstellung genau richtig.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 13. Mai 2023, 11:40 Uhr

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