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Die Nacht

Im Porträt Wenn der Akku immer leer ist – Mia Diekows Leben mit Long Covid

Autor/Autorin

  • Maria Hecht
Mia Diekow
Mia Diekow wurde 2020 ausgebremst: Noch heute kämpft sie mit den Folgen ihrer Coronavirus-Infektion. Bild: Mia Diekow | Anna Jünemann

Im Frühjahr 2020 erkrankt Mia Diekow an Corona. Eigentlich will die Synchronsprecherin damals als Musikerin durchstarten. Doch ihre Gesundheit spielt nach der Virusinfektion nicht mehr mit. Mia Diekow leidet an Long Covid, ist immer erschöpft und chronisch krank. Mit ihrer restlichen Energie kämpft sie dafür, dass ihre Krankheit anerkannt wird.

Mia Diekow

Gesprächszeit "Ich habe keine Energie mehr" – Mia Diekow

Mia Diekow ist Sängerin, die Synchron-Stimme von "Yakari" und hat Long-Covid. Seit ihrer Corona-Infektion vor bald drei Jahren ist sie dauererschöpft und chronisch krank.

Bild: Mia Diekow | Anna Jünemann

Mia Diekow wird 1986 in Hamburg geboren. Schon als Kind darf sie sich im Studio als Synchronsprecherin ausprobieren. Damals lebt sie mit ihrer Mutter in einer Wohngemeinschaft, zusammen mit einem Aufnahmeleiter. Er ist im Synchronbereich tätig und sagt Mia auf den Kopf zu – sie sei die perfekte Synchronsprecherin! Also geht es ins Studio. Mia Diekow wird professionelle Sprecherin, ist unter anderem in Filmen und Serien wie zum Beispiel "Batman – Gotham by Gasligh"“, "Bates Hotel" und "Vampire Diaries" zu hören. Und sie leiht "Yakari", einer beliebten Figur aus der gleichnamigen Zeichentrickserie, ihre Stimme.

Musik wird zu ihrem Lebensinhalt

Die Musik und der Gesang sind Diekow mindestens genauso wichtig. Sie ergattert einen Plattenvertrag bei der Sony und nimmt 2013 beim Eurovision Song Contest Vorentscheid "Unser Song für Malmö" teil. Und dann ändert sich alles: Im März 2020 infiziert sie sich mit Covid-19, lebt mehrere Wochen streng abgeschottet und findet kaum medizinische Hilfe.

Wenn ich meine Belastungsgrenze überschritten habe, bin ich bettlägerig.

Mia Diekow über ihrn Alltag mit Long Covid

Für Mia Diekow wird alles anders bleiben, denn sie wird nicht mehr gesund: "Wenn ich meine Belastungsgrenze überschritten habe, dann bin ich bettlägerig. Wenn ich Glück habe, schaffe ich es noch aufs Klo. Man muss mir Essen bringen und wenn es länger dauert, muss ich natürlich auch irgendwann gewaschen werden."

Ich habe vor allem das Gefühl, ich habe ein tonnenschweres Gewicht auf mir.

Mia Diekow über die Ausprägungen ihrer Krankheit

Die junge Frau recherchiert, tauscht sich mit Betroffenen aus und allmählich dämmert es ihr, dass ihre Zusammenbrüche nach alltäglichen Anstrengungen wie Fahrradfahren auf ihre Corona-Infektion zurückzuführen sind. Die Dauererschöpfung ist eines der Krankheitssymptome von Long Covid. In Fachkreisen wird ihre Erschöpfung als "Chronisches Fatigue Syndrom" bezeichnet, zudem leidet Mia Diekow an einer "Post-Exertional-Malaise" (Belastungsintoleranz) sowie einer Störung des autonomen Nervensystems: "Ich habe vor allem das Gefühl, ich habe ein tonnenschweres Gewicht auf mir. Ich kann mich nicht mehr bewegen. Ich fühle mich nicht müde – es ist, als wäre der Stecker gezogen. Ich habe keine Energie mehr."

Chronisch krank mit Mitte 30

Ein normaler Alltag, rausgehen, einkaufen, Freunden treffen, ist nicht mehr möglich. Sie muss ganz genau darauf achten, was sie tut, was sie anstrengt. Immer wieder Pausen machen, um zu verhindern, dass sie sich überlastet und es ihr wieder schlechter geht. Es gibt Phasen, in denen sie sogar pflegedürftig ist – mit Mitte 30. Bislang gibt es kaum Therapien und Grundlagen-Forschung zu Long Covid. Keiner weiß, ob sie jemals wieder ganz gesund werden wird.

Kampf um Anerkennung und finanzielle Unterstützung

Oft hilft Mia Diekow dann ihre Verspieltheit, die wie ein natürliches Antidepressivum wirkt: "Ich habe echt das Schwein, dass ich auch mit mir alleine genug zu lachen habe." Trotz Long Covid ist Mia Diekow weiter berufstätig, vor allem als Sprecherin. Sie ist in dieser Hinsicht privilegiert, im Vergleich zu vielen Long-Covid-Patienten, die gar nicht mehr arbeiten können und oft um finanzielle Unterstützung kämpfen müssen. Diekow kann von zu Hause arbeiten, sie hat sich ein Studio einrichten lassen. Allerdings schafft sie heute nur noch einen Bruchteil ihres früheren Arbeitspensums. Und sie muss aufpassen, dass sie sich nicht überanstrengt. Auch ganz einfach Freunde und Familie treffen können Auslöser für so genannte Crashs sein, von denen sich Mia Diekow manchmal tagelang erholen muss.

Wir Betroffene sind so schwach – wir können eben nicht demonstrieren gehen.

Mia Diekow wünscht sich Unterstützung von Nicht-Betroffenen

Ihre Energie ist überschaubar. Einen Teil davon investiert sie in die Patienteninitiative "Long Covid Deutschland", für die sie unter anderem die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit macht. Das auch, weil sie das Glück hat, bei einer Ärztin in Berlin in Behandlung zu sein, die sich auf Long-Covid-Symptome spezialisiert hat. Das Wissen, was sie hier vermittelt bekommt, teilt sie dann mit anderen Betroffenen. Sie berät die Presse und setzt sich mit PolitikerInnen auseinander. Denn noch immer werden die Krankheit und auch ihre Folgen für die Gesellschaft und Wirtschaft unterschätzt und übersehen. "Ich hoffe, dass auch andere sich für uns einsetzen und für uns kämpfen: Wir Betroffene sind so schwach, wir können eben nicht demonstrieren gehen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 20. Dezember 2022, 18:05 Uhr