Im Porträt Vom bösen Straßenjungen zum gefeierten Kinostar: Moritz Bleibtreu

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Porträt von Moritz Bleibtreu
Moritz Bleibtreu Bild: dpa | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

Mit Filmen wie "Knockin‘ on Heaven’s Door" oder "Soul Kitchen" und mit seinen zahlreichen Fernsehrollen hat sich Moritz Bleibtreu in die Herzen seiner Fans gespielt. Nun ist der Schauspieler beim 33. Internationalen Filmfest Emden-Norderney mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet worden. Der 51-Jährige kommt aus einer bekannten Theaterfamilie und wuchs in Hamburg auf.

Moritz Bleibtreu auf dem Filmfest Emden-Norderney
Moritz Bleibtreu

Gesprächszeit "Ich habe auch viel Mist gebaut in meiner Jugend" – Moritz Bleibtreu

Mit Filmen wie "Knockin‘ on Heaven’s Door" hat sich Moritz Bleibtreu einst in die Herzen seiner Fans gespielt. Beim Filmfest Emden-Norderney bekam er nun den Schauspielpreis.

Bild: Filmfest Emden-Norderney

Sein Leben lang hat Moritz Bleibtreu nichts Anderes gemacht, als die großen Kinosäle zu füllen. Rund 50 Filme hat der 51-Jährige gedreht. Preise sind für Bleibtreu dabei die Kirsche auf der Sahnetorte. Auf dem 33. Internationalen Filmfest Emden-Norderney wurde er für seine langjährige Arbeit mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet: "Es ist eine unheimlich große Freude und es ist toll zu sehen, dass das, was ich mache seit nunmehr 30 Jahren immer noch relevant ist. Das ist toll!"

Ganz an so einem Rotlicht-Viertel vorbei leben als Jugendlicher kannst du natürlich nicht.

Moritz Bleibtreu über seine Kindheit in Hamburg-St. Georg

Moritz Bleibtreu stammt aus einer richtigen Schauspiel-Dynastie – die Großeltern waren Schauspieler, sein Vater der Charakterdarsteller Hans Brenner, seine Mutter die Schauspielerin Monica Bleibtreu. Aufgewachsen ist Bleibtreu im Bahnhofsviertel St. Georg in Hamburg, weil seine Mutter dort am Deutschen Schauspielhaus engagiert war.

Moritz Bleibtreu auf dem Filmfest Emden-Norderney
Auf dem Filmfest Emden-Norderney wurde Moritz Bleibtreu mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet. Bild: Filmfest Emden-Norderney

Auf der einen Seite wurde er als Intellektuellen-Kind auf Theaterbühnen groß – auf der anderen Seite war das Leben vor der Tür vom Straßenleben geprägt. "Meine Freunde waren fast alle böse Jungs und ich habe auch viel Mist gebaut in meiner Jugend. Und ganz an so einem Rotlicht-Viertel vorbei leben als Jugendlicher kannst du natürlich nicht.“ Seine Freunde kamen aus der Türkei, aus Griechenland oder dem Balkan. "Ein türkischer Haushalt war mir in meiner Jugend näher als ein klassisches, deutsches Zuhause, wo die Mutti noch einen Kuchen gebracht hat. Das gab es bei uns gar nicht", erzählt Bleibtreu.

Eine Rolex von der ersten Gage

Das Bahnhofsviertel in dem Bleibtreu aufgewachsen ist, war eine Mischung aus Bohème, Kultur und "Abschaum", so Bleibtreu. "Als 12-Jähriger fand‘ ich das überhaupt nicht cool. Ich fand‘ das auch nicht subversiv, cool oder Avantgarde, sondern einfach nur eklig, siffig und stinkig." Seine Mutter und er lebten spartanisch auf 73 Quadratmetern, mit polternder Gasheizung und Dusche in der Küche: "Wenn du zu uns nach Hause gekommen bist, hast du nicht gedacht, hier wohnt eine berühmte Schauspielerin." Deswegen, glaubt Bleibtreu, hat er wohl auch einen Hang zu Statussymbolen. Von seiner ersten Gage als Schauspieler hat er sich damals eine Rolex-Uhr gekauft.

Ganz am Anfang wollte ich eigentlich Komiker werden.

Moritz Bleibtreu über seine kindlichen Vorstellungen von der Schauspielerei

Dass er selbst mal Schauspieler wird wie seine Eltern, hat Moritz Bleibtreu "nicht einmal im Ansatz" in Frage gestellt: "Ich wusste: das wirst du!" Durch seine Mutter kam er in Berührung mit dem existenzialistischen Theater der Achtziger Jahre, doch Moritz Bleibtreus größten Inspirationen waren große Komiker wie Jerry Lewis, Jacques Tati, Totò, Buster Keaton oder Harold Lloyd. "Ganz am Anfang wollte ich eigentlich Komiker werden – also lustig sein." Während seiner Ausbildung fand Bleibtreu dann auch Gefallen am dramatischen Fach und musste erkennen, dass die große Kunst vor allem mit dem großen Drama assoziiert wird. "Das finde ich ein bisschen schade", so Bleibtreu, der Menschen gerne ein Lächeln ins Gesicht zaubert: "Der Oscar geht nicht an Comedians."

Durchbruch in den Neunzigern

Mit 17 schmiss er die Schule, machte ein Au-Pair-Jahr in Frankreich und nahm Schauspielunterricht in Hamburg, Rom und New York. Mit Rollen als charmanter Draufgänger, Typ mit Witz oder liebenswerter Kleinkrimineller hatte er ab Ende der Neunziger Erfolg. Am Ende verschaffte er sogar seiner Mutter Monica noch den Start ins Filmgeschäft, nachdem dieser am Schauspielhaus gekündigt worden war: "Ich hab‘ ihr gesagt: Wir ziehen dich jetzt vor die Kamera und zeigen der Welt wie toll du bist!".

Das Kino wird immer für mich das Zentrum meines Schaffens sein.

Moritz Bleibtreu über die Faszination des Kinos

Noch heute hat das Kino seinen Reiz für den Schauspieler nicht verloren. "Das Kino wird immer für mich das Zentrum meines Schaffens sein", sagt Moritz Bleibtreu. "Wenn es geht", schränkt er ein, denn natürlich weiß auch er, dass mit dem Streaming ein neues Zeitalter in der Filmbranche angebrochen ist. Serien bieten die Möglichkeit, Nebenfiguren weiter zu entwickeln oder neue dramaturgische Stränge einzubauen, so Bleibtreu. Doch der wichtigste Teil der Erzählstruktur – das Ende einer Geschichte! – fehlt. Für Moritz Bleibtreu ein entscheidender Nachteil: "Wirklich jeder große Film hat ein großes Ende." Ob seine Zukunft weiterhin auf der Leinwand stattfindet, oder ob sein Gesicht künftig öfters auf Streaming-Plattformen zu sehen sein wird: Moritz Bleibtreu weiß, dass er am Ende den guten Geschichten folgen wird.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 23. Juni 2023, 18:05 Uhr

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